Lebenshilfe-Bewohner Lars Tobias Gorissen an der Spitze des „Kanonenzugs 2015“ des ASV Willich

Allgemeiner Schützenverein 1886 Willich : Handicap ist kein Hindernis

Der Allgemeine Schützenverein 1886 Willich lebt Inklusion. Wenn am Wochenende Schützenfest gefeiert wird, marschiert der Lebenshilfe-Bewohner Lars Tobias Gorissen an der Spitze des „Kanonenzugs 2015“.

Lars Tobias Gorissen stehen vor Freude die Tränen in den Augen. „Es ist so schön. Ich kann es gar nicht beschreiben“, sagt der 38-Jährige, der im Garten der Wekelner Wohnstätte „Unser Haus“ der Lebenshilfe Kreis Viersen neben einer gewaltigen Kanone steht und aufs Herzlichste von seinen Zugkameraden des „Kanonenzugs 2015“ begrüßt wird. Dem schließen sich der Vorstand des Allgemeinen Schützenvereins (ASV) Willich sowie das Königshaus an. Es ist ein wichtiger Tag für den Willicher. Allerdings nicht, weil er Geburtstag hat, sondern weil die Rosen für sein Zuhause gedreht werden. Auf den Tischen liegen bereits farbige Krepppapierrollen und der Draht, um die Röschen herzustellen. „Damit werden wir gleich die Maien schmücken, die schon vorne am Eingang stehen, und weitere Maien aufstellen“, berichtet Lars Tobias Gorissen, der das Down-Syndrom hat.

Der bereits gekränzte Eingang an der Hülsdonkstraße 160 verrät es schon, dass im Haus der Lebenshilfe etwas ansteht. Lars Tobias Gorissen ist der Zugkönig der Schützengruppe „Kanonenzug 2015“. Unverkennbar auch daran zu erkennen, dass der Willicher das Schützensilber des Kanonenzugs trägt. „Lars Tobias war schon immer vom Schützenfest begeistert. Es war immer sein großer Wunsch, dort mitzumachen und einmal Zugkönig zu sein“, erzählt seine Mutter Marlies Gorissen.

Die Lebenshilfe unterhält dabei bereits seit Jahren einen Kontakt zum ASV. Im Rahmen von „Ehrenamt rückwärts“ drehen die Bewohner von „Unser Haus“ für den Haupteingang des Festzeltes die Rosen und nehmen regelmäßig am Montagmorgen des Willicher Schützenfestes am Frühschoppen teil. „Es ist eine der vielen Gelegenheiten, wie wir uns einbringen und am Willicher Leben teilhaben. Lars Tobias hat nun im wahrsten Sinne des Wortes den Vogel abgeschossen“, sagt Esther Mand, die Willicher Bereichsleiterin der Lebenshilfe Kreis Viersen.

Diesen bestehenden Kontakt nutzte Lars Tobias Gorissen, um einen Brief an den ASV zu schreiben, in dem er dem Vorstand mitteilte, welche Freude es ihm macht mitzufeiern und wie gerne er einem Schützenzug angehören würde. Der Brief blieb nicht ohne Folgen. Der Schützenzug „Jut drup“ nahm ihn 2013 auf. Als sich der Zug ein Jahr später auflöste, wechselte der Willicher mit dem Down-Syndrom in den frisch gegründeten „Kanonenzug 2015“ und ist seitdem dort Mitglied.

„Tobias gehört zu uns. Er ist in unseren Zug völlig integriert, und wir freuen uns alle, dass er unser Zugkönig ist“, sagt Mike Cook, der mit den anderen Zugmitgliedern eigens fürs Rosendrehen die rund 300 Kilogramm schwere Kanone in den Garten von „Unser Haus“ gezogen hat. Die Kanone gehört nämlich immer dazu. Und wie es sich für einen Zugkönig gehört, hat Lars Tobias Gorissen auch eine Königin. „Das ist meine Lebenspartnerin Janina Lill“, berichtet der 38-Jährige.

Wenn er an den Vogelschuss zurückdenkt, leuchten seine Augen. Den 30. April, 23.55 Uhr, wird er niemals vergessen. Zu diesem Zeitpunkt fiel der Vogel nach mehreren Hundert Schüssen endlich herunter. Wobei gleich fünf Kameraden aus dem Kanonenzug mitgeschossen hatten. Sowohl bei der Lebenshilfe als auch beim ASV freut man sich über die gelungene Zusammenarbeit. „Für manche ist Inklusion nur ein Wort. Wir setzen sie um. Schützen schützen und helfen. Sie sind füreinander da. Da spielt es keine Rolle, ob jemand ein Handicap hat oder nicht“, betont Joachim Kothen, der Präsident des ASV. Das spiegelt sich auch beim gemeinsamen Rosendrehen wider. Alle helfen mit, die Rosen für die Maien herzustellen. 

In der Ecke wartet schon der Grill auf seinen Einsatz. Denn wenn alles fertig ist und die Maien aufgestellt sind, rundet ein gemeinsames Grillen das Vorbereitungsevent für das große Willicher Schützenfest ab. „Wir sind stolz darauf, erstmals einen Zugkönig zu stellen“, sagt Professor Elmar Berendes vom Vorstand der Lebenshilfe Kreis Viersen, der ebenfalls zu den Gästen zählt.

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