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Landwirte brauchen ausländische Hilfskräfte

Fakten & Hintergrund : Landwirte brauchen Hilfskräfte

Geschlossene Grenzen und Reiseverbote – das trifft auch die Landwirte am Niederrhein. Sie wissen nicht, wie sie die notwendigen Erntehelfer aus Osteuropa bekommen können.

Die Reisebeschränkungen innerhalb Europas führen auch für die Landwirtschaft in der Region zu Problemen. Eigentlich steht die Spargelsaison am Niederrhein – begünstigt durch den warmen Winter und die momentane Wärme von 19 Grad am Montagnachmittag – in den Startlöchern. Trotzdem kann zum Beispiel Hans-Michael Meyer vom Spargelhof Meyer in Schiefbahn nicht einfach die Ernte starten – er weiß nicht, wie er über die Erntehelfer aus Osteuropa verfügen kann, die in den Vorjahren die Erntearbeit auf den Feldern erledigt haben.

Es gibt verschiedene Aspekte: Einige rumänische Hilfskräfte sind derzeit auf dem Hof, aber sie werden zum Ende des Monats am Ende der üblichen zwei Monate in Deutschland nach Hause fahren. Bisher weiß Meyer nicht sicher, dass neue Hilfskräfte nach Deutschland kommen können. Diese rumänischen Hilfskräfte sind diejenigen, die den Spargel auf den Feldern stechen. Es gebe zwar die Aussage seines Verbandes, dass das funktioniere, aber „wer weiß, was die Regierung noch entscheidet“. Er setzt jetzt darauf, über physikalische Methoden die Ernte zu verzögern: „Wir legen keine schwarze Folie auf die Dämme, versuchen, damit die Kälte im Damm zu halten und die Ernte Mitte/Ende April zu beginnen.“ Mit weißer Folie könne dagegen erreicht werden, dass der Boden vor Sonnenerwärmung geschützt wird.

Er hat wohl Hilfsangebote bekommen: Einige Studenten haben sich gemeldet, um auf dem Hof zu helfen. Die Flächen für den Kartoffelanbau bereitet er mit eigenen Kräften vor. Eine andere Möglichkeit sieht er darin, Kräfte aus der Gastronomie, die beschäftigungslos sind, auf dem Hof einzusetzen, aber „die Krux ist die Ernte. Wir kriegen etwas hin, aber ich weiß noch nicht was.“ Ein weiteres Problem ist die Frage, wer den Spargel abnimmt: „Wir wissen nicht, ob wir den Hofladen aufhalten können. Ich bin aber optimistisch, es sind ja Lebensmittel.“ Ein großer Abnehmer, nämlich die Gastronomie, wird aber sicher entfallen.

Frank Mertens vom Obsthof Mertens benötigt die Helfer für die Erdbeerernte, die in etwa drei Wochen beginnt. Zurzeit geht es darum, dass er polnische Hilfskräfte bekommt, die quasi als Vorarbeiter ganzjährig auf dem Obsthof tätig sind. Er habe die Arbeitsverträge zugeschickt, die die einreisenden Helfer an der Grenze vorlegen müssen, so Mertens: „Wir müssen den Nachweis erbringen, dass die Mitarbeiter benötigt werden.“ Im Moment ist er zuversichtlich, dass auch zum Erntebeginn weitere Helfer aus Polen und Rumänien kommen können: „Die Landwirtschaft gehört zu den bedürftigen Arbeitsbereichen. Das sieht die Regierung.“

Paul-Christian Küskens, der Vorsitzende der Kreisbauernschaft Krefeld-Viersen, bestätigt das Problem: Es herrsche Ratlosigkeit bei den Landwirten. Keiner könne sagen, wer einreisen dürfe, und auch die Rückkehr der Hilfskräfte in die Heimat sei nicht geregelt. Aktuell überschlügen sich die Ereignisse: „Wer hätte vor einer Woche gedacht, dass Deutschland die Grenzen zumacht?“ Küskens bezweifelt die Aussage von Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner, dass Mitarbeiter aus der Gastronomie auf den Feldern aushelfen könnten: Wer kellnern gewohnt sei, könne nicht einfach so die Arbeit auf dem Spargelfeld oder im Gemüseanbau übernehmen. „Es ist eine schwierige Situation. Wir brauchen praktikable Lösungen.“

Es sind allerdings nicht alle landwirtschaftlichen Betriebe gleichermaßen von der Problematik betroffen. Thomas Heyes, der einen Ackerbau-Betrieb in Willich leitet, kommt mit eigenen Arbeitskräften aus. Die Felder werden maschinell bearbeitet und abgeerntet.