Künstlergilde Neersen zeigt „Strukturen“

Schloss Neersen : Ausstellung bietet große Vielfalt an Themen und Techniken

Zum Thema „Strukturen“ ließen sich 13 Aktive der „Künstlergilde Neersen“ einiges einfallen. Bis Sonntag ist ihre Ausstellung im Schloss zu sehen.

Für gewöhnlich bevorzugt Manfred Bode Zeichnung und Malerei. Für die Ausstellung „Strukturen“ aber begab er sich auf ungewohntes Terrain: In einer Materialcollage klebte er zufällig zerschlagene Spiegelscherben in unterschiedlichen Winkeln auf gerahmte Flächen. Über die Bildneigung in der Hängung  erreicht er weitere Brechungen der Spiegelung. Der Betrachter findet sich in der Arbeit wieder als Teil eines unvollständigen Mosaiks. Zugleich ist der Hintergrund des Standpunkts vielfach fragmentiert. „Mich interessierte die Oberflächenstruktur sowie die Reflexion einer inneren Struktur“, sagt Bode, der damit abseits des gängigen Porträts den Menschen thematisiert.

Der Künstler ist einer von 13 Kreativen der Künstlergilde Neersen, die in der Temporären Galerie von Schloss Neersen zum Thema „Strukturen“ ausstellen. Der Titel erlaube erneut eine große Vielfalt, stellt Vorsitzender Uwe Richter glücklich über das breite Spektrum fest.

Er beleuchtet das Thema über die Fotografie und kontrastiert anschaulich natürliche und von Menschen geschaffene Strukturen. Im gewählten Ausschnitt lassen sich die Motive, wie das Wattenmeer und eine verputzte Hauswand, zuweilen erst auf den zweiten Blick enträtseln. Der Betrachter nimmt sie zunächst in ihrer Eigendynamik wahr.

Für Sybille Buchwald ist der Auftritt im Schloss die zweite Ausstellung als Mitglied der Künstlergilde. Innerhalb der Gruppe ist die „Neue“ die einzige, die auch in der Technik der Enkaustik arbeitet. Für die Präsentation aber wählte sie Acrylbilder aus. Angeregt von ihrer Arbeit mit psychisch kranken Menschen setzt sich Buchwald zum Beispiel mit der „Wohnraumnot“ auseinander. In abstrakter Farbkomposition deutet sie skizzenhaft architektonische Strukturen und deren Zerfall an. In einem der Nachbarbilder eröffnet sie in freier Rastergliederung immer wieder neue Räume. Fasziniert vom Tun der Oma steuerte Enkelin Enie ein kleines Werk mit Filzstift auf Holz bei. Damit ist Enie mit ihrem spontanen Beitrag unbestritten die jüngste Teilnehmerin.

 „Die Bilder sind unter dem Pinsel entstanden“, sagt Angela Richter über ihre „Kosmischen Strukturen“ in Öl auf Leinwand. Richter reflektiert in der Malerei ihre Eindrücke beim Betrachten von Fotos mit Radioteleskopen. Mit einer Skulptur setzt sie sich kritisch mit dem Populismus auseinander. In das Rund einer pastos strukturierten Kugel trieb sie rostige Nägel, die in Reihen geordnet zum Abbild des Gleichschritts werden.

„Gebrochene Kinder“ nennt Burckhard Freihoff seine Auseinandersetzung mit Missbrauchsfällen in der Kirche. Fundholz, Figurinen und violetter Gazestoff sind Medium mit symbolischen Bezügen. Im Dreieck positioniert sind seine „Strukturanalysen“ mit Titanrückständen vom Gießen des Edelstahls. Auf Metallgestellen entfalten die „Abfälle“ eine unerwartete Ästhetik.

Ehefrau Hilde Freihoff verwertet mit Packpapier, Sägespänen, Trockengranulat und anderem mehr Dinge, die nach einmaligem Gebrauch allzu oft entsorgt werden. Auf die „Reste“ trägt sie 20 bis 30 Farbschichten auf, die im Verbund mit den Materialien zu atmosphärisch anmutenden Kompositionen reifen.

Karstjen Schüffler-Rohde entfaltet in überzeichneten Monotypien ein Strukturspiel, das zwischen feiner Nuancierung und markanter Präsenz wetteifernder Elemente schwingt.

Öffnungszeiten bis 4. November: Montag bis Freitag 17 bis 19 Uhr, Samstag 15 bis 18 Uhr, Sonntag 11 bis 17 Uhr. Mitglieder: Manfred G. Bode, Sybille Buchwald, Claudia Delissen, Burckhard Freihoff, Hilde Freihoff, Dagmar Grützmacher, Hans-Georg Linden, Karin Lis, Erich Ludwig, Brigitte Napierala, Susanne Neuls, Hans-Dieter Poppe, Angela Richter, Uwe Richter, Lilli Rieger-Grab, Karstjen Schüffler-Rohde, Uli Venjakob.

www.kuenstergilde-neersen.de

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