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Willich: Kritik am Parteichef

Willich : Kritik am Parteichef

CDU pflegteStreitkultur

KREIS VIERSEN CDU-Kreisparteivorsitzender Dr. Marcus Optendrenk machte in seiner Grundsatzrede den Mitgliedern Mut für die künftigen Aufgaben. Auch wenn bei der Kommunalwahl die absolute Mehrheit im Kreistag knapp verloren wurde, habe die Union weiterhin den Anspruch, "die politisch gestaltende Kraft in unserem Kreis zu sein". Er mahnte den Zusammenhalt nach innen an. Bezogen auf die innerparteilichen Querelen nach der Wahl von Michael Aach zum neuen Vorsitzenden der CDU-Kreistagsfraktion sagte Optendrenk: "So bedauerlich das für den einzelnen ist: es gibt in der Demokratie keinen Anspruch auf ein Amt. Es gibt keine erworbenen Rechte auf Lebenszeit, keine Pfründen und Besitzstände." Nach der Wahl Aachs war der bisherige Fraktionschef Rudi Alsdorf aus der Partei ausgetreten.

Auf die "Affäre" um Alsdorfs Parteiaustritt ging der frühere Bundestagsabgeordnete Julius Louven ein. Er kritisierte Parteichef Optendrenk vehement, sprach von einem "herzlosen" Verfahren. Optendrenk habe die Verdienste von Alsdorf in Frage gestellt. Das sei "übles, nicht notwendiges Nachtreten" gewesen. Deshalb habe es ihn nicht verwundert, "dass Alsdorf die Nerven verloren" habe, meinte Louven. Er bemängelte auch das Verfahren bei der Nominierung der Landtagskandidaten. Optendrenk wies die Kritik zurück. Dennoch zeigte Louvens Rede Wirkung: 115 Mitglieder verweigerten bei der Wahl des Kreisvorsitzenden Optendrenk die Zustimmung. Der dankte für ein "ehrliches Ergebnis".

Es war ein eindruckvoller CDU-Kreisparteitag – und das gleich in mehrfacher Hinsicht. Zum einen fanden sich so viele Mitglieder wie lange nicht mehr in der überfüllten Albert-Mooren-Halle in Oedt ein. Zum anderen erlebten die Anwesenden mal wieder eine gewisse innerparteiliche Streitkultur. Auch wenn nicht alle Mitglieder mit der Meinung des früheren Bundestagsabgeordneten und Kreisvorsitzenden Julius Louven übereinstimmten, der CDU-Grande hat aus seiner Sicht so deutliche Worte gefunden wie selten in den vergangenen Jahren. Sie wirkten wie eine Klatsche gegen den amtierenden Vorsitzenden Dr. Marcus Optendrenk. Der konterte Louvens Angriff zwar wortgewandt. Aber bei vielen Anwesenden blieb die Louven-Kritik nicht ohne Wirkung. Sie verweigerten ihrem Parteichef bei seiner Wiederwahl die Zustimmung.

Eine Überraschung war das Auftreten der beiden Landtagskandidaten Michael Aach und Dr. Stefan Berger. Aach kritisierte mit einem Halbsatz Bergers derzeitige Politik im Landtag, was die Versammlung mit deutlichen Buhrufen quittierte. Und Berger seinerseits hielt eine bemerkenswert selbstsichere Rede, die die Mehrheit überzeugte. Keine Überraschung war dagegen, dass Christian Weisbrich sich deutlich gegen seine Last-Minute-Mitbewerberin Luise Fruhen durchsetzte. Er legte bei seiner Rede seine ganze landespolitische Erfahrung in die Waagschale. Luise Fruhen blieb da nur einen Achtungserfolg. ANDREAS REINERS

(RP)