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Korruptionsverdacht gegen Handwerker aus Willich

Prozess wegen Vorteilsgewährung : Korruptionsverdacht in Willich

Ein 48 Jahre alter Handwerker steht ab dem 17. März in Krefeld vor Gericht. Der Willicher soll Aufträge der Stadt erhalten und einem städtischen Mitarbeiter als Gegenleistung Kosten bei privaten Aufträgen erlassen haben.

Ein Unternehmer aus Willich muss sich ab dem 17. März vor dem Amtsgericht Krefeld wegen Vorteilsgewährung verantworten. Weil der 48-Jährige einen Strafvorschlag zuvor abgelehnt habe, werde der Fall nun vor Gericht verhandelt, berichtet Oberstaatsanwalt Axel Stahl auf Anfrage unserer Redaktion.

Dem Handwerker mit Wohnsitz in Willich wird vorgeworfen, dass seine Firma von der Stadt Willich zwischen 2011 und 2015 Aufträge in einem Gesamtumfang von fast 330.000 Euro erhalten – und der Mann einem Mitarbeiter der Stadtverwaltung dafür Gegenleistungen erbracht haben soll.

Ein Großteil der Aufträge sei durch den städtischen Mitarbeiter A. an das Unternehmen des Willichers vergeben worden, der das Unternehmen des Angeklagten wiederum mit umfangreichen Installationsarbeiten an seinen eigenen Immobilien in Mönchengladbach betraut habe. Für diese Arbeiten soll der Angeklagte keinen Arbeitslohn in Rechnung gestellt haben. Die durch ein Gutachten ermittelte Ersparnis belaufe sich auf insgesamt fast 12.000 Euro.

Zwischen 2011 und 2013 soll der Willicher Handwerker mit seinem Betrieb dem städtischen Mitarbeiter A. gegenüber immer wieder auf Forderungen und marktübliche Materialzuschläge verzichtet oder ihm Preisnachlässe gewährt haben.

Im Juni 2014 habe der Betrieb des Angeklagten an einer Immobilie von A. in Mönchengladbach eine Heizungsanlage installiert und in Betrieb genommen. Neben den Materialkosten sei ein pauschaler Arbeitslohn in Höhe von 210 Euro berechnet worden – in der Rechnung sei allerdings ein Kundenrabatt in nahezu identischer Höhe aufgeführt worden. Die Demontage der vorhandenen Heizungsanlage habe der Betrieb A. überhaupt nicht in Rechnung gestellt.

Bei umfangreichen Umbauarbeiten in einer der Immobilien in Mönchengladbach soll der Willicher Betrieb auf der entsprechenden Rechnung einen nicht marktüblichen Nachlass auf das verbaute Material gewährt haben, zudem sei nicht der volle Werklohn erstattet worden. Statt der in Rechnung gestellten 3935,06 Euro habe der städtische Mitarbeiter A. lediglich einen Betrag in Höhe von 3685 Euro gezahlt. Zudem: Ein Vergleichsangebot eines anderen Unternehmens, das A. für die Sanierung des ersten Obergeschosses eingeholt habe, habe Kosten in Höhe von mehr als 8400 Euro ausgewiesen.

Hinzu kämen im ersten Halbjahr 2015 auf zwei Rechnungen Beträge im zwei- und dreistelligen Bereich, auf die der Angeklagte zugunsten von A. verzichtet habe; dabei habe es sich um nicht marktübliche Nachlässe auf das verbaute Material gehandelt.

Den Mitarbeiter der Stadt Willich hat die Staatsanwaltschaft Mitte 2020 wegen Vorteilsnahme angeklagt. Das Hauptverfahren soll laut Angaben von Oberstaatsanwalt Stahl voraussichtlich im Sommer stattfinden.

(emy)