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Konzert des Itamar Borochov Quartetts in Neersen

Itamar Borochov Quartett : Ein Kosmopolit und Grenzgänger an der Trompete

Der „Willicher Frühling“ war die letzte Station seiner Gastspiele in Deutschland: Leider hörten nur rund 40 Besucher das wundervolle Konzert des Itamar Borochov Quartetts. Der Samstag erwies sich damit als schlechter Termin, kamen an den beiden vorangegangenen Freitagsterminen jeweils über 100 Jazzliebhaber.

Bei seinem Gastspiel im November in Kempen hatte Borochov noch von einem „beautiful place“ gesprochen, am Samstag verzichtete der israelische Trompeter weitgehend auf Ansagen. Das an einem Samstagabend fast ausgestorben wirkende Neersen mag für Musiker aus New York arg gewöhnungsbedürftig sein. Doch die Besetzung der CD-Einspielung war nur zur Hälfte auf Tour. Die Bassist kommt aus Belgien, der Schlagzeuger ist Italiener.

 Die Musik, die Itamar Borochov mtigebracht hatte, ist international und überall verständlich. Seine Musik ist ruhig, melodiös, aber nie langweilig oder einlullend, sondern immer mit Spannung und Brüchen. Mit dem Pianisten Rob Clearfield aus Chicago tritt Borochov gern in einen musikalischen Dialog. Aber der belgische Bassist Cedric Raymond und der italienische Drummer Enrico Morello sind alles andere als nur Background, sondern liefern starke eigene Akzente.

Die aktuelle CD hat den Titel „Blue Nights“. Damit beschwört Borochov die heilsame Wirkung der Farbe Blau, die für das Meer, den Himmel oder den Blues stehen kann. Mit der Musik dieses Albums setzt er ein Zeichen der Hoffnung in Zeiten der Gewalt und einer Gesellschaft voller Absurditäten. Seine Musik beschwört eine friedlichere Welt. Itamar ist in Jaffa aufgewachsen, dem kosmopolitischen Hafenort, in dem Juden, Muslime und Christen zusammenleben. Zum Studium ging er nach New York, wo er heute lebt. In seiner Musik verschmelzen Orient und Neue Welt.