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Stadt Willich: Klinik setzt Chefarzt Ormann vor die Tür

Stadt Willich : Klinik setzt Chefarzt Ormann vor die Tür

Der Ärztliche Leiter des Katharinen-Hospitals in Willich hatte sich kritisch über die Schließung des Hauses geäußert. Am Donnerstag wurde er freigestellt. Nach RP-Informationen musste er sein Büro binnen einer Stunde räumen.

Die St.-Augustinus-Kliniken haben Dr. Walter Ormann, den langjährigen Ärztlichen Leiter und Chefarzt der Inneren Medizin des Katharinen-Hospitals in Willich, am Donnerstag mit sofortiger Wirkung freigestellt. Nach Informationen unserer Zeitung musste Ormann sein Büro binnen kurzer Zeit räumen. Fassungslose Mitarbeiter sollen ihm geholfen haben, seine persönlichen Sachen aus dem Haus zu bringen.

Am Donnerstag war in der Rheinischen Post ein Artikel erschienen, in dem Ormann sich zum Ende des Willicher Krankenhauses kritisch geäußert und gesagt hatte, das Haus wäre zu retten gewesen. Ormann selbst äußerte sich gestern nicht.

Auf Nachfrage der Rheinischen Post bestätigte Corinna Dönges, die Pressesprecherin der St.-Augustinus-Kliniken in Neuss, die das Katharinen-Hospital betreiben, lediglich die Freistellung Ormanns, nicht jedoch die "Kurzfristigkeit". Auch zu den Gründen sagte sie nichts: "Wir bestätigen die Freistellung von Dr. Walter Ormann, dessen medizinische Aufgaben nun planungsgemäß mit der Beendigung der Versorgung im Katharinen-Hospital am Freitag ihren Abschluss finden. Die St. Augustinus-Kliniken bedanken sich an dieser Stelle für die langjährige, verantwortungsvolle Tätigkeit, die Herr Dr. Ormann als Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Fachabteilung Innere Medizin für das Katharinen-Hospital geleistet hat", hieß es in einer E-Mail an die RP. Weitergehend wollte Dönges den Vorgang auch auf Nachfrage nicht kommentieren. Die Augustinerinnen sähen keinen weiteren Handlungsbedarf, da die medizinische Versorgung ohnehin am 27. Juni ende.

In Willich herrscht unterdessen Fassungslosigkeit über die plötzliche Freisetzung Ormanns: "Die Reaktion der Augustinerinnen hat mich vom Stuhl gehauen", sagte Bürgermeister Josef Heyes. "Ihn binnen einer Stunde das Haus räumen zu lassen - das hat er nach so einer langen Dienstzeit nicht verdient." Ormann habe aus seinem Herzen keine Mördergrube gemacht und er könne seine Enttäuschung darüber, dass es mit dem Haus nun zu Ende gehe, verstehen. Ormann sei ein in der Willicher Bevölkerung hochanerkannter Spezialist - die Reaktion der Augustinerinnen sei entsprechend unklug. "Das ist auch enttäuschend für viele Patienten, die Dr. Ormann hier hatte."

Hans Kothen, der 42 Jahre lang Geschäftsführer des Katharinen-Hospitals war, geht in seiner Entrüstung noch weiter: "Ein Rausschmiss binnen weniger Stunden verträgt sich nicht mit dem christlichen Grundsatz des Hauses. Das ist unmenschlich. Ich bin schockiert, machtlos und ratlos." Er könne die von Ormann getroffenen "mutigen" Aussagen nachvollziehen. "Ob es klug war, das als Angestellter des Hauses zu tun, ist eine andere Frage."

Kothen sei in den vergangenen Monaten seit Bekanntwerden der Klinikschließung von vielen Bürgern angesprochen worden, ob er nichts unternehmen könne. "Ich bin seit elf Jahren nicht mehr Geschäftsführer, und die Zeiten haben sich geändert. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass ich dem Träger empfohlen hätte, das Haus zu schließen." Ihn wundere, dass zuerst sieben Millionen Euro investiert wurden und 2012 noch ein Anbau eingeweiht wurde und dann wenige Monate später die Schließung des Hauses bekannt gegeben wurde. "Das kann man sich nicht vorstellen", sagt Kothen, der erst vor wenigen Tagen noch einmal durch die Flure des Hauses gegangen sei. "Da sind mir bald die Tränen gekommen - diese Leere in dem Haus, in dem mal so viel Leben war."

Bürgermeister Josef Heyes hofft nun, Dr. Ormann für das geplante Ambulatorium als Spezialist gewinnen zu können. Das Ambulatorium soll die Schließung des Krankenhauses halbwegs auffangen. "Wir müssen etwas tun, weil wir die medizinische Nahversorgung sicherstellen müssen. Was ist, wenn ein Kind von der Leiter fällt oder einem Arbeiter etwas passiert?", so Heyes. Im Ambulatorium sollen verschiedene medizinische Disziplinen gebündelt werden - etwa Chirurgie, Neurologie, Radiologie oder Orthopädie, aber möglichst auch die Innere Medizin mit Dr. Walter Ormann. Derzeit liefen Gespräche mit einer Unternehmensberatung, die schon mehrere potenzielle Investoren an der Hand habe. Möglichst Ende 2015 soll das Ambulatorium, das auch über 24-Stunden-Beobachtungs-Betten verfügen soll, in Betrieb gehen, wünscht sich Heyes.

Heyes betont noch einmal, dass die Schließung des Katharinen-Hospitals keine politische Entscheidung gewesen sei. "Politik und Verwaltung haben nichts versäumt. Wir sind nicht Eigentümer des Krankenhauses, sondern lediglich Liegenschaftsgemeinde. Leider hat es auch im Wahlkampf gegenteilige, unverschämte Behauptungen gegeben. Es laufen diesbezüglich noch Anzeigen und Strafanträge", so Heyes. Partei-Insider machen die Diskussion um das Krankenhaus nach Informationen der RP mitverantwortlich für das Verfehlen der absoluten Mehrheit der CDU im Willicher Stadtrat bei den jüngsten Kommunalwahlen.

(RP)