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Tönisvorst: Kein Leben in St. Cornelius

Tönisvorst : Kein Leben in St. Cornelius

Vor einem Jahr kam Pfarrer Klaus-Stephan Gerndt nach St. Tönis. Seitdem haben fünf von sechs Mitarbeitern gekündigt. Das einst funktionierende Gemeindeleben in der Pfarre sei quasi gestorben, klagt Axel Stangenberg.

Während sich die Vorbereitungen in Richtung Gemeinschaft der Gemeinden zwischen St. Tönis, Vorst und Kempen prächtig entwickeln, liegt in St. Cornelius das pastorale Leben brach. Die Schuld daran geben Axel Stangenberg vom Kirchenvorstand Pfarrer Klaus-Stephan Gerndt. Vor einem Jahr kam Gerndt nach St. Cornelius. "Die Bilanz nach zwölf Monaten sorgt eher für Frust als Freude in der Pfarre", so Stangenberg. Drei Mitarbeiterinnen, hiervon zwei durch Eigenkündigung, sind seitdem aus dem Dienst der Pfarre ausgeschieden. Die Position der Gemeindereferentin wurde durch Erreichen der Altersgrenze "natürlich" vakant.

Dann hat Kaplan Dominik Heringer die Pfarre nach nur zweijähriger Tätigkeit verlassen. "Ein herber Verlust", betont Dr. Friedhelm Caspers, stellvertretender Vorsitzender des Kirchenvorstandes. Die offizielle Lesart: "Freistellung durch den Bischof zur theologischen Weiterbildung", berichtet Stangenberg. Es sei jedoch ein offenes Geheimnis, dass zwischen Kaplan und Pfarrer ein angespanntes Verhältnis bestanden und eine Kommunikation zwischen den Beiden, wenn überhaupt, sich auf ein Minimum beschränkt habe. Gegen die "offizielle Lesart" spricht auch, dass Heringer im Frühjahr neben dem Studium, für das er einmal in der Woche nach Bonn fahren muss, eine arbeitsintensive Vikarstelle in der Gemeinde Inden angenommen habe, so Caspers. Bis dahin versehe er seine Dienste in Krefeld.

Ebenso habe auch die Chemie zwischen Pfarrer und einer weiteren Gemeindereferentin nicht gestimmt, was letztlich zur Eigenkündigung geführt habe, so Stangenberg. Der vorläufige Höhepunkt sei jetzt die Kündigung des hauptamtlichen Kirchenmusikers. 16 Jahre war er in der Pfarre St. Cornelius tätig. Zwar sind auch persönliche Gründe mitentscheidend, allerdings habe Gerndt es auch versäumt, ihm Zukunftsperspektiven darzustellen. Fazit nach zwölf Monaten mit Pfarrer Gerndt: Von ursprünglich sechs pastoralen und administrativen Mitarbeitern sind fünf ausgeschieden. Die Positionen der Gemeindereferenten sind nach wie vor vakant, einen neuen Kaplan wird es nicht geben. Nun ist nur Pfarrer Gerndt für alle Aufgaben da. Diesen Anforderungen könne er auch beim besten Willen nicht gerecht werden, meint Stangenberg. Jugend, Alten und Krankenseelsorge seien de facto eingestellt, andere wichtige Aufgaben könnten, wenn überhaupt, nur noch auf Sparflamme betrieben werden.

Am Montagabend kamen die Vorwürfe und die Probleme noch einmal auf den Tisch des Kirchenvorstandes. Kein Kommentar von Klaus-Stephan Gerdt. Auch nach der Sitzung sieht Stangenberg "aus seiner Sicht keine Perspektiven", die aus dem Dilemma führen könnten. "Er sagt einfach nichts." Stangenberg hat "gefühlsmäßig den Eindruck, dass Gerndt im vorauseilenden Gehorsam mit Blick auf die Bildung der Gemeinschaft von Gemeinden rein rechnerich Personal freischaufeln wollte." Er habe nichts getan, um Leute zu halten.

Ein in der Vergangenheit funktionierendes Gemeindeleben sei quasi gestorben und eine Wiederbelebung sei, wenn hier nichts kurzfristig Entscheidendes geschehe, mehr als fraglich, betont Axel Stangenberg. Unter diesem Aspekt würden die Wahlen zu Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderat eine besondere Bedeutung haben. Stangenberg appelliert: "Durch eine rege Beteiligung kann hier ein deutliches Zeichen gesetzt werden, den Ist-Zustand nicht länger schweigend zu dulden und somit die Position der Laiengremien zu stärken." Pfarrer Gerndt war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Frage des Tages

(RP)