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Katharinen-Hospital in Willich: Die Firma P&Z kümmert sich um den Abriss

Willich : 45.750 Kubikmeter Krankenhaus müssen weg

Seit einer Woche laufen die Abrissarbeiten am ehemaligen Katharinen-Hospital in Willich. Die roten Hydraulikbagger des Rückbauunternehmens P&Z haben sich bereits tief ins Gebäude hinein gefressen.

Der 30 Meter lange Arm des 150 Tonnen schweren Longfront-Baggers schiebt sich langsam, aber zielstrebig am hinteren Bereich des früheren Katharinen-Hospitals in die Höhe. Die knapp fünf Tonnen schwere Abbruchzange, die an der Spitze des Auslegers montiert ist, öffnet ihre Scheren, frisst sich ein stückweit in die Betonwand, schnappt zu und ruckelt ein wenig hin und her. Dann schiebt sich der Arm mit der geschlossenen Zange, in der ein großes Stück der Bausubtanz hängt, zurück. Ein Knirschen ertönt, als weitere Betonteile wie auch ein Fenster mit aus der Wand herausgerissen werden. Mit einem Druck von 350 Bar arbeitet die Zange.

Die kurz aufkommende Staubwolke wird direkt im Keim erstickt – und das gleich doppelt. Zum einen erfolgt eine Berieselung mit Wasser über den Baggerarm von oben. Dazu gibt es Wasser von unten. Einer der Mitarbeiter des Rückbauunternehmen P&Z steht neben dem Longfront-Bagger und schießt per Schlauch eine Wasserfontäne in 28 Meter Höhe. „Durch unsere Drucklufterhöhungspumpe können wir das Wasser in entsprechende Höhen bringen und damit die Staubbelastung minimieren. Zudem können wir eine Art Schneekanone einsetzen. Sie pumpt Wasser in die Luft, das wie bei einem Wolkenbruch herunterregnet“, erklärt Rainer Zaum.

Mit schwerem Gerät wird das ehemalige Krankenhaus dem Erdboden gleichgemacht. Foto: Norbert Prümen

Der Geschäftsführer von P&Z hat gerade die regelmäßige Baustellenbesprechung mit Baustellenleiter Jürgen Kremer und Uwe Zöllner von LZ Umwelttechnik, die für das Rückbaukonzept des früheren Krankenhauses zuständig sind, verlassen und macht sich nochmals persönlich einen Eindruck vom Fortschritt der Abrissarbeiten. Vor einer Woche ging es los, wobei sich der Anblick von der Bahnstraße aus noch nicht sehr verändert hat. Die Krankenhausfront steht nach wie vor mehrstöckig da, und auch das einstige Schwesternwohnheim hat noch keines seiner sieben Stockwerke eingebüßt. Dafür fallen am Schwesternheim die freigefrästen Fugen im Beton auf. „Es handelte sich um PCB-haltige Fugen, die vor dem Abriss fachgerecht entfernt werden mussten. Wir haben zudem die Flanken mitentfernt, da das PCB gut 1,5 Zentimeter in den Beton hereingezogen ist. Dieses Material muss separat entsorgt werden“, erklärt Zaum.

Aktuell laufen die letzten Entkernungsarbeiten am Schwesternheim. Die Teppichböden wurden bereits mit dem Stripper herausgeschnitten, die Trittschalldämmung unter dem Estrich entfernt, die Dachpappe herausgerissen, Metallschrott separiert und die Neonröhren demontiert. Mitarbeiter tragen letzte Elemente der Einbauschränke heraus. „Das Schwesternwohnheim wird der letzte Komplex sein, den wir abreißen. Das Krankenhaus ist zuerst dran, wobei wir uns von hinten nach vorne bewegen, um die Belästigungen in Form von Staub und Lärm so gering wie möglich zu halten. Der vordere Krankenhausteil schirmt die aktuellen Arbeiten ein stückweit ab“, erklärt Zaum. Wobei ihn das derzeitige Regenwetter strahlen lässt. Das sei optimales Abrisswetter, kommentiert er. Der Regen minimiert den beim Abriss aufkommenden Staub zusätzlich.

Hier sieht man den Greifarm, mit dem die Arbeiter das Gebäude Stück für Stück abreißen. Foto: Norbert Prümen

Für den Geschäftsführer von P&Z ist es nicht das erst Krankenhaus, das das Unternehmen abreißt. Häuser in Neuss und Teilabrisse auf dem Uniklinikgelände in Düsseldorf gehörten auch schon zu den Arbeiten. Als mittelgroßes Abrissobjekt beschreibt Zaum das Willicher Krankenhaus. Vor Ort hat das Unternehmen so seinen Longfront-Bagger und einen weiteren Hydraulikbagger. Wobei der Longfront-Bagger drei Arme dabei hat. Neben dem sich gerade im Einsatz befindlichen 30 Meter langen Arm liegen ein 50-Meter-Arm, der teleskopierbar ist, und ein 18-Meter-Arm am Boden. „Der 18 Meter lange Arm kann bis zu zehn Tonnen schwere Anbauteile tragen, während die beiden längeren Arme entsprechend weniger belastet werden können“, erklärt Zaum. Durch den Wechsel der Arme und der Anbauteile kann punktgenau gearbeitet werden.

Inzwischen ist ein weiteres großes Stück vom hinteren Bettentrakt nicht mehr da. Auf dem Boden ragen Berge von Metallschrott und Beton in die Höhe. Ein Stückchen weiter ist es ein Haufen von Dachpappe. Weiße, prall gefüllt Säcke stehen dahinter, in denen sich Mineralwolle befindet. Ein gewaltiger Pulverisierer liegt auf dem Boden. In regelmäßigen Abständen wird er auf den Arm des Hydraulikbaggers gesetzt, um den Beton kleinzubröseln und das Eisen aus diesem zu entfernen. „Die komplette Mineralik wird zu 100 Prozent recycelt. Auf dem Recyclinghof durchläuft sie Brechanlagen, um dann als Unterbaumaterial wieder in den Einsatz zu gehen“, sagt Zaum.

In zwei bis drei Wochen wird der erste verstärkte Lkw-Verkehr an der Baustelle einsetzen, da die Abfuhr des Bauschuttes beginnt. Bis Ende des Jahres soll der Abriss des Katharinen-Hospitals und des Schwesternwohnheims abgeschlossen sein. Dazu gehört auch, dass die Keller samt Bunker herausgeholt und verfüllt werden. Insgesamt handelt es sich um ein Abbruchvolumen von 45.750 Kubikmetern. Während der gesamten Abrissphase wird die komplette Baustelle videoüberwacht. Ein Muss, das der Sicherheit dient und auch möglichen Metalldieben das Handwerk legt.

„Wir wissen, dass eine Baustelle dieser Größenordnung gewisse Belastungen für die Anwohner mit sich bringt. Wir möchten diese so gering wie möglich halten und hoffen, dass uns die Menschen mit ein wenig Toleranz begegnen“, sagt Zaum, der bis jetzt von einer gut laufenden Baustelle ohne Zwischenfälle spricht.