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Kabarettist Stephan Bauer tritt am 11. Januar 2020 in Schloss Neersen auf

Interview Stephan Bauer : „Das perfekte Paar gibt es nicht“

Kabarettist Stephan Bauer gastiert am Samstag, 11. Januar, in Schloss Neersen. Ein Vorabgespräch über die Ehe.

Worauf kann sich das Publikum in Willich einstellen?

Stephan Bauer Das wird auf jeden Fall ein sehr lustiger Abend über alles, was Mann und Frau so zu bieten haben. Sehr viel Ehealltag. Es ist aber ein Eherettungsprogramm, da leg ich immer sehr viel Wert drauf.

Wie kamen Sie auf das Thema Ehe?

Bauer Das ist nun mal das, was uns rumtreibt, zumindest die Liebe. Es beschäftigt viele im Alter zwischen 30 und 50, insofern ist es auch ein super Thema für die Bühne.

Was macht eine gute Ehe aus?

Bauer Ach Gott… Also guter Umgang miteinander, Respekt, die Klassiker wie Vertrauen, aber auch die Kompetenz, Probleme zu lösen und der Aspekt der Unbedingtheit. Man ist die Bindung eingegangen, daraus sollte man etwas machen, sozusagen. Es einfach nicht wegzuschmeißen. Viele geben zu schnell auf.

Wie geht das Publikum nach Ihrer Show nach Hause, eher amüsiert oder nachdenklich?

Bauer Es ist alles schon extrem lustig, denn es ist ja auch mitten aus dem Leben. Es sind meine persönlichen Geschichten, die ich da zum Besten gebe, natürlich zugespitzt. Alle sind immer sehr amüsiert, aber das Programm bleibt ja auch nicht auf der reinen Konfliktbasis hängen. Es geht eben auch darum, wie man mit dem Thema umgeht und wie man etwas daraus machen kann.

Gibt es Fehler in der Ehe, die jeder macht?

Bauer Ja, Fehler machen alle immer, das ist auch das Normale. Also so hat es ja die Kirche formuliert: wir sind eine Gemeinschaft von Sündern. Das perfekte Paar gibt es natürlich nicht. Aber Fehler, die nicht zu gravierend sind, kann man dem Anderen auch mal nachsehen, sonst kann man schließlich mit niemandem zusammenleben. Wenn man Paare sieht, die sich nach zehn Jahren Ehe trennen, weil sie es nicht mehr aushalten, haben in der nächsten Beziehung oft die dieselben Probleme wieder, weil es sehr häufig an ihnen selbst liegt.

Raten Sie von der Ehe ab?

Bauer Nein, auf keinen Fall. Ich rate Leuten unbedingt dazu zu heiraten, aber im Grunde so, wie es Friedrich Schiller mal formuliert hat: Prüfe, wer sich ewig bindet, der Wahn ist kurz, die Reu’ ist lang oder so ähnlich. Das finde ich auch wichtig. Aber wenn man so eine Entscheidung gefällt hat, ist es grade in der heutigen Zeit, wo eh alles auseinanderfliegt, wo wir so wenig Stabilität haben in sozialen Beziehungen und Ehe quasi nur noch nach dem Lustprinzip lebt, umso wichtiger, dass man diese Verortung schafft.

Warum haben Sie geheiratet?

Bauer Natürlich, weil ich meine Frau liebe. Das ist der wichtigste Punkt. Ich muss aber gestehen, ich bin nicht das erste Mal verheiratet, ich kenne also diesen ganzen Schmutz von Scheidung und Patchwork und Trennungszeug und habe dann irgendwann mal gesagt, es reicht jetzt. Die Brüche die man dabei schafft, tun einem nicht gut und bringen einen nicht weiter.

Nehmen Sie sich manchmal auch selbst aufs Korn?

Bauer Natürlich, immer! Ausschließlich (lacht). Also ich erzähle sehr viel von mir und meiner Ehe und nicht über die Anderen. Ich mache vielleicht mal einen kleinen Ausflug, aber letztendlich rede ich über mein Leben. Die Grundstory ist die, dass meine Frau wahrscheinlich eine Affäre mit ihrem Fitnesstrainer hat und das kratzt natürlich an meiner Männlichkeit.

Freuen Sie sich auf Ihre Auftritte?

Bauer Total! Immer. Ich spiele ja relativ viel und wenn es zu Phasen kommt, wo man jeden Abend auf der Bühne steht, kann es auch mal anstrengend sein, aber wenn ich dann so drei Wochen Pause habe, da fehlt mir dann was. Jeder Bühnenmensch hat letztendlich so ein kleines Narzissmusproblem (lacht), und wir leben für den Applaus.