Innenminister Herbert Reul besuchte die Landesreiterstaffel der Polizei in Anrath

Polizeipferde : Sympathisch und respekteinflößend

Landesinnenminister Herbert Reul besuchte am Mittwoch den Standort der Landesreiterstaffel der Polizei in Anrath. Er betonte die Wichtigkeit der Arbeit. Ein Umzug der Einheit ist aber nach wie vor in Vorbereitung.

Gleich zu Beginn seines Besuchs und noch bevor er viel gesehen hatte, stellte Landesinnenminister Herbert Reul (CDU) klar: „Wir brauchen die Reiterstaffel der Polizei. Sie ist eine unterschätzte Hilfe bei Großereignissen wie Fußballspielen und Demonstrationen und leistet wichtige Arbeit.“ Zu dieser Einschätzung sei er bereits gelangt, als er die Landesreiterstaffel Westfalen in Dortmund besucht habe. Jetzt war er nun am zweiten, seit 2006 bestehenden Standort der Staffel auf dem Rittergut Koof in Anrath zu Gast.

Innenminister Herbert Reul lobte die Arbeit der Reiterstaffel und bedankte sich für die eindrucksvollen Vorführungen. Foto: Wolfgang Kaiser

Die 19 Reiterinnen um Staffelleiterin Melanie Lipp werden Reuls Bekenntnis zwar gern gehört haben, doch allzu lange wird es den Standort in Anrath nicht mehr geben: Er soll mit der Staffel Westfalen an einem neuen, zentralen Standort zusammengelegt werden. Wohl 2020 könnte es so weit sein. „Die europaweiten Ausschreibungen laufen derzeit. Wir müssen abwarten, mehr kann ich dazu nicht sagen“, sagte Reul auf Nachfrage knapp.

Erfolgreich in die Flucht geschlagen haben Reiter und Pferde diese „Demonstranten“. Foto: Marc Schütz

Der Innenminister besucht seit einigen Monaten nach und nach unterschiedliche Einrichtungen der Polizei. „Dabei lernt man viele interessante Menschen kennen“, so Reul. „Bei den Reiterstaffeln zählt das Zusammenspiel zwischen Tier und Reiter. Dafür braucht man besondere Menschen, das sind richtige Typen.“ Die Diskussion, ob und wie viele Reiterstaffeln es brauche, gebe es in NRW schon lange, sagte Reul weiter. Für ihn stehe fest: „Solange ich im Amt bin, wird es sie weiter geben.“ Und er wolle auch dafür sorgen, dass das danach so bleibe. Nach seiner Ansicht könnten die Polizeipferde noch mehr als bisher bei Großereignissen eingesetzt werden als bisher. Die Arbeit sei unverzichtbar, die Pferde seien wendig, schnell, respekteinflößend, machten die Polizei aber auch sympathisch – „die Mischung macht’s“. Die Landesregierung werde weiter in die Staffeln investieren, in diesem Jahr würden acht neue, größere und komfortablere Pferdeanhänger angeschafft, im kommenden Jahr weitere acht, um den Beamten und den Tieren die Arbeit zu erleichtern.

Denn dass die Arbeit der Polizisten in Anrath mehr ist, als „über eine grüne Wiese zu reiten“, bewiesen die Beamten eindrucksvoll bei einigen Übungen, die sie dem Minister zeigten. Dafür waren eigens eine Hundertschaft und Reiter mit Pferden der Staffel aus Dortmund angereist. Etwa zehnmal pro Jahr übt die Reiterstaffel in solch großem Umfang. Nicht immer auf dem Rittergut in Anrath, sondern auch schon mal an Stadien oder in anderen Polizeieinrichtungen, sagte Polizeihauptkommissarin Melanie Lipp.

Ihre Kollegen zeigten dem Minister einige Übungen, mit denen die Tiere an Menschen und Körperkontakt gewöhnt werden und durch die sich auch die Beamten der Hundertschaften an den Umgang und die Zusammenarbeit mit den Tieren gewöhnen. Dabei geht es durchaus laut und nicht zimperlich zur Sache. Die Pferde müssen schließlich Polizeisirenen, Geschrei, Schüsse und ähnliches aushalten und dürfen auch nicht scheuen, wenn sie mit Gegenständen beworfen werden (bei den Übungen werden Bälle und nasse Schwämme verwendet) oder irgendwo ein Feuer brennt. Auch über auf dem Boden liegende Gegenstände oder Wasser zu gehen, bereitet einem Pferd normalerweise Probleme. „Daher müssen die Pferde einerseits lernen, gehorsam zu sein, und andererseits, dass sie ihrem Reiter vertrauen können, dass ihnen nichts passiert. Nur dann tun die Tiere das, was der Reiter möchte“, erklärte Lipp. Etwa zwei Jahre dauere die Ausbildung der Pferde. Schon seit zwölf Jahren in Anrath mit dabei sind die beiden 18-jährigen Wallache „Aramis“ und „Rudi“ – „das sind unsere unverzichtbaren Professoren“, sagte Melanie Lipp.

Anschließend demonstrierten Pferde und Reiter, wie sie gegen gröhlende und randalierende Demonstranten oder Fußballfans vorgehen. Schnell wurde klar: Vor sich rasant nähernden Pferden hat jeder Respekt. „Da gehen selbst die größten Streithähne auseinander“, bemerkte Reul. Glücklicherweise sei bisher auch noch nie ein Pferd im Einsatz verletzt worden, ergänzte Lipp. Und das, obwohl die Gewaltbereitschaft gegen Polizisten bekanntlich allgemein zunehme. In diesem Jahr gab es für die Anraher Reiterstaffel übrigens schon über 100 Einsätze.

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