In Willich bieten Almuth Becker und Hildegard Cattien Yoga mit Alpakas an.

Entspannung mit Tieren : Yoga zwischen Alpakas in Willich

Faszien-Yoga mit Alpakas

Eine ungewöhnliche Kombination aus Tieren und Bewegung begeistert Sportler in Willich: Auf einem Hof im Stadtteil Anrath bietet die Trainerin Hildegard Cattien Faszien-Yoga mit Alpakas an. Ein Besuch.

Über ein Dutzend Frauen und zwei Männer ziehen, bepackt mit Taschen, aus denen Sportmatten und Faszienrollen ragen, an den Stallungen der Alpakas am Flöthbach vorbei. Ziel ist die große Wiese, auf der sechs Alpakas grasen. Kaum geht das Tor zur Weide auf, heben die sechs die Köpfe und beobachten, wie die Menschen auf der Wiese ihre Matten ausrollen und die Rollen sowie apfelgroße Bälle auspacken. Während fünf nach kurzer Beobachtung gelassen weiter grasen, kommt Sam auf die erste Besucherin zu und stupst sie neugierig von hinten an. Ein Lachen ist die Antwort. „Sam ist unser Neugierigster. Er muss immer direkt gucken, was los ist, und schnuppert auch gerne einmal in Taschen hinein“, sagt Almuth Becker, der die Alpakas gehören. Auch sie ist mit Sportmatte und Co. ausgerüstet, um auf der Weide, mitten unter den Tieren, am Angebot „Fayo“, einem Faszien-Yoga-Training, teilzunehmen. Schließlich hat sie den Stein für das ungewöhnliche Angebot zusammen mit den Alpakas ins Rollen gebracht.

„Ich wollte immer einmal auf der Weide, mitten unter den Tieren, Yoga machen. Die Alpakas haben eine so ruhige Art, die gut dazu passt“, sagt Becker. Beim Friseur traf sie zufällig Hildegard Cattien und erzählte ihr von ihrer Idee. Die Heilpraktikerin für Psychotherapie und Faszientrainerin nach Liebscher Bracht war begeistert. „Ich hatte von einem Ziegen-Yoga in Kalifornien erfahren und dachte mir, für den Sommer wäre es ein tolles Thema in der Natur, begleitet von Alpakas, etwas zu machen“, sagt Cattien. Sie schlug Fayo vor, eine Art Faszien-Yoga, bei dem es sich um ein bewegungsorientiertes Faszientraining handelt – effektiv und für jede Altersgruppe erlernbar.

Die beiden Anratherinnen machten sich an die Ausarbeitung eines Konzeptes und starteten. Wobei beide nicht mit einer so großen Nachfrage gerechnet hätten. 20 bis 25 Teilnehmer konnten bei den einmal in der Woche für jeweils eine Stunde stattfindenden Trainings gezählt werden. „Es ist einfach nur schön. Ein Alpaka guckt mich an, und ich muss grinsen. Hier trainiert man mit einem Lächeln auf den Lippen. Auch wenn das Training schon mal schmerzhaft ist, wenn man Verklebungen in den Faszien löst“, sagt die 52-jährige Dagmar.

Saskia und Katharina reisen eigens aus Düsseldorf an, um an dem Angebot teilzunehmen, das beide begeistert. „Ich bin überrascht vom positiven Effekt des Trainings. Es macht Spaß, auf der Weide mit den Alpakas zu trainieren. Sie strahlen so eine Ruhe aus. Auf der anderen Seite merke ich, wie mir und meinem Nacken das Training guttut“, bemerkt Lennart. Der 28-Jährige hat gerade Besuch von Sam bekommen, der ihm neugierig ins Gesicht schaut, was bei den sitzenden und liegenden Übungen für Sam und seine Kollegen überall prima möglich ist.

Die Alpakas schauen neugierig zu, wie die Menschen ihre Yoga-Übungen machen. Die Tiere sorgen für eine ganz besondere, ruhige Atmosphäre. Foto: RP/Vanessa Martella

Über die Weide schallt leise Musik, die Cattien über Smartphone und einen entsprechenden Lautsprecher eingeschaltet hat. Ein leichter, erfrischender Wind ist aufgekommen. Mit dem Blick über die Weiden, die am Horizont in Felder und Baumgruppen übergehen, demonstriert die Trainerin Übung für Übung. Während die Teilnehmerin Lockerungsübungen machen, Füße über die Bälle rollen und Druckpunkte aushalten müssen und der erste Einsatz der Faszienrollen erfolgt, streifen die Alpakas völlig entspannt über die Wiesen. Sie naschen Gras, halten ihre Nasen vorwitzig in Taschen, stupsen Menschen mal leicht an und gucken den Kursteilnehmerinnen ungeniert ins Gesicht.

Aber nicht nur sie sind interessiert. Neugierig treten die Fohlen von der Nachbarwiese an den Zaun. Mit ihren großen, sanften Augen verfolgen sie das Tun aufmerksam. Für Steffi ist jetzt schon klar, dass sie das Angebot, wenn es im kommenden Sommer wiederholt wird, wieder nutzen wird. „Das ist einfach einmalig“, sagt die 40-Jährige. Cattien kann indes feststellen, dass ihren Kursteilnehmern die Übungen sichtlich leichter fallen und sie alle entspannter sind, als wenn in einer Halle oder einem Sportstudio ohne die tierische Begleitung trainiert wird. Die Tiere wirken sich positiv auf die Stimmung aus. „Die Alpakas machen uns glücklich, und das Faszientraining macht uns beweglicher“, meint sie lachend.

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