Willich: In der Politik soll man nie nie sagen

Willich: In der Politik soll man nie nie sagen

Der ehemalige Willicher Bürgermeister Lukas Siebenkotten (52) über seine Aufgaben als Direktor des Deutschen Mieterbundes, die Kommunalpolitik in seiner Heimat und die Sehnsucht nach Reisen mit seiner Frau.

Was hat man sich unter dem Deutschen Mieterbund überhaupt vorzustellen?

Lukas Siebenkotten Der Deutsche Mieterbund ist die Dachorganisation von 320 in allen Teilen Deutschlands angesiedelten Mietervereinen, denen insgesamt 1,2 Millionen Haushalte als Mitglieder angeschlossen sind. Er leistet politische Lobby-Arbeit im Interesse der Mieterinnen und Mieter, beschäftigt sich unter anderem mit der Entwicklung des Mietrechts, Wohnbauförderungsprogrammen oder der energetischen Sanierung von Wohngebäuden. Außerdem kümmert er sich um die Rechtsberatung seiner Mitglieder, die in den einzelnen Mietervereinen vor Ort stattfindet. Eine Online-Rechtsberatung betreibt der Dachverband selbst. Außerdem geben wir die sechsmal im Jahr erscheinende "MieterZeitung" an unsere Mitglieder heraus, in der über alle aktuellen Fragen rund um den Mieter und das Mietrecht informiert wird.

Was zählt zu Ihren Aufgaben und wie gefällt Ihnen die neue Aufgabe in Berlin?

Siebenkotten Ich mache meinen neuen Job sehr gern, am meisten die politische Lobby-Arbeit. Vor allem, wenn man Erfolge dieser Lobby-Arbeit wahrnehmen kann. Außerdem ist Berlin eine ungeheuer lebendige und kulturell vielseitige Stadt. Die Geschäftsführung einer Organisation mit 1,2 Millionen Mitgliedern ist eine große Herausforderung, die Tatkraft und Integrationsfähigkeit verlangt.

Um Ihre Arbeit einmal zu verdeutlichen: Was haben Sie gestern (das Gespräch wurde vor einigen Tagen geführt, Anm. d. Red.) den ganzen Tag über gemacht?

Siebenkotten Zunächst habe ich ab 8 Uhr in meinem Büro die aktuelle Tagespresse studiert und mit dem Pressesprecher unserer Organisation Stellungnahmen zu zwei Urteilen des Bundesgerichtshofs abgesprochen. Danach habe ich einem Redakteur der "Berliner Zeitung" ein Interview gegeben und dann ein längeres Gespräch mit einer Werbeagentur geführt, die sich mit der Außendarstellung des Mieterbundes beschäftigt. Am Nachmittag habe ich mich dann zu Abstimmungsgesprächen mit dem Geschäftsführer der schwedischen Mieterorganisation getroffen. Am Abend bin ich nach Dresden gefahren, um beim dortigen Mieterverein über aktuelle Mietrechtsentwicklungen zu referieren. Gegen 22 Uhr war ich zurück in Berlin.

Bekommen Sie die Kommunalpolitik in Willich noch mit?

Siebenkotten Ja, wenn ich am Wochenende zu Hause bin, lese ich die Lokalzeitungen, außerdem habe ich weiterhin engen Kontakt zu einigen Kommunalpolitikern in Willich. Kürzlich hatte mich der SPD-Ortsverein zu einem Referat über die aktuelle Hartz IV-Diskussion eingeladen. Auch an dem Abend konnte ich mich mit einigen über kommunalpolitische Themen austauschen. Die Kommunalpolitik in Willich ist, wie nahezu überall, von äußerst knappen Kassen diktiert. Aufgrund der Tatsache, dass Willich zumindest seit Mitte der 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts deutlich besser gewirtschaftet hat als andere Städte, geht es unserer Stadt aber vergleichsweise besser als anderen. Ich hoffe, dass etwas finanzieller Spielraum für eigene Entscheidungen auch in der Zukunft erhalten bleibt.

Können Sie Ihren Willicher Parteifreunden einige Tipps geben?

Siebenkotten Das könnte ich, tue es aber nicht ungefragt. Da ich kein Akteur auf der kommunalpolitischen Bühne mehr bin, möchte ich mich auch nicht einmischen. Ich habe allerdings den Eindruck, dass die Willicher SPD mit Jürgen Hansen als neuem Vorsitzenden und dem altgedienten Fuhrmann Bernd-Dieter Röhrscheid als Fraktionschef für die Zukunft gut aufgestellt ist. Wenn die meinen Rat wünschen, gebe ich ihn ihnen gern, aber sicherlich nicht öffentlich.

Könnten Sie sich vorstellen, zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal in Willich in irgendeiner Weise kommunalpolitisch aktiv zu sein?

Siebenkotten Mein Amtsvorgänger, der jetzige Präsident des Deutschen Mieterbundes, Dr. Franz-Georg Rips, hat mit 60 Jahren einen Wechsel in die Kommunalpolitik vollzogen und wurde im August 2009 zum Bürgermeister seiner Heimatstadt Erftstadt gewählt. Ähnliches habe ich nicht vor. Aber in der Politik soll man nie nie sagen.

Gibt es einen Wunsch, beruflicher oder privater Natur, den Sie sich noch erfüllen möchten?

Siebenkotten Beruflich habe ich die Position inne, die ich mir gut bis zu meiner Pensionierung vorstellen kann. Wichtig ist mir, erfolgreich zu sein und den sozialen Charakter des deutschen Mietrechts wahren zu helfen. Privat möchte ich die Zeit finden, mit meiner Frau eine Reihe von Reisen in verschiedene Gegenden Europas und darüber hinaus zu machen, etwa nach Skandinavien, in die USA und nach Kanada.

Willi Schöfer führte das Gespräch.

(RP)