IHK-Wirtschaftsforum im Schloss Neersen mit Digitalunternehmer Erik Heinelt

IHK-Wirtschaftsforum im Schloss Neersen : Digitalunternehmer Erik Heinelt rät zur Schnelligkeit

Zum Thema „Was wir von digitalen Champions lernen können“ hatten IHK und Rheinische Post beim Wirtschaftsforum im Schloss Neersen eingeladen.

In die Glaskugel schauen kann auch Digitalunternehmer Erik Heinelt nicht. Zu ungewiss ist, was die Kunden in zehn Jahren wollen, wer die Mitbewerber sind und welche politischen, gesellschaftlichen und technischen Rahmenbedingungen dann herrschen. Auf die Schnelligkeit komme es an, sagte Heinelt den rund 100 Gästen (die meisten von ihnen Unternehmer), die zum Wirtschaftsforum der Industrie- und Handelskammer Mittlerer Niederrhein ins Schloss Neersen gekommen waren. Gastredner war der 32-jährige Erik Heinelt – als Gründer von vier Startups auf drei Kontinenten gilt er als einer der 25 führenden Köpfe der Szene. Er gründete mit einem Studienfreund den Online-Reifenhändler Tirendo und arbeitete für die Rocket Internet AG an der Expansion des „Internet-Modehauses“ Zalando.

Was Heinelt – oft überspitzt – vortrug, ließ manchen Gast hellhörig werden, zeigte der Redner doch, dass das, was die Wirtschaft bisher an digitalen Veränderungen erlebt hat, erst der Anfang war. „Es ist immer noch Tag eins des Internets“, lautet eine These Heinelts. Die Innovationsgeschwindigkeit werde immer höher; entscheidend sei es daher, den Zugang zum Kunden nicht aus der Hand zu geben, riet Heinelt den Gästen. Denn: „Die Konkurrenz ist nur einen Klick entfernt.“

Heinelt nannte vorwiegend Beispiele von digitalen Global Playern wie Facebook, Airbnb, Amazon, Uber und Co., die allesamt gemeinsam haben, dass sie nichts selbst produzieren, sondern Plattformen sind für Vertrieb und Dienstleistungsangebote. In der anschließenden, von Jens Voß, Leitender Regionalredakteur der Rheinischen Post, moderierten Fragerunde fragte denn auch einer der Gäste, was vielen anderen durch den Kopf gegangen sein mag: „Was sollen Mittelständler wie wir machen, damit sie den brutalen Wandel überleben?“ Andere Gäste wiesen darauf hin, dass Unternehmer auch eine gesellschaftliche Verantwortung hätten und nachhaltig handeln müssten. IHK-Präsident Elmar te Neues hatte in seinen einleitenden Worten schon an die Politik appelliert, die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen und auch in der Verwaltung Prozesse zu digitalisieren.

Natürlich gebe es nicht die eine Antwort, die immer passe, sagte Heinelt. Aber er rate Unternehmen, entscheidungsfreudig und -schnell zu sein (auch was die Auswahl von Bewerbern angeht), sich auf die eigenen Stärken und Chancen statt nur auf die Probleme zu fokussieren und seinen Mitarbeitern immer wieder das Warum zu erklären, nicht nur das Was und das Wie. Und wer es sich leisten könne, solle eine Abteilung gründen, die ganz bei null anfangen und auch mal scheitern dürfe. „Scheitern ist Mist, aber es gehört dazu“, sagte Heinelt und machte den Anwesenden Mut: „Es ist wichtiger, schnell zu sein, als groß zu sein.“ Dass die Großen die Kleinen fressen, gelte so heute nicht mehr uneingeschränkt. „Die Schnellen fressen die Langsamen.“

Und dann wagte Heinelt doch noch einen Blick in die Glaskugel: Ob es in 15 Jahren die IHK überhaupt noch gebe, wollte ein Gast wissen. Heinelt antwortete diplomatisch-optimistisch: „Die IHK ist ein Netzwerk. Das wird in Zukunft so relevant sein wie heute.“