Stadt Willich: Hilfe mit Wattestäbchen

Stadt Willich: Hilfe mit Wattestäbchen

Nachdem sein Enkel an Leukämie erkrankte, gründete Bernd-Dieter Röhrscheid den Verein "Stammzellspende Rheinland Star". Der leistet organisatorische und finanzielle Hilfe für die Knochenmarkspenderzentrale Düsseldorf.

Ein Wattestäbchen. Mehr braucht es nicht, um zum Lebensretter werden zu können. Mit dem Wattestäbchen wird ein Abstrich von der Mundschleimhaut gemacht. Auf diese Weise lassen sich die Gewebemerkmale eines Stammzellspenders spezifizieren.

Diese Daten werden in einem zentralen Register gespeichert, auf das beinahe weltweit zugegriffen werden klann. Im Idealfall erhält der Spender dann eines Tages einen Anruf mit der Bitte sich genauer untersuchen zu lassen – um dann eventuell Stammzellen zu spenden.

Allerdings bekommt nur etwa ein Prozent der registrierten Spender diese Chance, das Leben beispielsweise eines an Leukämie erkrankten Menschen zu retten. Größer ist die Wahrscheinlichkeit nicht, dass die Gewebemerkmale zweier Menschen nahezu identisch sind. Das aber ist Voraussetzung für eine erfolgreiche Stammzellentransplantation. "Die Suche nach einem geeigneten Spender gleicht der Suche nach der Nadel im Heuhaufen", sagt Bernd-Dieter Röhrscheid.

Jede Typisierung kostet 50 Euro

Der Schiefbahner ist Vorsitzender des Vereins "Stammzellspende Rheinland Star e.V.". Sein Enkel Linus war 2005 an Leukämie erkrankt. Röhrscheid gründete darauf hin im Herbst 2007 zusammen mit seinem Schwiegersohn und anderen Betroffenen den Verein, der die Knochenmarkspenderzentrale (KMSZ) an der Universitätsklinik Düsseldorf unterstützt.

Die 23 Mitglieder von "Star" leisten organisatorische Hilfe bei Typisierungsaktionen, vor allem aber finanzielle Unterstützung. "Jede Typisierung kostet 50 Euro", erklärt Röhrscheid. Seit Vereinsgründung sind rund 120 000 Euro an Spendengeldern gesammelt worden.

Der Verein hat zudem mehrere Typisierungsaktionen durchgeführt. Neben einem Spender für Linus wurde auch für das türkische Mädchen Sinem aus Duisburg nach einem "genetischen Zwilling" gesucht. Es gab zudem Aktionen in Neuss und Goch und im September vergangenen Jahres erstmals einen "Tag des Stammzellspenders". Insgesamt 3000 neue Spender sind dank "Star" inzwischen in der Datei der Düsseldorfer KMSZ registriert. Die ist mit mehr als 170 000 Spendern eines der zehn größten Einzelregister der Welt.

In bislang 1400 Fällen konnten Stammzellen tatsächlich gespendet werden – an Empfänger weltweit. Drei Spender sind auf Typisierungsaktionen von "Star" zurückzuführen. Es gab den Anruf, die Voruntersuchung zur genaueren Typisierung und schließlich die Spende. Die wird entweder aus dem Knochenmark (nicht Rückenmark) oder aus dem Blutkreislauf entnommen. Dass die Stammzellspende nicht immer ein Leben rettet, musste auch Röhrscheid erfahren. Sein Enkel Linus starb trotz Transplantation im Oktober 2008.

Unbeirrt kämpft "Star" seitdem weiter um jeden Spender und jeden Cent. "Das Bewusstsein fehlt", sagt Röhrscheid. "Viele Leute wissen nicht, was eine Stammzellspende überhaupt bedeutet." Um darauf aufmerksam zu machen und wie simpel eine Typisierung abläuft, sucht "Star" derzeit noch nach einem prominenten "Zugpferd" für weitere Aktionen. Frage des Tages

(RP)