Willich: Heiliger Nepomuk ist zurück

Willich: Heiliger Nepomuk ist zurück

Pfarrer Markus Poltermann tippte gestern "nicht nur auf einen kunstsachverständigen, sondern auch auf einen christlich angehauchten Dieb" – angesichts einer fast unglaublichen Geschichte: Nepomuk ist wieder daheim.

Pfarrer Markus Poltermann tippte gestern "nicht nur auf einen kunstsachverständigen, sondern auch auf einen christlich angehauchten Dieb" — angesichts einer fast unglaublichen Geschichte: Nepomuk ist wieder daheim.

anrath/xanten Die Odyssee dauerte 19 Jahre. Unbekannte hatten 1992 die 1,60 Meter große, aus Massivholz geschnitzte Figur aus dem Heiligenhäuschen an der Viersener Straße gestohlen. Es gab keine Spur. Die Figur war dann 1995, finanziert durch viele Spenden der Bürger aus Clörath-Vennheide und Anrath, ebenfalls durch einen Nepomuk ersetzt worden. Nun tauchte das Original in Xanten wieder auf.

Die Xantenerin Angelika Gest-huysen hatte am 10. Mai nachmittags auf dem Schotterparkplatz an der Xantener Südsee mehrere sakrale Gegenstände unbekannter Herkunft gefunden. Es handelte sich um Nepomuk, eine hölzerne Marienfigur sowie ein Ölgemälde mit der Kreuzigungsszene. Sie wurden in eine Polizeidatenbank für gestohlene Kunstwerke gestellt.

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Nepomuk konnte Clörath/Vennheide zugeordnet werden: Ein Xantener Polizist kennt einen inzwischen pensionierten Kollegen in Anrath, Dieter Lambertz, der die Figur eindeutig identifizieren konnte. Gestern holte Lambertz sie zurück — gut gesichert und angeschnallt auf dem Beifahrersitz seines Autos. "Als ich davor stand, hatte ich Tränen in den Augen", sagte Lambertz. Die gute Nachricht: Die Figur (Schätzwert 20 000 Euro) ist bestens erhalten.

Alle Gegenstände waren an einem belebten Weg abgelegt worden, die Finderin selbst war an der Stelle schon auf dem Hinweg vorbei gekommen. "Die sollten gefunden werden", vermutet Poltermann und glaubt, dass es sich um einen reuigen Dieb handelt. Lambertz erinnerte an die Stiftungsgeschichte der Figur: Zwischen 1780 und 1800 lebte an der Gibber-Mühle eine Familie Müller Bonsels, deren Sohn Johannes in Anrath getauft wurde.

Die Feier und die Rückkehr zu Fuß waren so feucht-fröhlich, dass niemand bemerkte, dass der Täufling aus dem Kleiderbündel gerutscht war. Er wurde im Schilf an einer Planke über die Flöth gefunden und gerettet — als Erwachsener stiftete er die Figur. Noch offen ist nun, wo die beiden Nepomuks stehen sollen. Sicher ist, dass der "Wiedergefundene" bei einem Gottesdienst nach Fronleichnam der Gemeinde präsentiert wird.

(RP)