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Stadt Willich: Hausbesitzer benutzen zu viel Streusalz

Stadt Willich : Hausbesitzer benutzen zu viel Streusalz

In der vergangenen Woche waren die Streufahrzeuge wieder auf den Straßen unterwegs. Insgesamt ist der Winterdienst bisher im Rahmen geblieben - auch für Hausbesitzer.

Die Deutschen sind für ihre Gründlichkeit bekannt. Dies merkt man auch, wenn sich am generell schneefreien Niederrhein die ersten Schneeflocken auf die Gehsteige legen. Sofort holen zum Leidwesen der Kinder die Eigentümer die Schieber oder Besen aus der Garage, um die Wege frei zu machen, greifen dabei auch hin und wieder zum verbotenen Salz. Umweltschützer sehen dies überhaupt nicht gerne. Die Rheinische Post hat deswegen auch in Willich und Tönisvorst mal nachgefragt.

In beiden Straßenreinigungssatzungen in Willich und Tönisvorst steht geschrieben, dass die Verwendung von Salz oder sonstigen auftauenden Stoffen grundsätzlich verboten und ihre Verwendung nur erlaubt sei, wenn durch den Einsatz von abstumpfenden Mitteln keine hinreichende Streuwirkung erzielt werde. Dies lässt Spielraum, den auch Bauhäusern oder Genossenschaften nutzen, um säckeweise Salz anzubieten. In den Satzungen sind einige Ausnahmen aufgeführt. Danach darf Salz zum Beispiel bei Eisregen oder an gefährlichen Stellen gestreut werden, so unter anderem auf Gehwegen mit Gefälle.

"Generell können wir aus personellen Gründen keine flächendeckenden Kontrollen machen, ob verbotenerweise Salz gestreut wird, aber wir reagieren sofort, wenn uns Hinweise bekannt werden", sagt der Leiter des Willicher Ordnungsamtes, Martin Zinnel. Man sei froh darüber, dass die Bürger den Winterdienst übernehmen. Hier und da komme es vor, dass ältere Bürger, die mit ihren Rollatoren in den Zentren einkaufen möchten, nach Schneefällen anrufen, weil nicht durchgehend die Wege freigeräumt seien. Dann suche man sofort den Kontakt mit dem Eigentümer, dies funktioniere gut. Martin Zinnel: "Dies trifft nicht nur auf private Grundstücke zu, sondern manchmal auch auf städtische."

Auch in der Stadt Tönisvorst werden keine flächendeckenden sondern nur punktuelle Kontrollen gemacht. "Wir appellieren hier an die Vernunft der Eigentümer", meint Ordnungs- und Personalleiter Wolfgang Schouten. In den seltesten Fällen müsse man einschreiten. Dabei gehe es aber im wesentlichen nicht darum, dass verbotenerweise Salz verwendet werde, sondern, dass Gehwege nicht schneefrei gemacht worden seien. Diese relativ laxen Kontrollen werden natürlich von den Naturschützern kritisch gesehen.

Die Wasser- und Bodenverbände warnen vor den schädlichen Auswirkungen des Salzes. "Zum Beispiel kann das Streusalz in Kläranlagen nicht abgebaut werden", sagt Margit Heinz vom Niersverband, gleichwohl die Pflanzenschutzmittel ein noch ein größeres Problem darstellen würden. Naturschützer sagen, dass es beim Salz zu weitreichenden Schädigungen des Bodens, des Grundwassers, der Pflanzen, ja sogar der Bauwerke kommen könnte. "Das Streusalz wird viel zu leichtfertig eingesetzt", kritisiert auch Ansgar Reichmann, Leiter der Biologischen Station Krickenbecker Seen. Bemängelt wird ferner, dass Geschäfte für billiges Streusalz werben. Und Naturschützen appellieren auch an die Kommunen, nur dort Salz einzusetzen, wo dies unbedingt erforderlich sei.

(wsc)