Stadt Willich: Haus Broich soll Privatschule werden

Stadt Willich: Haus Broich soll Privatschule werden

Bis Ende 2017 war in dem historischen Gebäude eine Bank untergebracht. Nun möchte eine Privatschule aus Bad Neuenahr dort eine Zweigstelle mit Internat eröffnen. 150 Schüler sollen im Haus Broich unterrichtet werden.

Das Haus Broich in Anrath wechselt wohl bald den Besitzer: Schon zum kommenden Schuljahr möchte eine Privatschule mit Internat dort Jungen und Mädchen in den Klassen 5 bis 13 unterrichten - bis zur zehnten Klasse als Realschule, danach ist auch das Ablegen des Abiturs möglich. Das bestätigte auf Nachfrage unserer Redaktion Luca Bonsignore, Inhaber und Leiter der seit 17 Jahren bestehenden Privatschule "Carpe Diem" in Bad Neuenahr.

Mit einem Investor aus Aachen zusammen soll es bald in Anrath "einen Klon unserer erfolgreichen Schule geben", so Bonsignore. Das heißt: Möglichst schon im zweiten Jahr sollen dort 150 Mädchen und Jungen lernen. Im Internat, das in einem bestehenden Nebengebäude untergebracht wird, ist Platz für 45 Personen. "Wir überlegen, ob wir noch eine Etage draufsetzen, um Platz für zusätzliche 25 bis 30 Internatsschüler zu haben - aber das ist noch Zukunftsmusik", so der Schulleiter.

Allerdings: Unterschrieben ist der Kaufvertrag für das Anwesen auf einer Gesamtfläche von rund 20.000 Quadratmetern noch nicht. Laut Bonsignore ist das aber eine Formalie, die Finanzierung stehe bereits, Absprachen mit dem Besitzer seien getroffen, und eine Betreibergesellschaft sei bereits gegründet worden. Und damit der Schulbetrieb im August losgehen kann, werden bereits Lehrer und weitere Mitarbeiter wie Pädagogen gesucht. Rund 20 Lehrer werden für 150 Schüler benötigt, hinzu kommen neun Pädagogen für das Internat. Einen Koch habe man schon: Denn bisher war in dem denkmalgeschützten Gebäude die BIW-Bank untergebracht, die auch über eine Kantine verfügte. Die Infrastruktur sei also sehr gut geeignet für eine Schule mit Internat. So müssten im Wesentlichen lediglich im Nebengebäude einige Wände versetzt werden, um Zimmer für die Internatsschüler zu schaffen, sagt Bonsignore. Wenn der Kaufvertrag Anfang Juli unterschrieben sei, werde man etwa vier bis fünf Wochen für die Umbauarbeiten brauchen. Zudem wird ein Laborraum für die naturwissenschaftlichen Fächer eingerichtet.

Klassische Klassenräume brauche man hingegen nicht. In jeder Klasse werden durchschnittlich acht bis zehn Schüler sein, der Unterricht solle eher einen Konferenz- oder Projektcharakter haben, individuelle Förderung der Schüler habe einen hohen Stellenwert. Dabei sei "Carpe Diem" keine Eliteschule, betont der Schulleiter, vielmehr wolle man jungen Menschen eine zweite Chance geben. So seien die Zielgruppe auch junge Menschen, die in Regelschulen nicht zurechtkommen, Schulverweigerer, Hochbegabte oder Kinder mit AD(H)S. "In Bad Neuenahr haben wir einen Autisten zum Abi geführt", sagt Bonsignore. Trotz des exklusiven Ambientes ("Die Schüler sollen sich bei uns wohlfühlen.") solle Haus Broich keine "Reichenschule" sein - auch wenn die Eltern der Schüler schon recht gut betucht sein dürften: Gut 2000 Euro pro Monat kostet beispielsweise ein Platz im Internat. Das Schulgeld für etwa zehn Prozent der Schüler werde allerdings von Jugendämtern gezahlt.

Als Konkurrenz zu den städtischen weiterführenden Schulen sieht Bonsignore "Carpe Diem" nicht. "Wir versuchen, Bedürfnisse zu ergänzen, die das staatliche System sprengen. Wir sind für Schüler da, die durchs Raster fallen." In Bad Neuenahr funktioniere das Nebeneinander hervorragend, dort gebe es Kooperationen mit einer Realschule und einem Gymnasium. Für Ähnliches sei man auch in Willich offen. Die Willicher Schuldezernentin Brigitte Schwerdtfeger wollte sich auf Nachfrage noch nicht zu der Privatschule äußern: "Solange der Kaufvertrag nicht unterschrieben ist, möchte ich nicht spekulieren."

Kinder beherbergte das Haus Broich übrigens schon einmal: 1946 pachtete das Bistum Aachen das Gebäude, um dort eine Tagungsstätte der Katholischen Jugend unterzubringen. Die Leitung übernahmen die Grauen Schwestern der Heiligen Elisabeth, die dort auch Heimkinder unterbrachten. 1949 wurde Haus Broich komplett zum Kinderheim. 1956 wurde das Johannes-Josef-Kinderheim auch Förderschulinternat für Spätaussiedlerkinder. 1961 kaufte der Orden das Gebäude und nahm zahlreiche Sanierungen vor. 1975 wurde die Förderschule geschlossen, auch die Zahl der Heimkinder nahm kontinuierlich ab, bis das Kinderheim 1986 ganz geschlossen wurde. 2007 zog dann die BIW-Bank ein.

(RP)