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Stadt Willich: Halbe Stelle mit ganzem Herzen

Stadt Willich : Halbe Stelle mit ganzem Herzen

Nach 18 Jahren als Gefängnisseelsorgerin verließ Sylvia Pleger jetzt die Justizvollzugsanstalt (JVA) Willich II. Am Wochenende wurde sie mit einem Gottesdienstaus der Seelsorge im Frauengefängnis verabschiedet.

„Sie haben Ihre Rolle als Seelsorgerin vielfältig ausgeübt. Sie waren eine Vertrauensperson für die Inhaftierten, Ansprechpartner und Berater für die Mitarbeiter. Jeder bei uns in der JVA Willich II wusste, was evangelische Seelsorge hier bedeutete. Ihre Arbeit war transparent und das gegenseitige Vertrauen war groß“. Voll des Lobes bedankte sich Renate Gaddum, die Leiterin des Frauengefängnisses in Anrath, bei der evangelischen Gefängnisseelsorgerin Sylvia Pleger für ihre Arbeit.

Neue Stelle in Krefeld

18 Jahre lange gehörte die 52-jährige Pfarrerin zum Team der JVA Willich II. Nun verlässt Pleger ihre Wirkungsstätte in Anrath. Am Freitagabend hieß es nun bei einem Gottesdienst endgültig Abschied nehmen. Von der halben Stelle in der JVA geht es in eine volle Stelle nach Krefeld. Pleger wird die neue Pfarrerin der Krefelder Friedenskirche sein.

„Dass ich damals hier angefangen habe, war ein Zusammenspiel von Fügungen“, blickte Pleger noch einmal 18 Jahre zurück. Damals waren ihre Kinder klein, und sie befand sich gerade im Erziehungsurlaub, nachdem sie eine Pfarrstellenvertretung in Duisburg geleistet hatte. Die gerade frisch abonnierte kirchliche Zeitung „Der Weg“ trug damals das neue Stellenangebot der JVA ins Haus – bislang hatte es eine solche Stellenausschreibung noch nicht gegeben. Es war eine halbe Stelle. „Für mich und meine Familie ideal“, bemerkte Pleger. Sie schnupperte das erste Mal Gefängnisluft und wusste, dass sie hier arbeiten konnte und wollte.

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„Menschen, die sich am Rande der Gesellschaft befinden, zur Seite stehen, das lag mir schon immer“, sagte die gebürtige Kölnerin. Die Arbeit in der JVA habe sie geprägt. Frauen bei ihren Entwicklungsschritten nach vorne zu begleiten, die unschöne Vorgeschichte, den fehlentwickelten Weg, der ins Gefängnis geführt habe, aufzurollen, habe sie berührt. Sie achte den Mut, den die Frauen hätten, sich ihrer Schuld zu stellen. Die Pfarrerin verwies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass Mitleid nicht helfe, wohl aber Anteilnahme und Begleitung.

Diese Begleitung gab sie 18 Jahre lang. Sie habe ihre halbe Stelle mit ganzem Herzen ausgefüllt und es falle ihr nicht leicht zu gehen. Es sei eine gute Zusammenarbeit gewesen, sagte die Pfarrerin.

„Wir alle werden Sie ebenfalls sehr vermissen“, betonte Renate Gaddum. Das „ihre“ Gefängnisseelsorgerin eine ganz besondere war und es nicht leicht fiel, sie ziehen zu lassen, das zeigten auch die inhaftierten Frauen. Dort war so manches bedrückte Gesicht zu sehen. Frage des Tages

(RP)