Verhüllte Schaufenster in Tönisvorst: Händler protestieren gegen Internet-Käufer

Verhüllte Schaufenster in Tönisvorst : Händler protestieren gegen Internet-Käufer

Die Einzelhändler in der 30.000 Einwohner zählenden Stadt Tönisvorst haben am Wochenende mit einer ungewöhnlichen Aktion auf die Konkurrenz durch den Online-Handel aufmerksam gemacht.

Wo normalerweise Bäckereien und Bekleidungsgeschäfte mit Auslagen für ihre Ware werben, war alles schwarz. Mehr als 50 Geschäfte verhüllten ihre Schaufenster und Auslageflächen mit einer dunklen Folie. Es war ein stummer Protest der Geschäftsleute, die sich als lokaler Einzelhandel immer mehr durch das Internet verdrängt sehen. Gut lesbar prangten markante Botschaften auf den Folien: "Ohne Einzelhandel keine persönliche Beratung." Und: "Wer soll denn ohne uns den Notdienst übernehmen?"

Mit der Aktion, vom örtlichen Werbering initiiert, wollten die Händler Alarm schlagen. Vor allem das Phänomen "Beratungsklau" macht die Einzelhändler sauer. "Wir beobachten zunehmend, wie sich vermeintliche Kunden zunächst ausführlich im Geschäft beraten lassen und dann erklären, doch lieber beim günstigeren Anbieter im Netz kaufen zu wollen", berichtet der Tönisvorster Händler Stefan Robben.

Der 40-Jährige ist Inhaber eines Bekleidungsgeschäfts und hat als Vorsitzender der Händlervereinigung den Protest vorangetrieben. Es sei zwar noch nicht "fünf vor zwölf", dennoch wollten die Geschäfte einen Denkanstoß geben, bevor es aus wirtschaftlicher Sicht zu spät sei. "Die symbolische Ödnis an diesem Wochenende zeigt doch eindrucksvoll, wie eine Innenstadt ohne unsere Geschäfte aussähe", erklärt Robben. Er rechnet mit verlassenen Häuserblocks und ungeschmückten Straßenpassagen. Außerdem fielen Spenden an lokale Kultur- und Sportvereine weg.

Laut einer Studie des Kölner Instituts für Handelsforschung aus dem vergangenen Jahr gehen 58,5 Prozent der Einzelhändler davon aus, häufig bis regelmäßig "Opfer" von "Beratungsklau" zu werden. Das betrifft vor allem Händler von Technikprodukten, aber auch zum Beispiel Parfümerien. In Berlin sind Einzelhändler mittlerweile dazu übergegangen, eine Beratungsgebühr zu erheben. Ein Foto-Händler lässt sich die Beratung mit 25 Euro honorieren. Das Geld gibt es zurück, wenn der Kunde dann bei ihm auch kauft.

(HM03)
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