Stadt Willich: Gutachten zum Rettungsdienst fehlerhaft?

Stadt Willich: Gutachten zum Rettungsdienst fehlerhaft?

Ein vom Kreis beauftragter Gutachter schlägt vor, die Rettungswache von Anrath nach Vorst zu verlegen. Ein Problem: Die Bahnschranke zwischen den Orten ist pro Stunde 24 Minuten geschlossen.

Die Willicher Verwaltung und die Politik kritisieren das Sachverständigen-Gutachten zur rettungsdienstlichen Bedarfsplanung für den Kreis Viersen. Im Ausschuss für Abgaben, Gebühren und Satzungen wurde die Kritik jetzt deutlich - mehrere Punkte im Gutachten seien nicht nachvollziehbar. Kernpunkt der Willicher Kritik ist die gutachterliche Empfehlung, die erst vor circa einem Jahr eröffnete neue Rettungswache in Anrath zu schließen und nach Vorst zu verlegen.

Der zuständige Geschäftsbereichsleiter Martin Zinnel hatte die Argumentation im Gutachten untersucht. Seine Aussagen: Grundsätzlich sei das Gutachter-Büro, das der Kreis Viersen beauftragt hatte, in der Branche anerkannt und ein "Schwergewicht" - nichtsdestotrotz sah er mehrere Probleme. Die Behauptung im Gutachten, die Willicher Rettungsfahrzeuge seien 47 Prozent der Zeit abgemeldet gewesen, kann Zinnel nicht verstehen. Die Rettungsfahrzeuge seien tatsächlich nur zu 0,33 Prozent nicht besetzt gewesen - zuletzt in der Zeit der Grippewelle. Zinnel formulierte sogar die Frage, ob diese Aussage vom Kreis bewusst gesteuert worden sei. Kritisch sah er auch die örtlichen Gegebenheiten: Zwischen Anrath und Vorst liegt bekanntlich ein beschrankter Bahn-Übergang. Zinnel hatte sich bei der Netz-AG der Deutschen Bahn erkundigt, wie lange und wie oft dieser Übergang am Tag geschlossen ist - und die Summe ist beachtlich: Für einen Güterzug schließen sich die Schranken zwischen zwei und zehn Minuten, für einen Personenzug zwischen fünf und zehn Minuten. Täglich passieren 957 Züge diesen Übergang, und "wenn ich von einer mittleren Schrankenschließzeit von vier Minuten ausgehe, ist der Bahnübergang pro Stunde an 24 Minuten geschlossen", so Zinnel. Die Zeitabstände können zudem mal höher und mal niedriger liegen, weil die Züge in unterschiedlichen zeitlichen Abständen fahren. Das Problem ist offensichtlich: Durch die Schließung der Schranken verlängert sich unter Umständen die Anfahrtszeit der Rettungswagen - die unterliegt aber zeitlichen Mindestanforderungen.

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Als "nicht optimal" schilderte Willichs Kämmerer Willy Kerbusch die Kommunikation mit dem Kreis. Der hatte das Gutachten erst in der Presse vorgestellt und danach die Verwaltungsspitze in Willich informiert. Außerdem sei dem Bürger nicht zu erklären, dass die neue Rettungswache nach einem Jahr nicht mehr gebraucht werde. "Wir haben andere Investitionen zurückgestellt, um die Rettungswache bauen zu können", erklärte Kerbusch.

Ralf Klein (FDP) verstand nicht, "dass die Rettungswache jetzt auch nur ansatzweise infrage gestellt wird." Uwe Rieder (CDU) fragte, ob das Gutachten überhaupt haltbar sei. Letztlich warten jetzt alle darauf, wie der Gutachter auf die offenen Fragen antwortet - Mitte Mai soll das Gutachten offiziell vorgestellt werden.

(djm)
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