1. NRW
  2. Städte
  3. Willich

Grüne und "Für Willich" arbeiten zusammen

Nach der Kommunalwahl in Willich : Grüne und „Für Willich“ arbeiten zusammen

Die Grünen und „Für Willich“ kämpfen um den Posten des zweiten stellvertretenden Bürgermeisters sowie den Zugriff auf Ausschüsse. In der konstituierenden Sitzung des Stadtrates am 10. November legen sie eine gemeinsame Liste vor.

„Liste gegen Liste“ könnte der Titel für die konstituierende Sitzung des Willicher Stadtrates am 10. November heißen. Vor dem Hintergrund, dass die CDU, die SPD und die FDP eine gemeinsame Liste erstellt haben, um die Ausschüsse sowie die Posten der beiden stellvertretenden Bürgermeister zu besetzen, sind die Grünen und die Wählergemeinschaft „Für Willich“ ebenfalls eine Listenverbindung eingegangen, um dem entgegenzutreten. „Wir möchten damit auch dem Wählerwillen gerecht werden. Unsere Kandidatin Claudia Poetsch hat ein gutes Ergebnis bei der Kommunalwahl eingefahren. Die SPD nicht“, sagt Grünen-Fraktionsvorsitzender Christian Winterbach.

In seinen Augen kann es nicht angehen, dass der Posten des zweiten stellvertretenden Bürgermeisters erneut an Dietmar Winkels gehen soll. Üblich sei es, dass der stärksten Fraktion, damit der CDU, der erste Stellvertreterposten zusteht. Guido Görtz könnte in diesem Amt bleiben. Der zweite Stellvertreterposten müsste laut Grünen an die zweitgrößte Fraktion gehen – und das wären in diesem Fall die Grünen mit Poetsch. Zumal mit einer Frau in dieser Position auch der Frauenanteil generell erhöht würde. Einen dritten stellvertretenden Bürgermeisterposten einzurichten, lehnen Grüne und „Für Willich“ ab. Dafür müsste zum einem die Hauptsatzung geändert werden, und es käme zu weiteren Kosten durch die Aufwandsentschädigungen für diese Aufgabe. Geld, das letztendlich die Willicher Bürger aufbringen müssen. „Das könnte uns zum Vorwurf gemacht werden, und das wollen wir nicht“, sagt „Für Willich“-Fraktionsvorsitzender Detlef Nicola.

Ratsfrau Theresa Stoll von „Für Willich“ vergleicht das Ganze mit Speerwerfen: „Beim Speerwerfen geht es auch nicht, dass der, der weiter geworfen hat, hinten ansteht. Die Prozentzahlen der Kandidaten spielen die entscheidende Rolle“, sagt sie. Beide Fraktionsvorsitzende betonen indes, dass die SPD sich dem stellen müsste, dass sie kein gutes Ergebnis eingefahren habe – und zwar mit allen Konsequenzen. Was Nicola insbesondere wurmt, ist die Tatsache, dass SPD und FDP nicht das Gespräch mit ihnen gesucht hätten. Auch der CDU macht er Vorwürfe. „Wir haben mit der CDU gesprochen und ein gutes Gefühl gehabt. Dann kam das Aus für unser Mitwirken“, sagt Nicola. Er führt dies darauf zurück, das „Für Willich“ eindeutig signalisiert habe, dass man zu Poetsch als zweiter stellvertretender Bürgermeisterin stehe.

Die Grünen haben laut eigener Aussage hingegen mit allen anderen Fraktionen Gespräche geführt. Nicola mutmaßt, dass es schon vor der Wahl Gespräche gegeben hat und die besagte Liste bereits zu diesem Zeitpunkt ins Spiel kam. „Wir wollen keinen Keil treiben, der uns an der Fortführung der guten Zusammenarbeit hindert. Aber man muss sehen, dass die CDU zum ersten Mal im Wahlkampf einen Gegenhalt gespürt hat. Das ist überraschend und nicht einfach“, sagt Poetsch. Es sei ein fairer Wahlkampf gewesen, und der Wählerwille sei eindeutig, fügt sie an.

Mit der eigenen Liste wollen die beiden Fraktionen auch Einfluss auf die Besetzung der Ausschüsse und der Aufsichtsratsgremien wie bei den Stadt- und Wasserwerken nehmen. Grüne und „Für Willich“ sind sich einig, dass sie von den Schwerpunktthemen gut zusammenpassen, angefangen bei Fragen der Mobilität bis hin zur Erweiterung des Gewerbegebiets Münchheide. Weitere Versiegelungen der hochwertigen Ackerflächen seien zu unterbinden, und es müsse Wert auf Ökologie beim Bau von Gewerbeeinheiten gelegt werden. Der Kreisbauernschaft, die sich wenig vertreten fühlt, soll mit dem Zusatz Landwirtschaft beim Ausschuss Umwelt und Nachhaltigkeit Rechnung getragen werden. Beide Fraktionen sind nun gespannt auf die Sitzung und appellieren an die Ratsmitglieder, Haltung zu zeigen.