1. NRW
  2. Städte
  3. Willich

Stadt Kempen: Großer Beifall für Alexandre Tharaud

Stadt Kempen : Großer Beifall für Alexandre Tharaud

Seine Goldberg-Variationen nannte Johann Sebastian Bach eine "Clavier Ubung bestehend in einer ARIA mit verschiedenen Ver-aenderungen vors Clavicimbal mit 2 Manualen". Auch wenn ein moderner Konzertflügel Möglichkeiten bietet, an die zu Bachs Zeiten noch nicht zu denken war: zwei Manuale hat er nicht. Bei diesem Werk mit einem Manual auszukommen, ist pianistisch nicht einfach

Pianisten der Extraklasse lösen das Problem dank ihrer enormen Virtuosität. Zu ihnen zählt auch der 1968 in Paris geborene Alexandre Tharaud, der vor vollen Stuhlreihen in der Paterskirche mit einer technisch perfekten, musikalisch durchaus individuellen Interpretation beeindruckte.

Tharaud spürte die romantische Seite der Goldberg-Variationen auf. Natürlich ließe sich einwenden, dass Bach der Barockzeit und nicht der Romantik zuzurechnen ist. Aber in Bachs Musik steckt Vieles; es ist legitim, verschiedene Aspekte herauszuarbeiten. Stimmig war die Auffassung, und sie zog sich widerspruchslos durch das ganze Werk.

Schon die Wiedergabe der Aria, des Themas, auf dem die Variationen beruhen, machte den Ansatz Tharauds deutlich. Elegisch spannte er den Melodiebogen, liebevoll und mit großer Ruhe spielte er die Verzierungen aus. Die Stimmungsgegensätze der Variationen brachte er deutlich zum Ausdruck. Schnelle Sätze klangen bravourös, in den langsamen ließ Tharaud das gesangliche Element voll zur Geltung kommen. Majestätisch-festlich klang die 16. Variation, die Ouvertüre.

  • Der Franzose David Fray holte sein
    Klavierabend mit französischem Star-Pianisten : Klavierabend mit höchster Präzision und reichem Klang
  • 30 Minuten sprach Lang Lang mit
    Der Pianist Lang Lang im Interview : „Ich habe noch einmal richtig Klavierstunden genommen“
  • Heinz-Peter Kortmann in seinem Musikzimmer. Johann
    Kirchenmusik in Krefeld : Bach lieben: Ein Gespräch über Musik

So ruhig, wie das Werk beginnt, so ruhig endet es. Tharaud war anzumerken, dass ihm ein Moment der Stille nach dem Schlussakkord wichtig war. Das sachkundige Kempener Publikum weiß ohnehin, dass man bei einem solchen Werk nicht in den letzten Ton hineinklatscht und wartete einen Moment. Dann allerdings war der Beifall groß. Tharaud bedankte sich mit einem Satz aus einer Sonate von Domenico Scarlatti als Zugabe.

Die Goldberg-Variationen bilden den vierten Teil der "Clavierübungen", die Bach sowohl für Cembalo wie für Orgel verfasste. Da trifft es sich gut, dass in Kürze Teil III dieser Sammlung zu hören ist. Ute Gremmel-Geuchen (Orgel) sowie das Vokalensemble Kempen unter der Leitung von Christian Gössel und Stefanie Hollinger sind damit am 18. Februar um 20 Uhr in der Propsteikirche zu hören.

Tharaud spielte die Goldberg-Variationen nicht auf dem Steinway-Flügel der Paterskirche, sondern auf einem mitgebrachten Flügel der Firma Yamaha. Yamaha stellt ihm das Instrument zur Verfügung, weil Tharaud die Goldberg-Variationen auf einem Yamaha-Flügel auf CD eingespielt hat (Alexandre Tharaud: Bach Goldberg Variations, Erato).

(RP)