Stadt Willich: Gesunde Milch von glücklichen Kühen

Stadt Willich : Gesunde Milch von glücklichen Kühen

Der Schauhof der Familie Zens in Willich ist der erste Bio-Milchviehbetrieb im Kreis Viersen. Seit dem 1. Oktober gehört der Hof dem Biolandverband an. Bis es so weit war, mussten die Zens' viel Zeit und Geld investieren.

Sie heißen Antonia, Greta und Olivia, haben große, dunkle Augen, und ihr Fell glänzt in der Sonne. Wenn Petra und Peter Zens mit dem Futtereimer klappern, dann kommen sie angelaufen, schnuppern neugierig, lassen sich streicheln und mit Leckerlis verwöhnen. Dabei brauchen die Kühe der Familie Zens eigentlich keine extra leckeren Sachen, denn ihr Futter ist bereits das Beste, was es für Kühe gibt.

"Wir haben für unsere Tiere Kleewiesen angelegt, füttern sie mit Luzernen und Weidekräutern", erzählt Peter Zens. Dass die Bauernfamilie aus Willich beim Futteranbau komplett auf Herbizide, Insektizide und Fungizide verzichtet, versteht sich von selbst, sonst hätte der Bioverband den Bauernhof an der Dickerheide 200 nicht als Biobetrieb zertifiziert und die Milch nicht mit dem Gütesiegel Bio-Milch ausgezeichnet.

Seit dem 1. Oktober haben die Zens' das Siegel und sind damit der erste Bio-Milchviehbetrieb im Kreis Viersen. Der Weg dahin war lang. "Wir haben Mitte 2015 überlegt, was wir machen", erzählt Peter Zens. Der Milchpreis war wiedermal im Keller, und es gab nur zwei Optionen: entweder mehr Kühe anschaffen oder auf Bio umstellen. "Mehr Kühe wollten wir nicht, wir sind kein Massenbetrieb", sagt Petra Zens. "Unsere Kühe haben alle Namen, und wir kennen ihren Charakter."

Also Bio. Die Familie besuchte Biolandwirte in der Region und informierte sich, was für eine Umstellung getan werden muss. "Wir haben die Anzahl der Kühe nach und nach reduziert, sodass wir jetzt 90 Tiere haben", erzählt der 49-jährige Landwirt. Kleewiesen wurden angelegt, die Kälber erhielten einen Auslauf, bleiben jetzt nach der Geburt zwei bis drei Wochen bei ihrer Mutter und werden mindestens zwölf Wochen lang mit Vollmilch gefüttert. "Außerdem sind unsere Kühe, Rinder und Kälber mindestens 180 Tage im Jahr auf der Wiese", sagt Petra Zens.

Das Futter wird auf den eigenen Feldern angebaut, auf spritzen wird verzichtet, auch gentechnisch verändertes Futtermittel findet sich bei den Zens' nicht. "Durch das Futter ist die Milch nicht nur frei von Schadstoffen, sondern auch besonders reich an Omega-3-Fettsäuren", weiß Peter Zens. Und die senken den Blutzuckerspiegel und den Blutfettwert, regen den Zellstoffwechsel an und halten die Gelenke beweglich. Auch als Schutz gegen Entzündungen und Infektionen helfen Omega-3-Fettsäuren, weil sie die körpereigene Abwehr stärken.

Vermarktet wird die Bio-Milch aus Willich jetzt in der Bio-Molkerei Aurora in Kranenburg. "Dort wird aus der Bio-Milch auch der Bio-Käse 'Niederrheinische Määdje' hergestellt, den wir auch im Hofladen verkaufen", erzählt Petra Zens. Auch die Eier der freilaufenden Hühner vom Hof, die Kartoffeln aus eigenem Anbau, Honig vom Bio-Imker und natürlich die Milch verkauft die 45-Jährige in ihrem Laden. Das nächste größere Projekt der Familie ist eine Milchtankstelle. "Der Bauantrag ist gestellt", sagt Peter Zens. Dort können die Kunden dann rund um die Uhr die unbehandelte Bio-Milch für einen Euro pro Liter selber zapfen.

Übrigens profitieren auch die Insekten von der Umstellung bei den Zens'. Nicht nur, dass keine Insektizide mehr gespritzt werden, Peter Zens lässt auf seiner Klee- und Wildkräuterwiese immer auch einen Streifen für die Insekten stehen. "Das war toll, was da im Sommer los war", sagt seine Frau. Der Familie Zens, die den Schauhof seit sieben Generationen bewirtschaftet, gefällt an der Umstellung nicht nur, dass sie viel Gutes für Tier und Umwelt tun. "Wir haben durch den Biolandverband unheimlich viele nette Menschen kennengelernt", sagt das Ehepaar. Statt Konkurrenz gebe es ein freundliches Miteinander.

(WS03)