Tönisvorst: Geschichten, die das Leben spiegeln

Tönisvorst: Geschichten, die das Leben spiegeln

Autorin Marion Feldhausen hat in Tönisvorst eine neue Heimat gefunden. Ihr jüngster Roman "Friedensengel" ist inspiriert von der niederrheinischen Landschaft und den Machenschaften der Rüstungsindustrie.

Marion Feldhausen liebt es, "Geschichten zu erzählen, die mit der Realität zu tun haben". Spannend und überraschend müssen sie sein sowie ein aktuelles Thema beleuchten, das "echte Empörung" hervorrufen kann. "Nichts Menschliches ist mir dabei fremd", sagt die frühere Sozialarbeiterin, die mit Obdachlosen, Straffälligen und zuletzt als Psychotherapeutin in einer Suchtklinik mit Drogenabhängigen zusammengearbeitet hat.

"In der Drogenklinik musste ich Berichte über die Patienten verfassen, die in sich schlüssig waren und sich einer klaren Sprache bedienten", erzählt Marion Feldhausen. Diese Tätigkeit und der Spaß daran, Geschichten zu erzählen, hat die gebürtige Duisburgerin zum Schreiben von Kriminalromanen gebracht. Bereits zwei sind erschienen, der jüngste Roman "Friedensengel" setzt sich mit den Machenschaften der deutschen Rüstungsindustrie auseinander.

"Beim Erstling ,Himmelskinder' ging es um die Sachsensumpf-Affäre aus dem Jahr 1993 und um Fälle von Zwangsprostitution von Kindern", berichtet Marion Feldhausen. Auch in "Friedensengel" liegt eine tatsächliche Begebenheit zugrunde: der Fall Soacha in Kolumbien. 2008 verschwanden in einem südlichen Vorort der kolumbianischen Hauptstadt Bogota Dutzende Männer zwischen 16 und 45 Jahren. Sie seien zur Kaffee-Ernte angeworben worden und in den Norden gereist, erklärten die Behörden. Monate später wurde es Gewissheit: Sie waren umgebracht worden, getötet vom Militär. Seitdem kämpfen die Mütter von Soacha, damit die Schuldigen zur Verantwortung gezogen werden.

"Meine Tochter Julia arbeitet und lebt zurzeit in Kolumbien und hat mir von den Massakern, dem Leid und den Massengräbern erzählt", berichtet Marion Feldhausen. Illegale Waffenimporte seien dort bittere Realität. Und so lässt die Sozialarbeiterin in "Friedensengel" zunächst Kriminalkommissar Alvermann und seine Kollegen in Karlsbach eine Bande von Schutzgelderpressern verfolgen. Dann wendet sich das Blatt: Einer der Drahtzieher wird erstochen aufgefunden und völlig unvermutet führt eine Spur in die Chefetage des ortsansässigen Rüstungsunternehmens.

"Die Orte im Roman sind alle verfremdet, doch Kundige können in Karlsbach Duisburg und in der Umgebung den Niederrhein bei Rees und Hamminkeln-Mehrhoog erkennen", sagt Marion Feldhausen. Denn dort ist die aufgewachsen, ist mit ihrem Großvater angeln gegangen. "Alle Bilder, die ich von der dortigen Natur habe, kommen automatisch beim Verfassen der Geschichte", erzählt die Autorin. Auch die ermittelnden Personen sind Marion Feldhausen mittlerweile ans Herz gewachsen: "Masur, der alles das auslebt, was Kommissar Alvermann sich nicht traut."

Eine schnörkellose Sprache, exakt gezeichnete Figuren, eine wahre Begebenheit und spannende Wendungen zeichnen "Friedensengel" aus, auch wenn das Ende des Romans nicht jeden eingefleischten Krimi-Fan zufriedenstellen wird. "Wichtig ist mir, sich zu empören und die Orte sowie die Menschen zu spüren. Erst dann kann daraus eine Geschichte entstehen", sagt Marion Feldhausen, die sich vorstellen kann, ihre neue Heimat — die Apfelstadt und die Niers-Umgebung — in einem weiteren Buch um Kommissar Alvermann zu verewigen.

(RP)
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