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Stadt Willich: Gerke lässt nicht locker

Stadt Willich : Gerke lässt nicht locker

Im Streit um die Altpapierentsorgung attackiert die Firma Gerke die Stadt. Die wiederum appelliert an die Bürger, das Altpapier künftig in der blauen Tonne zu sammeln. Nur so könnten die Gebühren dauerhaft gesenkt werden.

Der Streit ums Altpapier in Willich geht in die nächste Runde. Jetzt hat sich der bisherige Altpapierentsorger, die Tönisvorster Firma Gerke, erneut zu Wort gemeldet. In einer offiziellen Mitteilung erhebt Geschäftsführer Hermann Josef Gerke schwere Vorwürfe gegen die Stadt. Die Aussage der Stadt, jeder Bürger müsse die blaue Tonne nehmen, sei wahrheitswidrig und wettbewerbsverzerrend, heißt es unter anderem. Zudem müsse man nicht mit einer Erhöhung der Abfallfgebühren rechnen, wenn man sich für die Fortsetzung der Altpapierentsorgung über die grüne Tonne von Gerke entscheiden sollte.

Kämmerer in Rage

Willichs Kämmerer Willy Kerbusch, dessen Dezernat auch für den Abfallbetrieb zuständig ist, gerät angesichts solcher Aussagen in Rage. "Was Herr Gerke behauptet, ist schlicht falsch", sagt Kerbusch.

Ab dem 1. Januar übernimmt die Firma Alba die Altpapierentsorgung in Willich mit blauen Tonnen. Der bisherige Entsorger, die Firma Gerke, hatte sich damals zwar nicht an der Ausschreibung beteiligt, will jetzt aber in Konkurrenz zur kommunalen Altpapierentsorgung treten. Gerke versucht, auf eigene Rechnung eine gewerbliche Altpapiersammlung mit den bisherigen grünen Tonnen aufzubauen. Die Bürger haben jetzt erneut Antwortkärtchen an ihren grünen Tonnen vorgefunden. Wer die ausfüllt und an Gerke schickt, sorgt dafür, dass das Altpapier weiter über die grüne Tonne abgeholt wird.

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Die Vertreter der Stadt Willich werden nicht müde zu betonen, dass genau das am Ende allen Gebührenzahlern schadet. Hintergrund: Der Kreis Viersen zahlt der Stadt ab dem kommenden Jahr 85 Euro pro Tonne — gemeint ist das Gewicht — Altpapier. Bislang waren es 25 Euro. Den Erlös will die Stadt Willich nutzen, um die Gebühren für die Restmülltonne zu subventionieren. "Das sorgt dafür, dass wir die Müllgebühren um 25 Prozent senken können", sagt Kerbusch.

Jede Tonne Altpapier, die künftig über Gerke entsorgt wird, fehlt in dieser Bilanz. Die drohende Konsequenz: "Sollten zu viele Bürger bei Gerke bleiben, müssen wir die Müllgebühren ab 2010 splitten", sagt der Kämmerer. Das heißt nichts anderes, als dass alle Bürger die Kosten dafür tragen, dass einige sich nicht an der kommunalen Altpapiersammlung beteiligt haben. Ab einer Größenordnung von rund 30 Prozent dürfte es für die Stadt kritisch werden. Von einer solchen Beteiligung an der Sammlung von Gerke geht man bei der Stadt derzeit aber nicht aus.

Als letztes Mittel gegen die Offensive von Gerke prüft die Stadt derzeit die Option, für die private Altpapiersammlung eine Sondernutzungsgebühr zu erheben. "Wir prüfen, inwieweit wir die Satzung der Stadt dafür ändern können", sagt Kerbusch. Sollte es zur Erhebung einer Sondernutzungsgebühr kommen, dürfte sich die private Altpapiersammlung für die Firma Gerke finanziell kaum rechnen, sagt Kerbusch. "Zumal der Altpapierpreis derzeit auch wieder fällt."

(RP)