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Georg Heyes aus Schiefbahn ist Hegeringleiter in der Kreisjägerschaft Viersen

Ferienalphabet – J wie Jäger : Vor der Jagd steht die Hege

Georg Heyes ist Hegeringleiter für Anrath, Neersen und Schiefbahn und zuständig für die Wildpopulation in dem 250 Hektar großen Revier. Viele Tiere sterben bei Unfällen auf den Straßen.

Zwölf Fasanenküken staksen durch die selbstgebaute Voliere, immer der Glucke hinterher. Eine Woche sollen sie noch darin bleiben, dann dürfen sie tagsüber die Umgebung erkunden und abends von alleine wieder zur Henne in den Käfig kommen. Später sollen sie rund um die Uhr draußen bleiben und in der nahen Hecke schlafen, geschützt vor Fuchs und Marder, bevor sie irgendwann ganz davonfliegen. Die Glucke – ein Zwerghuhn – kommt anschließend wieder in Georg Heyes’ Stall. Als Amme für die kleinen Wildvögel hat sie ganze Arbeit geleistet.

Heyes ist Landwirt in Schiefbahn und als einer von 16 Hegeringleitern in der Kreisjägerschaft Viersen für ein rund 250 Hektar großes Reviergebiet in Anrath, Neersen und Schiefbahn zuständig. Dort leben unter anderem Hasen, Kaninchen, Fasane, Enten, Wildtauben und Rehe. Auf die Frage, ob jeder Jäger tatsächlich immer nur schießen will, wie manch einer behauptet, antwortet der 65-Jährige: „Wir haben einen Rehbock im Revier, der wäre eine echte Trophäe. Ich sehe ihn aber viel lieber in der Natur herumlaufen.“ In seinen mehr als 20 Jahren als Jäger habe er drei Böcke erlegt und in dieser Zeit etwa 30 überfahrene von den Straßen geholt.

Für die zwölf Fasanenküken dient eines von Heyes’ Zwerghühnern als Amme. Foto: Norbert Prümen

Die Eier der ungeschlüpften Fasanenküken hat er beim Grasmähen entdeckt. Als die Henne davonflog, bemerkte er ihr Gelege in einer Mulde. „Es lag zum Glück so, dass das Mähwerk darüber hinweg gegangen ist und die Eier nicht zerstört wurden“, erinnert sich Heyes. Er nahm sie mit, und nach zwölf Tagen schlüpften die Küken. In den ersten gut drei Wochen sind sie in der Voliere nicht nur vor möglichen Angreifern geschützt, sondern auch vor Regen. „Sie dürfen in den ersten Tagen nicht nass werden, sonst unterkühlen sie und gehen kaputt“, erläutert der Landwirt. In der Natur würden sie sich unter den Flügeln der Mutter verkriechen, die Zwerghuhn-Amme ist für alle zwölf Fasanenküken allerdings zu klein.

Heyes freut sich über jede Henne und ihre Küken. 150 Tiere habe es in seinem Revier um die Jahrtausendwende gegeben, nun seien es nur noch um die 20. Ein Grund für den Rückgang der Population sei, dass es auch immer weniger Insekten gebe, ein anderer, Krankheiten durch Pflanzenschutzmittel. Von einem Freund in den Niederlanden habe er Rebhühner bekommen, die er auswildern wolle, sagt Heyes: „Die sind hier in der Region fast ausgestorben.“

Der Hegering ist eine Untergliederung der Jägerschaften auf lokaler Ebene, und damit nach dem Deutschen Jagdverband, den Landesjagdverbänden und den Kreisjägerschaften die kleinste Organisationseinheit der Jäger. 175 Hektar Land brauche man, um eine kleine Eigenjagd anzumelden, erläutert der Landwirt. Häufig würden sich Eigentümer zu einer Genossenschaft zusammentun und ihr Land verpachten. Seit vier Jahren leitet Heyes den Hegering 15 in der Kreisjägerschaft Viersen, für weitere vier Jahre würde er sich gerne wählen lassen, wenn die nächste Versammlung stattfindet, die wegen der Corona-Pandemie bislang verschoben wurde. Die Kreisjägerschaft Viersen hat rund 100 Mitglieder. Der Altersdurchschnitt liegt bei Mitte 60, aber „die Zeiten ändern sich“, sagt Heyes. Zur Kreisjägerschaft gehören inzwischen sechs Frauen, fünf Jungjäger sind gerade neu dazugekommen, der Jüngste von ihnen ist 14 Jahre alt. „Die Menschen wollen wieder mehr in der Natur sein“, nennt Heyes als möglichen Antrieb.

Bei sogenanntem Niederwild gebe es für Jäger laut Jagdgesetz keine Vorgaben, erläutert Heyes: „Es soll ein artenreicher und gesunder Bestand sein, der keine Schäden anrichtet und sich auch selbst nicht schadet.“ Er selbst sei zwar jeden Tag auf dem Hochsitz oder in seinem Revier unterwegs, aber meist nur zum Beobachten. In der Regel schieße er jährlich ein paar Enten, Hasen und Kaninchen sowie rund 25 Nutrias. „Pro Schwanz gibt es zehn Euro“, sagt Heyes. Für ein Reh würden etwa Restaurants um die 80 Euro zahlen. Hasen seien früher sehr gefragt gewesen. „Mein Vater hat 80 Stück schnell verkauft, heute muss man gucken, dass man sie los wird“, sagt Heyes. Wildjägerei halte sich „in Grenzen“. „Es gab mal ungeklärte Schüsse, aber seit wir Kameras aufgehängt haben, ist Ruhe“, sagt der 65-Jährige.

Wer mit seinem Auto ein Wildtier anfährt, ruft die Polizei oder direkt den Jagdaufseher. Der könne eine Bescheinigung für die Versicherung ausstellen, sagt Heyes. Er rät: Wenn man auf Wild trifft, den Fuß vom Gas nehmen und nicht bremsen oder ausweichen, sonst zahlt die Versicherung nicht bei einem Schaden.

Vor der Jagd stehe die Hege, und dabei würden die inzwischen üblichen Knackpunkte Probleme bereiten: freilaufende Hunde, die Wildtiere aufschrecken. Dazu kommen deren Hinterlassenschaften in Feldern und immer mehr Plastikmüll. „Einmal habe ich 14 Euro an Flaschenpfand aus einem Spargelfeld geholt“, berichtet der Landwirt. Regelmäßig würde er zudem abgeladenen Grünschnitt finden. Problematisch daran seien nicht nur die schwarzen Plastiksäcke, in denen der Grünabfall in die Natur geschmissen würde, sondern auch, dass durch die Menge der Waldboden überdüngt werden könne. Ein leichtes Umdenken in den Köpfen einiger Menschen habe sie im Verlauf der Corona-Pandemie bemerkt, sagt Heyes’ Frau Franka: „Unsere Kunden im Hofladen bringen immer häufiger eigene Taschen oder Dosen mit.“