Gelungene Premiere von Charleys Tante bei Schlossfestspielen

Schlossfestspiele Neersen : Ein herrlich vergnüglicher Abend

Trotz Konkurrenz durch „König Fußball“ war „Charleys Tante“ mit Kalle Pohl in der Hauptrolle ausverkauft. Das Ensemble der Schlossfestspiele Neersen feierte vor fast 500 Besuchern eine gelungene Premiere.

Ganz ohne Fußball kommt der Theaterabend am Samstag natürlich nicht aus. Als das Deutschlandspiel zu Ende ist, verkündet Darsteller Kalle Pohl mit Maria Arnold und Vanessa Frankenbach im Arm: „Jetzt sind wir zwei zu eins, wie Deutschland gegen Schweden.“ Die meisten Zuschauer sind darüber aber schon im Bilde, denn der Jubel der Anwohner über das erste Tor ist bis in die Zuschauerreihen gedrungen und das zweite fällt kurz vor Beginn des zweiten Teils, als viele Zuschauer noch die Mobiltelefone eingeschaltet haben.

Ansonsten aber sind die fast 500 Premiere-Gäste (einige Plätze bleiben unbesetzt, obwohl alle Karten verkauft worden sind) ganz bei der Sache und lassen sich mitnehmen ins London der 20er Jahre, in dem die Studenten Charles (David Imper) und Jack (Thomas Kahle), um Amy (Vanessa Frankenbach) und Kitty (Maria Arnold) werben. Während die Herren ihre Rolle mit angemessener Souveränität spielen, geben die Damen die süßen, naiven Backfische, die viel kichern und meist zu zweit von der Bühne huschen.

Aber das Spiel mit den Klischees, inszeniert von Regisseur und Intendant Jan Bodinus, funktioniert und passt zum Stück, dem Kalle Pohl, Comedien aus Köln, seinen Stempel aufgedrückt hat. Gleich zu Beginn, als Pohl in der Rolle des Gärtners Brassett mit Strohhut auf dem Kopf und Gummistiefeln an den Füßen, den Boden fegt, spricht er die Zuschauer an, wie er es auch bei seinen Soloprogrammen macht. „Sind das Ihre Ausgehschuhe? Ja, ich achte auch immer auf Schnäppchen“, sagt er zu einem Gast. Und an Bürgermeister Josef Heyes gewandt meint Pohl: „Schöne Frisur. Sie haben bestimmt einen guten Kämmerer.“

In diesem Stil gibt es einige Bemerkungen im Stück und sie führen immer dazu, dass die Zuschauer Spaß haben und sich gut amüsieren. Dass manche Sprüche schon etwas älter und ein wenig abgedroschen sind, tut der Freude keinen Abbruch. Niemand hat einen hochanspruchsvollen Theaterabend erwartet. Sympathisch wird „Charleys Tante“ auch dadurch, dass die Darsteller offensichtlich über sich selber lachen können und mit Spaß ans Werk gehen.

Neben dem junggebliebenen Kalle Pohl (66 Jahre), der sowohl in einem viel zu kleinen Smoking, als auch in Damenkleidern sehr lustig aussieht, nimmt sich auch Kay Szacknys, der Jacks Vater Sir Francis spielt, nicht allzu ernst, was bestens zu seiner Rolle passt. Komplettiert wird das gutgelaunte Ensemble von Reinhild Köhncke, die zum Ende hin als die echte Tante Donna Lucia auftaucht.

In Deutschland bekannt geworden ist die britische Komödie aus dem Jahre 1892 durch die Verfilmung mit Peter Alexander in den 60er Jahren. Die Handlung ist schnell erzählt: Weil die beiden Studenten Charles und Jack sich mit den Mädchen Amy und Kitty treffen möchten, brauchen sie eine Anstandsdame. Tante Lucia aber, die diesen Part erfüllen soll, kommt verspätet, weshalb der Gärtner einspringen muss. In Frauenkleidern und mit Makeup versehen, mimt er die Tante. Unter reichlich Alkoholeinfluss findet er sich immer mehr in das Versteckspiel ein und flirtet mal mit den jungen Damen, mal mit Jacks Vater.

Neben viel Humor, einigen Slapstick-Einlagen und Running-Gags, gibt es auch Musik, für die ebenfalls Kalle Pohl sorgt, der im ersten Leben Polizeihauptwachmeister war, im zweiten klassische Gitarre studiert hat, im dritten als Comedien auf der Bühne stand und jetzt Schauspieler ist. So erleben die Premiere-Gäste von „Charleys Tante“ einen abwechslungsreichen Theaterabend, der mit einem Empfang im Schloss endet.

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