Stadt Willich: Gelebte Ökumene im Lutherjahr

Stadt Willich : Gelebte Ökumene im Lutherjahr

Die evangelische und die katholische Kirche in Anrath nehmen das Lutherjahr, das sich seinem Höhepunkt nähert, zum Anlass für einige ökumenische Projekte.

Die Ökumene ist in Anrath über die Jahre gewachsen, und sowohl Pfarrer Christoph Kückes von der evangelischen Kirchengemeinde als auch Markus Poltermann von der katholischen Gemeinde liegt es am Herzen, daran anzuknüpfen. Kückes erinnert sich noch genau, wie er vor drei Jahren in Anrath ankam und nur wenige Tage später einen ökumenischen Schulgottesdienst mit Poltermann feierte. "Wir haben uns kurz vor dem Gottesdienst kennengelernt und einige Minuten ausgetauscht, dann starteten wir", erzählt Kückes. Nach dem Gottesdienst wurde er gefragt, wie viele Jahre er den katholischen Kollegen schon kenne, weil alles so harmonisch gelaufen sei.

Sowohl Kückes als auch Poltermann haben die Ökumene aufgrund ihrer Familien von Kindesbeine mitgelebt - und das spiegelt sich heute wider. Die beiden wollen die Ökumene vor Ort nicht nur erhalten, sondern weiter vorantreiben. So kam im Luther-Jubiläumsjahr "500 Jahre Reformation" die Idee auf, gemeinsam etwas für die evangelischen und katholischen Gemeindemitglieder anzubieten. "Die Taufe ist in beiden Religionen anerkannt. Wer zum Beispiel den Glauben wechselt, muss sich in der anderen Konfession nicht mehr taufen lassen. Das haben wir zum Anlass genommen, einen ökumenischen Abend dem Thema zu widmen", sagt Poltermann. Am Freitag, 13. Oktober, 19.30 Uhr, heißt es so im Evangelischen Gemeindehaus in Anrath "Eins in der Taufe". Beide Pfarrer referieren zum Thema, im Anschluss ist ein geselliges Beisammensein mit Austausch geplant. Dazu stellen die Frauen der Anrather JVA Bilder aus der Reformationszeit samt dazugehörigen Texten aus.

Eine Woche später, am 20. Oktober, 19 Uhr, beschäftigt sich Bernd-Dieter Röhrscheid mit den "Spuren der Reformation am Linken Niederrhein - mit Fokus auf den Spuren in der Altgemeinde Anrath" im Gemeindehaus. "Ich hatte den Vortrag bereits beim Heimatverein gehalten und für einiges Erstaunen gesorgt", berichtet Röhrscheid. Denn Kempen, Tönisvorst, Oedt und Willich seien einst fast protestantisch geprägt gewesen. Röhrscheid wird von Zeiten erzählen, in denen es auf dem Schulhof eine Trennlinie und sogar getrennte Toiletten für Protestanten und Katholiken gab. Der Zufall wollte es, dass Röhrscheid bei den Schlossfestspielen Neersen auf Kückes traf und das Thema zur Sprache kam. Schnellstand fest: Es passt genau in das Konzept der beiden Pfarrer.

Am Dienstag, 31. Oktober, dem Reformationstag, wenn das Lutherjahr offiziell zu Ende geht, feiert die evangelische Gemeinde dies um 11 Uhr mit einem Festgottesdienst samt Orgel- und Posaunenchor-Begleitung in der evangelischen Kirche in Vorst. "Konfession bedeutet keine Trennung, sondern lediglich unterschiedliche Sichtweisen auf Jesus Christus", lautet die einhellige Meinung von Kückes und Poltermann. Niemand wird nach seiner Konfession gefragt. Die verschiedenen Konfessionen sind völlig selbstverständlich. Vielmehr geht es darum, sich gemeinsam für die Interessen und unterschiedlichsten Belange einzusetzen. Kückes und Poltermann zeigen dabei mit den Veranstaltungen, dass auch Luther verbindet.

(tref)
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