Stadt Willich: Geballte Literatur in Wort und Film

Stadt Willich: Geballte Literatur in Wort und Film

Die Literatur rückte für einen Abend in der Robert-Schuman-Europaschule in den Mittelpunkt. Der dritte Literaturabend der Jahrgangsstufe zwölf lockte die Besucher an.

Die Bühne in der Aula der Robert-Schuman-Europaschule ist in ein sanftes Licht getaucht. Auf einem Tisch schimmern Kerzenleuchter, davor stehen mehrere Stühle, und es gibt separate Leselampen. Ein entspannendes Szenario, was aber Sekunden später mit dynamischen Leben gefüllt wird. Die drei Zwölfklässlerinnen Carina Wunden, Johanna Schreiber und Josephine Mainz bringen den ersten literarischen Part auf die Bühne.

Vor den Augen der Zuschauer entsteht das Bild einer Frau, die vor einer geschlossenen Tür steht und den Schlüssel in der Küche hat liegen lassen. Sie beschwört ein Unglück nach dem anderen hervor. Die Kinder würden verhungern, weil sie nicht mehr ins Haus könnte, sie würde alles verlieren und werde obdachlos. Sie schreit die alte Eichentür regelrecht an und droht ihr, sie durch eine moderne Variante einer Fingerdruck-Scan-Tür zu ersetzen.

Doch die Tür schlägt zurück. Sie spricht nämlich auch und macht der Frau deutlich, dass sie nicht für ihr verkorkstes Leben zuständig ist. Dann aber wird klar, Türen können doch nicht sprechen, denn eine Pflegerin holt die verwirrte Frau ins Haus zurück.

Mit "Der etwas andere Alltag" startete der nunmehr dritte Literaturabend der zwölften Jahrgangsstufe der Gesamtschule. Zahlreiche Besucher hatten sich eingefunden, um zu hören und zu sehen, was die Schüler in den Literaturkursen der Oberstufe, betreut von ihren Lehrern Björn Gerlach und Daniel Möltner, alles erarbeitet hatten. Los ging es dabei mit dem kreativen Schreiben.

  • Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge : Robert-Schuman-Schüler sammelten 187 Euro

Die Besucher wurden in selbst geschriebenen Geschichten mit Alltagsgegenständen konfrontiert, die auf einmal anfangen zu reden. Sie erlebten fiktive Biografien, konnten sich mit Bildimpulsen beschäftigen und an Schachtelgeschichten erfreuen. Die Frage "Was wäre wenn...?" es zum Beispiel kein Mobbing gäbe oder der Egoismus nicht mehr vorhanden wäre, beschrieben die Schüler in den von ihnen vorgelesenen Werken mal auf nachdenkliche und mal auf humoristische Art und Weise.

Schön war die Erzählung mit dem Titel "Ein heißer Sommernachmittag", in der Fee Christiane Marktplatzbeobachtungen zum Besten gab, bei denen sie wirklich Gesehenes auf dem Willicher Marktplatz zu einer fiktiven Geschichte ausbaute.

Aber nicht nur das kreative Schreiben begeisterte. Vom Schreiben führten die beiden Moderatorinnen Sophie Hart und Liv Stinnertz zu den literarischen Filmen. In "Unkown" wurden so die drei Charaktereigenschaften faul, aufdringlich und tollpatschig ohne Dialog filmisch beschrieben. Ob der ebenfalls dialoglose Kistenwurf, bei dem eine Kiste geworfen wird und an einem anderen Ort ankommt beziehungsweise mit Dingen gefüllt wird, die sich beim erneuten Öffnen in andere verwandelt haben, oder der Beitrag "Chris - Der Tag, an dem die Stimmen verstummten", bei dem besagter Chris in einer Welt aufwacht, in der er der einzige ist, der noch sprechen kann - die Beiträge regten so zum Nachdenken an.

Der stellvertretende Schulleiter Christoph Schell lobte, in welch kreativer Art sich die Schüler der Literaturkurse mit Sprache auseinandergesetzt hätten. "Sprache stellt eine Brücke zum Begreifen dar und das wird hier deutlich", bemerkte Schell.

(tref)
Mehr von RP ONLINE