Stadt Willich: Für die Katastrophe gerüstet sein

Stadt Willich : Für die Katastrophe gerüstet sein

Willich ist Pilotstadt für das Forschungsprojekt "Kophis". Es zielt darauf ab, pflege- und hilfsbedürftige Menschen für Krisen- und Katastrophenfälle zu stärken. Am 7. März können sich Bürger einbringen.

Das Wort "Kophis" ist den meisten Menschen nahezu unbekannt. Die sechs Buchstaben stehen für "Kontexte von Pflege- und Hilfsbedürftigen stärken". Es geht darum, in einer Krisensituation oder einem Katastrophenfall Menschen, die auch ansonsten auf Hilfe oder Pflege angewiesen sind, zu versorgen. Willich ist jetzt Pilotstadt für ein bundesweites Forschungsprojekt.

Pflege- oder Hilfebedürftige werden in der Regel von ambulanten Pflegediensten und Angehörigen zu Hause betreut. In einer außergewöhnlichen Notsituation, wie zum Beispiel durch einen länger andauernden Stromausfall aufgrund einer extremen Wettersituation, wie es vor einiger Zeit im Münsterland durch einen Wintersturm geschah, ist dieser Personenkreis besonders betroffen. Und an genau dieser Stelle knüpft Kophis an.

"Wir möchten bereits ins Nicht-Krisenzeiten Netzwerke knüpfen, um im Fall X helfen zu können", sagt Ruth Winter vom DRK-Landesverband Nordrhein. Das DRK ist nämlich der Projektkoordinator. Kophis selber wird im Rahmen der Forschung für die zivile Sicherheit vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert. Mehrere Universitäten sind mit im Boot, darunter auch die Katastrophenforschungsstelle Berlin.

Die theoretische Forschung ist nun das Eine. Aber es geht auch um die praxisnahe Forschung - und dazu ist Willich neben einer Modellregion in Süddeutschland Pilotstadt geworden. In Willich fand nun ein erster Runder Tisch mit Vertreten aus den unterschiedlichen Bereichen der Stadt, den Pflegediensten sowie Organisationen rund um den Katastrophenschutz statt. Sie alle machten sich erste Gedanken, wie die psychische Widerstandsfähigkeit der Pflege- und Hilfsbedürftigen durch die Einbeziehung des persönlichen und sozialen Umfeldes gestärkt werden könnte. Was können Pflegedienste in einer Krisensituation tun? Wie könnten sich Seniorentreffs einbringen? Was könnten funktionierende Nachbarschaftsinitiativen leisten?

Erste Ideen wurden entwickelt, nun geht es am 7. März einen Schritt weiter. "Wer könnte sich besser einbringen als Betroffene und deren Angehörige selber? Wir laden daher in die Anrather DRK Begegnungsstätte", informiert Begegnungsstätten-Leiterin Eva Abels. Unter dem Titel "Katastrophen früher und heute - Schneechaos, Stromausfall und sonstige Widrigkeiten" können Interessierte ihre persönlichen Ideen, Anregungen, Wünsche und auch Sorgen einbringen.

Franz-Josef Jansen vom Bürgerverein bringt dazu alte Fotos mit, die zeigen, dass die Bürger früher auch mit Sturm, Schnee, Glatteis und anderen Widrigkeiten gemeinsam fertig geworden sind. "Aus alten Erfahrungen kann gelernt werden. Daraus können neue Ideen entwachsen", bemerkt Jansen. Damit möglichst viele Bürger teilnehmen können und auch Berufstätige die Möglichkeit haben mitzumachen, bietet die Begegnungsstätte direkt zwei Termine an.

"Vielen ist es vielleicht gar nicht klar, was ein Stromausfall für hilfsbedürftige Menschen bedeutet. Es fängt damit an, dass der reguläre Hausnotrufknopf nicht funktioniert. Der Fahrstuhl läuft nicht mehr, und ein Mensch mit Rollstuhl oder Rollator hat keine Möglichkeit, seine Wohnung zu verlassen", sagt Winter. Man suche alltagstaugliche Lösungen, um mit solchen Situationen umzugehen, fügt sie an. Die Struktur einer jeden Region ist dabei anders, aber was in Willich auf den Weg gebracht werden soll, kann auf andere Städte und Gemeinden in modifizierter Art übertragen werden. Winter spricht von einem Blumenstrauß an möglichen Lösungen, der gemeinsam entwickelt werden soll. Ziel ist es sicherzustellen, dass hilfs- und pflegebedürftige Menschen im Fall X nicht vergessen werden.

(tref)
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