Stadt Willich: Frischzellenkur für den Saal Krücken

Stadt Willich: Frischzellenkur für den Saal Krücken

Rund 300.000 Euro investiert die Stadt in Alt-Willichs einzigen großen Veranstaltungsraum. Ob der jetzige Pächter Horst Neven auch 2019 weitermachen wird, ist noch nicht klar.

"Himmlich gut, teuflisch schnell" steht auf den Autos einer Krefelder Schreinerei. Das Team tut derzeit alles, um diesem Motto gerecht zu werden. Die flott, aber präzise arbeitenden Handwerker sind nur einigen von vielen, die gerade den Saal der Gaststätte Krücken umkrempeln und instandsetzen. Seit ein paar Tagen wird im Saal richtig geackert. Gerade schaut sich Willy Kerbusch die Arbeiten an. Der Erste Beigeordnete der Stadt hat allerdings in dieser Sache einen anderen "Hut" auf: Kerbusch ist auch Geschäftsführer der städtischen Grundstücksgesellschaft, die die Gaststätte samt Saal und Garagen-Vorhof vor etwa zwei Jahren übernommen hat. Kerbusch bekräftigt noch einmal seinen Entschluss: "Wir werden jetzt alles daran setzen, dass Willich wieder einen vernünftigen Saal bekommt."

Der Saal ist derzeit nicht wiederzuerkennen, soll aber den "Charme" der 1960er-Jahre behalten. Der alte, modrige Boden wurde auf einer Fläche von rund 250 Quadratmetern entfernt. Zu sehen sind alte Streifen-Fundamente aus Ziegelstein, unterlegt mit einigen alten Bahnschwellen. Gerade ist die Schreinerei mit der Unterkonstruktion beschäftigt. "In etwa zwei Wochen dürften die neuen Dielen aus Eiche Massivholz drin sein", sagt Schreiner Dirk Kosanke. Dann geht es an die Oberflächenbehandlung und parallel an den Abriss und kompletten Neuaufbau der Bühne. Kosanke weiter: "Wir werden die Bühne vergrößern und sogar vorn um etwa 2,50 Meter erweitern." Und unter der Bühne, die die gleichen Dielen wie der Saal bekommt, wird Platz geschaffen, damit dort bei Steh-Events zumindest die Tische zwischengelagert werden können.

Überall wird derzeit in die Hände gespuckt. Dachdecker bessern oben schadhafte Stellen aus, Installateure kümmern sich um den Strom, um die neue Heizung im Kaminzimmer oder um die Überarbeitung der sanitären Anlagen. "Wir werden alles versuchen, damit wir hier auch eine behindertengerechte Toilette einrichten können", sagt Kerbusch.

Das ist aber längst noch nicht alles. Eingebaut wird im Anschluss eine neue Beschallung, mit kompletter neuer Bühne, modernster Technik, neuer Garderobe. Dazu gehören auch Projektoren und Leinwand, die bald im Kaminzimmer, aber auch im gesamten Saal für besondere Veranstaltungen genutzt werden könnten. "Der neue Saal muss mindestens für die nächsten zehn bis 15 Jahre der Allgemeinheit zur Verfügung stehen und entsprechend ausgestattet sein", sagt Kerbusch. An Gesamtkosten aller Maßnahmen sind bis zu rund 300.000 Euro wahrscheinlich. Voraussichtlich im Mai dürften alle Arbeiten beendet sein, wobei schon vorher der Saal genutzt werden kann.

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"Natürlich muss sich die Investition rechnen, ist es sicherlich ein Spagat, einerseits dafür eine angemessene Pacht, von wem auch immer, zu verlangen, andererseits für ein Auskommen des Pächters zu sorgen." Kerbusch nennt ein Beispiel: "Die Vereine können den Saal kostenfrei nutzen, aber es geht dann nicht, dass sie sich dabei selbst verpflegen oder einen eigenen Caterer beauftragen."

Für Kerbusch sind drei Optionen für die nahe Zukunft wahrscheinlich: Entweder verlängert der bisherige Pächter Horst Neven (76), dessen Pachtvertrag am 31. Dezember 2018 ausläuft, oder es wird ein neuer Pächter für die Gaststätte und den Saal gesucht. Es gibt ferner die Möglichkeit, dass, ähnlich wie in der Schiefbahner Kulturhalle, ein Caterer und Betreiber gesucht wird, der nur zu bestimmten Anlässen Gaststätte und Saal öffnet. Um diese Möglichkeiten auszuloten, will Kerbusch im Mai spätestens Juni den bisherigen Pächter und die Vereine und Gruppen, die Gaststätte und Saal nutzen, zu einer Gesprächsrunde einladen. "Ich warte dies jetzt mal in Ruhe ab", sagt Pächter Horst Neven.

Neben dem Grundstück und den Außenanlagen waren und sind auch die 24 Garagen im Innenhof in das Eigentum der Grundstücksgesellschaft übergegangen. "Auch diese Garagen werden wir noch sanieren", sagt Kerbusch und ergänzt, dass danach die Miete von monatlich 25 Euro deutlich erhöht werden müsse. Konkrete Zahlen nannte er noch nicht, nur so viel: "Vorsorglich haben wir den Mietern der Garagen mit den alten Bedingungen zum 1. Januar 2019 gekündigt."

(wsc)