Freundeskreis Fazliov Landrat soll Abgeschobenen helfen

Anrath · Voller Engagement arbeitet der Freundeskreis Fazliov an einer Rückkehr einer abgeschobenen Familie. Groß ist die Freude darüber, dass der Landrat des Kreises Viersen einem gemeinsamen Gesprächstermin zugestimmt hat.

 Der Willicher CDU-Vorsitzende Christian Pakusch (rechts) hat den Kontakt zu Landrat Andreas Coenen vermittelt.

Der Willicher CDU-Vorsitzende Christian Pakusch (rechts) hat den Kontakt zu Landrat Andreas Coenen vermittelt.

Foto: Wolfgang Kaiser

Es gibt schriftliche Arbeitsverträge, die nur noch unterschrieben werden müssen. Eine Wohnung steht bereit. Möbel sind angeschafft. Kurzum: Der Freundeskreis Fazliov hat alles für die Rückkehr der abgeschobenen fünfköpfigen Familie Fazliov vorbereitet. Aber: Diese Rückkehr steht noch immer in den Sternen. Denn es läuft ein Verfahren bezüglich des Aufenthaltsrechtes der Familie beim Düsseldorfer Verwaltungsgericht. Dazu kommt das Einreiseverbot. Dieses kann nur durch die Ausländerbehörde des Kreises Viersen, sprich Landrat Andreas Coenen, aufgehoben werden.

Durch die Abschiebung ist bei der Familie eine Einreise- und Aufenthaltssperre von zwei Jahren ausgelöst worden, die ab Datum der Abschiebung gilt. Das bedeutet, dass die Familie zwei Jahre lang nicht in das Bundesgebiet und die anderen Schengenstaaten einreisen oder sich dort aufhalten darf. Diese Sperrfrist kann durch einen begründeten Antrag verkürzt werden. „Hierfür wäre der Kreis Viersen zuständig. Ein Antrag liegt noch nicht vor“, teilt die Pressestelle des Kreises Viersen mit. Schon seit Längerem versucht der Freundeskreis, einen Gesprächstermin beim Landrat zu erhalten. Nun gibt es einen ersten Erfolg. „Der Landrat hat seine Zustimmung zu einem Termin gegeben. Es muss jetzt nur noch ein Datum gefunden werden, an dem alle können“, sagt Christian Pakusch.

Der Willicher CDU-Vorsitzende, der die Familie Fazliov selbst kennt, fungierte als Vermittler zwischen dem Kreis Viersen und dem Freundeskreis. „Wir begrüßen es sehr, dass wir unsere Argumente für die Familie und die Sicht unserer Dinge beim Landrat vortragen werden können“, sagt Christoph Carlhoff vom Freundeskreis. Die Abschiebung von Elsafeta und Ismail Fazliov mit ihren drei Kindern sorgte vor rund einem Jahr bei vielen Anrather Bürgern für einen Schock.

Die aus Mazedonien stammende Roma-Familie hatte sich gut in Anrath integriert. Die gesamte Familie, die als Flüchtlinge nach Deutschland kam, lebte Integration auf der ganzen Linie. Sie sind der deutschen Sprache mächtig, Ismail Fazliov hatte einen Arbeitsplatz in der Pflege in Aussicht. Er und seine Frau waren ehrenamtlich aktiv, insbesondere in der Anrather DRK-Begegnungsstätte. Die Kinder besuchten Schule oder Kita sowie Sportvereine. Umso unverständlicher war es für die Anrather, dass diese Familie abgeschoben wurde, und das mit der ganzen Härte einer Abschiebung. Ohne Vorwarnung wurden sie frühmorgens aus dem Alltag gerissen, den sie sich in Anrath aufgebaut hatten.

Für viele Bürger war die vom Kreis Viersen getroffene Entscheidung, die Familie auszuweisen, unverständlich, zumal sich die Härtefallkommission des Landes NRW für eine Aufenthaltserlaubnis ausgesprochen hatte. Daher gründete sich der Freundeskreis Fazliov. Eine Gruppe von über zehn Personen, die sich seitdem nicht nur dafür einsetzt, dass die Familie nach Anrath zurückkehren kann, sondern die die Familie auch in Mazedonien weiter unterstützt. „Wir sind in ständigem Kontakt und überweisen der Familie jeden Monat 500 Euro. Dazu schicken wir immer wieder Pakete, darunter auch Bekleidung“, sagt Marlies Pasch. Man habe sich gerade erkundigt, welche Bekleidungs- und Schuhgrößen die drei Kinder derzeit haben, weil man zu Ostern ein entsprechendes Paket schicken wolle, fügt Rosemarie Hammes an.

Durch das Geld ist es der fünfköpfigen Familie möglich, eine Zwei-Zimmerwohnung anzumieten, deren Kaltmiete 250 Euro beträgt. 50 Euro fallen für Nebenkosten an. Damit bleiben 200 Euro zum Leben. Ismail Fazliov arbeitet als Gelegenheitsarbeiter, und auch Elsafeta Fazliov nimmt jede Arbeitsmöglichkeit wahr. „Das Problem: Die Familie gehört zu den Romas, und die werden in Mazedonien geächtet. Das merkt die Familie nicht nur auf dem Arbeitsmarkt“, sagt Marlies Pasch.

Der Freundeskreis setzt seine Hoffnung nun auf das Gespräch mit dem Landrat, wobei es den Mitgliedern besonders am Herzen liegt zu verdeutlichen, dass die Familie bei einer Rückkehr niemandem auf der Taschen liegen wird. Für Ismail und Elsafeta Fazliov liegen, dank des Engagements des Freundeskreises, Arbeitsverträge vor.

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