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Frauen aus Neersen helfen Kindern in Entwicklungsländern

Engagement in Willich : Mit Marmeladen und Likör helfen

Einmal im Jahr treffen sich Sofia Weyhofen, Lore Frehn und Pastor Markus Poltermann zum Kassensturz. Die beiden Neersenerinnen sind das ganze Jahr über für Kinder in Entwicklungsländern im Einsatz. Aktuell kamen 3467 Euro zusammen.

Das mit einem Gummiband umschlossene Bündel Briefumschläge und der gut gefüllte Lederbeutel auf dem Tisch stehen im Mittelpunkt des Interesses von Sofia Weyhofen, Lore Frehn und Pastor Markus Poltermann. „Dann wollen wir einmal starten“, sagt Poltermann, greift zum Lederbeutel und kippt ihn aus. Dutzende Münzen kullern über den Tisch. Doch die Unordnung der Münzen ändert sich schnell. Es entstehen kleine Stapel, und das Zählen beginnt. Kurze Zeit später sind die Briefumschläge an der Reihe. Jeder einzelne ist beschriftet. Aufschriften wie „Hochzeit“, „80. Geburtstag“ und „Diamantende Hochzeit“ sind zu lesen. „Ich beschrifte jeden Briefumschlag, den wir bekommen, mit Datum und dem Ereignis. Es freut mich immer wieder aufs Neue, wenn Bürger bei einem besonderen Ereignis an uns denken und uns etwas spenden“, erzählt Weyhofen, die gerade einen der Umschläge öffnet und einen 50-Euro-Schein herausnimmt. Die Spendensumme wächst stetig. Bei 3467,18 Euro ist Schluss. Alles ist gezählt.

Für Poltermann steht danach die nächste Aufgabe an. Er ist immer derjenige, der das Geld einzahlt. Wobei es in diesem Jahr zur Unterstützung von Operationen gedacht ist, die ein Münchener Mediziner in Afrika vornimmt. „Er operiert dort Kinder mit Gaumenspalten. Mit dem Geld kann das für die Operationen benötigte Material angeschafft werden“, informiert Poltermann. Seit dem schweren Erdbeben in Haiti sind die beiden Neersenerinnen, die auch in der Neersener Pfarrcaritas aktiv sind, im Einsatz, um Kindern in Not in Entwicklungsländern zu helfen. „Wir haben damals Pastor Poltermann angesprochen und informiert, dass wir etwas für notleidende Kinder tun wollten“, erinnern sich Weyhofen und Frehn. Poltermann trat als Vermittler in Erscheinung. Er stellte den Kontakt zum Kindermissionswerk her und macht Vorschläge, wo das Geld hingehen könnte. Er ist es auch, der die jeweilige Spendensumme über das Kindermissionswerk an die vorab ausgesuchte Hilfsorganisation überweist.

Alle drei freuen sich über Dankesschreiben, die immer wieder eingehen. Weyhofen und Frehn starteten seinerzeit mit dem Verkauf von Blumenzwiebeln und schwenkten dann auf selbstgemachte Marmeladen sowie hausgemachten Eier- und Mandellikör um. Wobei Frehn in ihrer Küche die Fruchtaufstriche herstellt und Weyhofen für die beiden Liköre zuständig ist. Die benötigten Zutaten zahlen sie komplett aus eigener Kasse. „Wir leben hier im Überfluss. Andere Menschen hungern, haben kein sauberes Trinkwasser und keine medizinische Grundversorgung. Wir wollen etwas tun, das ist uns einfach wichtig“, erklären die beiden ihr Engagement.

Mit den in den heimischen Küchen produzierten Produkten sind Weyhofen und Frehn auf den unterschiedlichen Märkten und Veranstaltungen in Willich und Umgebung anzutreffen. Den Auftakt macht immer das Brunnenfest in Anrath. Den Abschluss bildet ebenfalls wieder Anrath, und zwar mit dem Weihnachtsmarkt. Dazwischen liegen unter anderem der regelmäßig stattfindende Seniorenkaffee und der wöchentliche Neersener Markt. „Wir nehmen zudem auch Bestellungen an“, sagt Frehn.

Neben diesen Einnahmen sind es vor allen Dingen die Spenden, die sie anlässlich von Jubiläen, Festen, Hochzeiten und Taufen erhalten und die die Jahressumme nach oben klettern lassen. „Viele kennen uns mittlerweile und spenden uns etwas. Für diese Unterstützung können wir uns nur von ganzem Herzen bedanken“, betont Weyhofen. Sie selbst ist indes schon oft nach ihrem Rezept für den Mandellikör gefragt worden, aber das verrät sie nicht. „Dann würden die Leute ihn ja nicht mehr bei uns kaufen, und das geht doch nicht“, bemerkt die 80-Jährige mit einem Augenzwinkern.