Stadt Willich: Flüchtlingen nicht fremde Regeln aufzwingen

Stadt Willich: Flüchtlingen nicht fremde Regeln aufzwingen

Farbenfroh, von lodernder Dynamik sind die Bilder des syrischen Künstlers Waleed Ibrahim, der mit Beate Krempe die Ausstellung "Just Human" in der Galerie Schageshof zeigte. Fast durchgängig widmet sich der Künstler der Darstellung von kurdischen Frauen, die dem Betrachter zugewandt, dabei aber eigentlich nie wirklich individuell dargestellt sind. Gemeinsam mit Krempes Arbeiten boten die Gemälde das Szenarium für eine intensive Diskussion zischen Studenten und dem dreifach promovierten Professor Hans-Dieter Zoch.

Es ging um eine Auseinandersetzung mit Fragen zur Integration unter Berücksichtigung kultureller und psychoanalytischer Aspekte. Zoch schöpft aus höchst unterschiedlichen Bereichen und ist ausgewiesener Spezialist für eine ungewöhnliche Kombination der Fachrichtungen. Stationen einer beeindruckenden Vita sind unter anderem die über 31 Jahre währende Leitung des Sozialpädiatrischen Zentrums in der Kinderklinik und ein langjähriger Lehrauftrag zur Weiterbildung angehender Ärzte klinischer Psychologie. Zoch ist vereidigter gerichtspsychologischer Sachverständiger und studierter Afrikanist.

Initiatorin der Begegnung war Hannah Hitschler-Schinhoven, Studentin an der Fliedner-Fachhochschule Düsseldorf. Hier lehrt der 76-Jährige, der beinahe alle Länder bereist hat und exotische Sprachen beherrscht. Hitschler-Schinhoven hatte mit ihm einen Garanten für eine facettenreiche Diskussionsrunde gewonnen.

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Die ausgestellten Arbeiten waren nicht Beiwerk der Begegnung, sondern inspirierten unter dem Eindruck der Gespräche zu sich wandelnden Betrachtungsweisen. Zoch zeigte sich fasziniert, wie die Studenten den Ausdruck der Dargestellten neu entdeckten. Zur Frage, wie Menschen integriert werden können, sprach der Psychologe den Einfluss der mitgebrachten Erziehung an und wie darauf einzugehen sei. "Wenn wir Ankommenden unsere Regeln aufzwingen, geht das nicht gut. Wir müssen erklären, warum unsere Regeln so sind", betont er. Im Gegenzug geht er davon aus, dass über eine solche Auseinandersetzung auch Verständnis für Handlungen geformt wird. In den Gesichtern der gemalten Frauen erkannte der vielgereiste Mann die kurdische Herkunft des Malers, dem es gestattet ist, Frauengesichter darzustellen. Zoch ist überzeugt, dass die Ende Januar zu Ende gegangene Ausstellung inspirierend auf das Gespräch wirkte. Darum ist er dem Galeristen Dr. Karl-Josef Brockmanns dankbar für das Podium. "Die Diskussion in der Galerie wird einiges ins Rollen bringen", sagt der Psychologe, der in Tönisvorst wohnt.

(RP)