Willich: "Es geht nur Hand in Hand"

Willich : "Es geht nur Hand in Hand"

Rainer Höppner (49), Vorsitzender der Werbegemeinschaft Schiefbahn, spricht über die ständig steigende Mitgliederzahl, die Zusammenarbeit mit Stadt und Politik, die laufenden und geplanten Bauprojekte im Ort und Befürchtungen zum Verlust von Kaufkraft.

Ein Autohaus in Mönchengladbach ist unlängst das 75. Mitglied der Schiefbahner Werbegemeinschaft geworden. Gehen Sie bei der Mitgliedersuche bewusst über die Grenzen Schiefbahns hinaus?

Rainer Höppner Das ist so gewollt, weil wir uns auch breit aufstellen wollen. Wir haben nicht nur die Einzelhändler vor Ort. Wir versuchen auch, die Attraktivität des Ortes zu steigern. Das schafft man zum Beispiel mit Festen. Dafür braucht man Sponsoren, die uns in irgendeiner Weise unterstützen. Und da suche ich nach Partnern, mit denen man zusammenarbeiten kann. Deshalb haben wir auch Unternehmen aus Willich dabei. Jeder, der etwas für die Gemeinschaft tun möchte, ist gut für uns.

Als Sie vor vier Jahren Vorsitzender der Werbegemeinschaft wurden, hatten Sie etwas mehr als 20 Mitglieder. Jetzt sind es 84. Was macht den Erfolg der Werbegemeinschaft aus?

Höppner Der entscheidende Punkt bei unserem Erfolg als Werbegemeinschaft ist nicht die Mitgliederzahl. Die hat sich aus unserem Erfolg heraus so entwickelt. Entscheidend sind die Kontakte. Wir sind auf die Feuerwehr zugegangen, wir sind auf die Schützen zugegangen und wir sind auf die Stadt zugegangen. Diese Kommunikation, dieses Gefühl "Wir sind Schiefbahn", das ist unser Erfolg.

Ist mit der Mitgliederzahl auch Ihr Einfluss gestiegen? Werden Sie jetzt anders wahrgenommen?

Höppner Ja, aber das hat mit der Anzahl der Mitglieder eigentlich nichts zu tun. Man muss es schaffen, die Bürger mitzunehmen. Beim Bürger muss das Bewusstsein entstehen: Das sind Einzelhändler, die setzen sich ein und die tun etwas für den Ort. Und das war der Fall, als wir die Bänke aufgestellt haben oder für die Parkplätze gekämpft haben. Da kommen dann Leute vorbei und klopfen einem auf die Schulter und sagen: "Gut, dass sich mal jemand einsetzt."

Im Frühjahr hat sich die Werbegemeinschaft im Zusammenhang mit der Außengastronomie vehement und erfolgreich für den Erhalt von Parkplätzen eingesetzt. Sind Sie jetzt mit der Parkplatz-Situation zufrieden?

Höppner Ja. Auch das Baustellenmanagement der Stadt bei den Großbaustellen Sparkasse und Edeka ist aus Sicht der Einzelhändler sehr gut gelaufen. Wir sind auch in Gesprächen über weitere Verbesserungen. Ein Dank geht dabei an Frau Holter (Citymanagerin der Stadt Willich, Anm. d. Red.). Das ist sehr fruchtbar, weil die Stadt gemerkt hat, dass wir uns kreativ in diesen Prozess mit einbringen möchten und die Kommunikation auch mit den Schiefbahner Politikern intensiviert haben. Es geht nur Hand in Hand.

Die Außengastronomie in Schiefbahn ist bereits beim Modellversuch gut angekommen. Wie läuft es derzeit?

Höppner Die Regelung, die wir jetzt gefunden haben, läuft hervorragend. Das wird sehr, sehr gut angenommen. Wenn man jetzt nach Schiefbahn reinfährt, hat man immer das Gefühl, es ist sehr belebt. Das ist auch die Rückmeldung der Gastronomen.

Wird die Außengastronomie noch ausgeweitet?

Höppner Die Gaststätte "Tömp" hat schon eine Konzession beantragt. Und auch der ein oder andere Imbiss ist nach draußen gegangen.

Was erhofft sich der Schiefbahner Handel vom Edeka-Neubau und dem neuen Gebäude der Sparkasse?

Höppner Eine Aufwertung für das Zentrum. Unsere Sparkasse war ziemlich veraltet. Jetzt entsteht ein Neubau, zu dem ja auch Wohnungen gehören. Das heißt, wir werden noch ein paar Bürger mehr bekommen. Das kann auch nicht schaden. Aber es ist vor allen Dingen wichtig, einen schönen Neubau zu haben, der Schiefbahn weiter aufwertet. Genauso sehe ich das mit Edeka. Wir haben im Moment keinen Nahversorger in Schiefbahn. Und durch den Neubau können sich auch die älteren Menschen bald zu Fuß versorgen. Die Zusammenarbeit mit Edeka ist auch sehr gut. Wir wollen, dass das Geschäft keine Insel wird, sondern auch für Kundenfrequenz im Ort sorgt.

Ein jahrelanges Ärgernis in Schiefbahn ist das Hubertusloch. Jetzt sollen dort unter dem Namen Hubertushof Wohnimmobilien entstehen. Wie froh sind Sie über diese Entwicklung?

Höppner Es wird ja auch Zeit. Das ist einer der wenigen Schandflecken in Schiefbahn. Wenn dort jetzt Wohngebäude in hochwertiger Form gebaut werden, kann das nur gut sein für Schiefbahn.

Es gab Befürchtungen, der Ort würde unter der Umstellung der Laternen von Gas auf Strom leiden. Haben diese Befürchtungen sich bestätigt?

Höppner Nein, die Umstellung ist gut gelaufen. Es ist richtig schön hell. Und entgegen aller Befürchtungen ist das ein sehr warmes Licht. Da hat die Stadt einen tollen Job gemacht.

Welche Pläne verfolgt die Werbegemeinschaft für die Zukunft?

Höppner Wir werden mit Sicherheit noch weitere Bänke aufstellen, um die Aufenthaltsqualität noch weiter zu verbessern. Der Weihnachtsbaum, der früher beim ehemaligen Penny-Markt stand, soll in diesem Jahr in den Ort kommen. So können sich vor allem Kinder den Baum besser anschauen. Wir werden in diesem Zusammenhang auch mit den Kindergärten über Bastelaktionen sprechen, um den Baum zu schmücken. Und auch für die Beleuchtung werden wir sorgen.

Gutes Stichwort. Vor zwei Jahren haben Sie in Schiefbahn auf die Weihnachtsbeleuchtung verzichtet, weil das Geld fehlte und die Stadt die Werbegemeinschaft nicht ausreichend unterstützt hätte. Wird es in diesem Jahr eine Weihnachtsbeleuchtung geben?

Höppner Natürlich. Wir haben es durch harte Verhandlungen mit der Stadt zu einem vernünftigen Konsens gebracht, von dem wir, aber auch die Stadt profitiert. Letztendlich ist schließlich immer noch der Einzelhandel für die Attraktivität einer Innenstadt ausschlaggebend und keine Gewerbegebiete. Da hat die Stadt sich in die richtige Richtung bewegt und uns bei der Weihnachtsbeleuchtung unterstützt.

Zuletzt sind im Planungsausschuss noch einmal Bedenken laut geworden, dass Willich durch verschiedene größere Einzelhandels-Projekte in Mönchengladbach, Kaarst und Osterath massiv an Kaufkraft verlieren könnte. Teilen Sie diese Befürchtung?

Höppner Es ist ja nicht zu ändern. Man muss den Bürgern nur klar machen, dass es die Einzelhändler vor Ort sind, die diesen auch stützen. Die Händler identifizieren sich mit diesem Ort und geben auch viel zurück. Sie bieten Praktikumsplätze an, veranstalten Feste oder fördern Vereine oder Kindergärten. Das machen die Großen nicht — und auch keine Versandhäuser aus dem Internet. Wir müssen den Bürger deshalb dafür sensibilisieren, dass er den ein oder anderen Kauf hier mehr macht, weil er sich auch mit dem Ort identifiziert. Das ist die einzige Möglichkeit, die wir haben.

Andreas Cüppers führte das Gespräch.

(RP)
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