Erster Spatenstich am Alten Wasserwerk im Willicher Stahlwerk Becker

Stahlwerk Becker : Altes Wasserwerk wird endlich saniert

Die städtische Grundstückgesellschaft baut das historische Gebäude im Willicher Stahlwerk Becker um. Dort sollen moderne Büroräume entstehen.

Versprochen ist versprochen: Die Grundstücksgesellschaft der Stadt Willich hatte zugesagt, mit den umfassenden Sanierungsarbeiten des alten Wasserwerks noch im Mai zu beginnen. Gestern fand der symbolische erste Spatenstich statt, und neben den Männern mit dem Spaten in der Hand legte ein Bagger die Fundamente frei.

Kaum vorstellbar, dass das kompakt wirkende Gebäude einmal rund 920 Quadratmeter Nutzfläche bieten soll. Dies soll erreicht werden durch den Einzug neuer Zwischendecken. Willy Kerbusch in seiner Funktion als Geschäftsführer der städtischen Grundstücksgesellschaft erklärte die Vorgehensweise: „Es wird wie ein Haus im Haus, das alte Gemäuer wird statisch nicht belastet.“ Sicherungsmaßnahmen sind in den vergangenen Tagen erfolgt in Form von Abstützungen, die die Fassaden in Form halten sollen. Stahlfenster sollen den rustikalen Industrie-Charme erhalten, zwei der sechs alten Tanks werden nicht entfernt, um so die Historie zu dokumentieren. Mit dem Aushub ist Kerbusch nicht unzufrieden: „Ein Stück weiter Richtung Wasserturm haben die englischen Soldaten Bahnschwellen mit Karbolineum bestrichen – die daraus resultierenden Schadstoffe sind noch in 41 Metern Tiefe nachweisbar.“ Dem Aushub rund um das marode Gebäude müssen Proben entnommen werden.

Franz Auling (v.l.), Karl-Heinz Koch,  Peter Jahnen, Willy Kerbusch, Christian Pakusch, Rainer Höppner, Gesa Slomian und Christian Hehnen beim Ersten Spatenstich. Foto: Norbert Prümen

Während der Baggerfahrer eine neue Schaufel Erde ablädt und den Haufen immer weiter wachsen lässt, kommt Architekt Peter Jahnen aus Aachen vorgefahren. Man merkt ihm an, dass er diesen Termin gern wahrnimmt, nicht zuletzt wohl deshalb, weil er von Anfang an mit im Boot ist. „Es ist ein spannendes Projekt, ein schönes Projekt“, erklärt er. Die historischen Gebäude auf dem Gelände des Stahlwerks Becker bezeichnet Jahnen als Juwelen, die aus einer Zeit stammen, „als der Industriearchitektur noch Bedeutung beigemessen wurde. Diese Architektur war zu ihrer Zeit ein Synonym für den Fortschritt.“ Eine Besonderheit: „Das Grundwasser fließt in zwei Richtungen, abhängig vom Pegelstand des Rheins“, sagt Jahnen. Was den Architekten immer wieder erstaunt: „Dieses Projekt kennen ganz viele Leute, auch weit über Willich hinaus.“ Es tauche dann immer die Frage nach den Zuschüssen auf. Lediglich die Wasserachse sei mit Euroga-Mitteln gefördert worden.

Mit dabei beim Spatenstich war auch Arno Lietz, dem die Neersener Bauunternehmung Heinrich Siebes gehört. Er wird die Baumaßnahmen umsetzen. Was er über seinen Großauftrag denkt: „Das ist schon eine große Nummer – und eine Sache, die Spaß macht, absolut nichts Alltägliches.“ Wer einmal in dem Alten Wasserwerk arbeiten wird, hat ein Domizil, das alles andere als alltäglich ist.

Christian Pakusch, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Grundstücksgesellschaft, lobte, dass die einstimmige Entscheidung für die Übernahme der Immobilie von einem privaten Investor durch die Grundstücksgesellschaft keine Selbstverständlichkeit gewesen sei. Und Willy Kerbusch ist froh, dass die beiden einstigen „Sorgenkinder“ Wasserturm und Wasserwerk jetzt endlich auf einem guten Weg sind. Denn im benachbarten Wasserturm wird schon seit Monaten gearbeitet. Dort baut die Sachverständigen-Firma Hüsges ihren neuen Sitz, im Wasserturm sollen Konferenzräume entstehen.

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