Stadt Willich: Erste Stolpersteine in Willich

Stadt Willich: Erste Stolpersteine in Willich

Auf Initiative von Schülern des Schiefbahner St. Bernhard Gymnasiums hat der Kölner Bildhauer Günter Demnig die ersten Stolpersteine in der Stadt Willich verlegt. Sie erinnern an von den Nazis ermordete jüdische Mitbürger

"Hier wohnte Siegmund Kaufmann Jg. 1878 - deportiert 1941 Lodz/ Litzmannstadt - Tot 13.7.1942". Dies steht in Messing gehauen auf einem der insgesamt sieben Stolpersteine, mit denen in Schiefbahn gestern an die Deportation und den Tod der einst an der Schulstraße 2 wohnenden Familie Kaufmann gedacht wurde. Das Interesse war groß. Etwa 200 Menschen, darunter Schüler aber auch viele Senioren und einige Zeitzeugen, kamen zur ersten Verlegung dieser besonderen Steine in der Stadt Willich.

Schüler lasen Texte vor

Während der eigentliche Initiator des Kunstprojekts, der Kölner Gunter Demnig (64), die auf den Oberflächen beschrifteten Steine in das Pflaster schlug , lasen Zehntklässler des Schiefbahner St. Bernhard Gymnasiums, darunter die 16- jährigen Fabian Kröppel und Celine Cont, die Biografien der siebenköpfigen jüdischen Familie, von Siegmund und Josefine Kaufmann sowie deren Kinder Ernst, Elisabeth, deren verwitwete Schwester Thekla Heumann, von ihrem vierjährigen Sohn Herbert.

Sie alle starben 1942 im Ghetto oder wurden in Chelmno (Kulmhof) ermordet. Lediglich Bruder Fritz Kaufmann überlebte den Holocaust. Er wanderte in die USA aus und starb dort 1997. Auch für ihn wurde ein Stein gesetzt.

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Die Impulsgeber dieser "Stolpersteine" in Willich waren eben diese Schülerinnen und Schüler der damaligen Jahrgangsstufe 9 des Schiefbahner St. Bernhard-Gymnasiums mit ihrem Politik-Lehrer Bernd-Dieter Röhrscheid. "Wir wollten damit den ermordeten Juden den Namen und ihr Gesicht wiedergeben", erläuterten die Schüler. Zu den Biografien zeigten sie gestern auch Bilder der Kaufmanns. Während einige ältere Passanten gestern schnell wieder die Stätte verließen, um nicht von der Erinnerungen übermannt zu werden ("Ich halte das nicht länger aus"), blieben die meisten bis zum Schluss. Darunter auch Vertreter der jüdischen Gemeinde in Mönchengladbach und wenige Zeitzeugen.

Auch der Schiefbahner Alfred Mayer war gekommen, einer der wenigen, die den Holocaust überlebt haben. Alfred Mayer trug auch in hebräischer Sprache ein Trauergedicht vor. Zum exakt gleichen Zeitpunkt fingen die Glocken der benachbarten St. Hubertus-Pfarrkirche an zu schlagen. "Uns werden heute Steine in den Weg gelegt, hoffentlich stolpern viele drüber", sagte der katholische Pfarrer Markus Poltermann.

Er war sich mit dem evangelischen Pfarrer Joachim Schuler einig, dass die systematische Ermordung der Juden aber auch der Sinti und Roma , politisch Verfolgten, der Homosexuellen oder der Zeugen Jehovas in den KZ niemals in Vergessenheit geraten dürfe. Willichs Vize-Bürgermeister Dieter Lambertz sagte, er hoffe auf die jüngere Generation, dass diese sich mit Mut und Zivilvcourage gegen Unterdrückung und Gewalt zur Wehr setze.

(wsc)
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