Stadt Willich: Erst Mischbier, dann Wodka

Stadt Willich : Erst Mischbier, dann Wodka

An Alkohol zu kommen, ist für 16-Jährige kein Problem, sagt Patrick S. Ein Kiosk finde sich immer. Der 21-jährige Willicher erzählt, wie er mit dem Trinken angefangen hat und warum eine Ausbildung "wie ein Sechser im Lotto" ist.

Angefangen hat es in den großen Ferien. Patrick S.* war damals 16 und hatte gerade die zehnte Klasse an der Hauptschule hinter sich gebracht. "Wir hatten viel Zeit und auch Langeweile. Erst haben wir uns nur am Wochenende betrunken, dann eigentlich jeden Tag. Wir haben schon morgens mit dem Trinken angefangen, mit Alkohol war es um Einiges lustiger", erzählt der heute 21-jährige Willicher.

Mischbier, Sangria, später härtere Getränke, vor allem Wodka – alles in rauen Mengen. Vier Zwei-Liter-Sangria-Flaschen habe er teilweise pro Tag getrunken oder zwei Flaschen Wodka mit Zitrone. "Da war es auch egal, dass der Sangria warm war, er war auf alle Fälle günstig." Einmal sei er mit 2,8 Promille von der Polizei aufgegriffen worden. "Damit hab ich noch Wochen lang geprahlt. Als ich mal wieder einen klaren Kopf hatte, ist mir bewusst geworden, wie heftig das ist."

Unterwegs war Patrick mit einer großen Gruppe von 25 Jugendlichen. Dass sich das Zusammensitzen und Saufen zu einem Problem entwickelte, habe er nicht realisiert. Mittlerweile hat Patrick seine "schlimme Phase" – die dauerte fast drei Jahre – überwunden. "Ich habe eine Ausbildung gefunden, das war wie ein Sechser im Lotto." Und: "Mit Kopfschmerzen morgens zur Arbeit gehen, das funktioniert nicht." Also hat er nach und nach seinen Konsum zurückgeschraubt. Einige seiner Freunde hätten den Absprung jedoch nicht geschafft.

An Alkohol zu kommen sei nie ein Problem gewesen, erzählt der junge Mann. "Es gab immer ein Kiosk, das uns was verkauft hat, auch als wir noch unter 18 waren. Das hat sich unter den Jugendlichen rumgesprochen und ist auch nie zu anderen Stellen durchgesickert." Damals fand er diese Quellen prima, heute nicht mehr. Es sei gefährlich, Alkohol an zu junge Leute zu verkaufen, findet er. "Ich würde auch nicht für einen Jüngeren was kaufen." Im Gegenteil: "Ich versuche mit den Leuten zu reden und meine Erfahrungen zu teilen."

Er selbst habe das Gefühl, dass die heute 16-Jährigen, wie sein Bruder, noch mehr trinken und teilweise auch schon 13-Jährige "Pilze schlucken". Pilze oder auch Magic Mushrooms sind "natürliche" Drogen, die in der Natur gesammelt werden können und Halluzinationen hervorrufen. "Wir haben uns meist auf Bolzplätzen oder im Park getroffen", erzählt der Willicher. Zwischendurch haben sie ein bisschen Fußball gespielt oder Party gemacht. Nicht mittrinken sei schwer, sagt Patrick. "Man hat sich vorgenommen nichts zu trinken, aber es hat nicht geklappt. Man pusht sich gegenseitig nach oben, will einander toppen." Heute weiß er, dass ihn der harte Alkohol verändert hatte. " Ich war aggressiver und bin in Schlägereien reingeraten."

Auch seine Mutter habe ihn darauf angesprochen, auf die zittrigen Hände und den Alkohol. "Klar hat die gemerkt, wenn ich abends nach Hause kam und irgendein Körbchen umgeschmissen habe." Der Draht zu Streetworkerin Marion Tank war besser. "Ohne die vielen Gespräche wäre der Groschen nicht gefallen." Frage des Tages

*Name von der Redaktion geändert

(RP)
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