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Stadt Willich: Emmaus-Gemeinde spricht Probleme an

Stadt Willich : Emmaus-Gemeinde spricht Probleme an

Beim Neujahrsempfang der evangelischen Emmaus-Kirchengemeinde Willich kamen auch Unstimmigkeiten zur Sprache. Es hakt beim LOT-Bündnis, das sich um die Flüchtlinge kümmert, und bei der Begegnungsstätte Neersen.

"Ich hoffe, dass wir nicht dazu verführt werden, den islamischen Terrorismus mit dem Islam zu verwechseln", sagte beim Neujahrsempfang der Willicher Emmaus-Kirchengemeinde der Vorsitzende des Presbyteriums, Pfarrer Joachim Schuler. Der Geistliche war immer noch entsetzt darüber, dass das neue Jahr mit Schrecken und Terror begonnen hatte: "Wir leiden mit den Opfern und trauern mit den Hinterbliebenen." Schuler wünschte auch angesichts der zahlreichen Demonstrationen derzeit, dass ein vernünftiger Dialog hin zu einer friedlicheren Zukunft gefunden werde.

Pfarrer Michael Haarmann gestaltete mit der Kantorei und Friederike Lambrich, die seit wenigen Monaten im dritten Pfarrbezirk in Neersen ihre Probezeit als Pfarrerin macht, den Gottesdienst, ehe es ebenfalls in der Neersener Friedenskirche mit dem gut besuchten Neujahrsempfang weiterging. Schuler kam auch auf die in Willich lebenden Flüchtlinge zu sprechen, zeigte sich vor allem vom Engagement des "Arbeitskreises Fremde" beeindruckt: Er zeigte sich zuversichtlich, dass auch das ökumenische Aktionsbündnis "LOT" für die neu eintreffenden Flüchtlinge zu einer wichtigen ersten Wegbegleiter werde und mit ihm ebenfalls eine Atmosphäre der großen Hilfsbereitschaft geschaffen werde. Dies wünschte wenig später auch der SPD-Fraktionsvorsitzende, Bernd-Dieter Röhrscheid, obgleich es, so Röhrscheid, auf der Führungsebene dieses Bündnisses unterschiedliche Auffassungen über die Vorgehensweise geben soll. Röhrscheid: "Im Interesse der Flüchtlinge müssen diese Unstimmigkeiten schnell bereinigt werden."

Der Emmaus-Kirchengemeinde gehören derzeit rund 8200 Mitglieder an. Pfarrer Schuler dankte allen Hauptberuflern und ehrenamtlichen Helfern für ihren Einsatz, stellte die neue Jugendleiterin des Willicher Bezirks, Miriam Pausch, vor und kam auf zwei große Zukunfts-Projekte zu sprechen. Den dringenden Neubau des Kindergartens am Herderweg etwa: "Der alte Kindergarten dort ist mehr als in die Jahre gekommen", so Schuler. Aus eigener Kraft könne die Kirchengemeinde den Neubau eines dann Drei-Gruppen-Kindergartens nicht stemmen, sodass man auf die Unterstützung der Stadt angewiesen sei. Derzeit gebe es Gespräche und Verhandlungen auch mit infrage kommenden Bauträgern. Schuler nannte als Ziel, dass die neue Einrichtung im Kindergartenjahr 2016/17 ihren Betrieb aufnehmen könnte. Der Standort sei neben dem alten derzeit zweigruppigen Kindergarten.

Ohne in dem frühen Zustand der Gespräche konkrete Zusagen machen zu können, sicherte Bürgermeister Josef Heyes Unterstützung der Stadt bei einem Neubau zu: "Als Kommune sind wir hier in der Pflicht." Heyes sprach von einer guten und harmonischen Zusammenarbeit mit der Emmaus-Kirchengemeinde, meinte dabei auch das Engagement in den Kindertagesstätten und die wichtige Jugendarbeit, denn, so der Bürgermeister: "Gerade in der heutigen Zeit ist es wichtiger denn je, ein Abdriften der Jugendlichen zu verhindern."

So ganz harmonisch ist derzeit aber nicht alles. So bemüht sich die Emmaus-Gemeinde weiterhin bislang erfolglos, die Trägerschaft der noch städtischen Neersener Begegnungsstätte zu übernehmen, will dann in vielfältiger Weise ein Netzwerk der Hilfen für jüngere als auch ältere Mitbürger aufbauen. Noch gehen die Meinungen über die Finanzierung vor allem zwischen Verwaltungsvorstand und Kirchengemeinde auseinander. Dazu Schuler: "Wir haben vollstes Vertrauen, einen Konsens zu erzielen, und suchen noch mit der Stadt nach einer nachhaltigen Finanzierungsmöglichkeit."

"Jetzt ist die Politik gefragt, entscheidet hoffentlich bald, der Emmaus-Kirchengemeinde die Träger der Neersener Begegnungsstätte zu übergeben", sagte SPD-Fraktionsvorsitzender Bernd-Dieter Röhrscheid. Auf Nachfrage sagte er, dass bislang die Übernahme an den Finanzen und am Veto des Verwaltungsvorstandes gescheitert sei.

Bürgermeister Josef Heyes bestätigte die noch fehlende Zustimmung des Verwaltungsvorstandes, sagte aber auch: "Wir müssen ähnlich wie in Schiefbahn eine Lösung finden. Diese darf aber für die Stadt nicht teurer als derzeit sein, denn dann könnten wir die Begegnungsstätte auch weiterhin selber führen."

(wsc)