Ellen Roidl-Hock trifft Entscheidungen im Beruf und im Ehrenamt

Starke Frauen...in Willich : Ellen Roidl-Hock trifft Entscheidungen im Beruf und im Ehrenamt

„Richterin war immer mein Traumberuf“, beschreibt die Willicherin Ellen Roidl-Hock und ergänzt lächelnd: „Mir hat es gefallen, das letzte Wort zu haben.“ Die 57-Jährige ist Vorsitzende Richterin am Landgericht Krefeld – Entscheidungen gehören zu ihrem Arbeitsalltag.

Vor ihrer Berufung nach Krefeld hat sie von 1981 bis 1985 in Bonn Jura studiert und dann zielstrebig ihre Karriere verfolgt: Nach dem Referendariat wurde sie 1989 zur Richterin ernannt und war zuerst am Landgericht Düsseldorf tätig. Nach mehreren Stationen – unter anderem am Oberlandesgericht – ist sie seit 2014 auf eigenen Wunsch in der Krefelder Position.

Ihr Arbeitsfeld lässt sicher den ein oder anderen zurückschrecken, denn sie hat auch den Vorsitz in der Jugendstrafkammer, die auch als Jugendschutzkammer fungiert. Die Jugendstrafkammer bearbeitet alle Formen jugendlicher Kriminalität, „das geht bis zum Mord“, schildert die Richterin. Häufig verhandele sie auch Fälle, in denen Kinder oder Jugendliche Opfer sexueller Gewalt geworden sind. Damit umzugehen, hat sie gelernt, „als junge Richterin hat mich das sehr mitgenommen, vor allem, als ich selbst Mutter werden wollte. Mittlerweile habe ich mir eine berufliche Distanz angeeignet.“ Ihre Aufgabe sei es, über ein gerechtes Urteil zu entscheiden, nach Abwägung aller vorgelegten Beweise. Das ist eine anspruchsvolle Tätigkeit, denn es gelte, sorgfältig abzuwägen. „Man darf keinen Unschuldigen verurteilen, aber es ist schlimm für die Opfer, wenn Straftaten nicht geahndet werden“, betont sie. Jeder Angeklagte dürfe sich verteidigen, das sei sein gutes Recht in unserer Gesellschaft. Auch eine Berufung und eine eventuelle Urteilsaufhebung und Rückverweisung sei zulässig.

Wichtig ist ihr das unabhängige Arbeiten in einer Tätigkeit in einer anspruchsvollen Position, „die Justiz will Top-Examen“. Grundsätzlich habe ein Richter von der Unschuld des Angeklagten auszugehen, „der Staat muss die Schuld beweisen“, erklärt sie die Grundlage ihrer Arbeit. Sind die Beweise ausreichend, ist es Sache der Richter, das Strafmaß zu bestimmen. Diese haben aber dazu auch Vorgaben, die klar definiert sind – und zwar von den Bürgern beziehungsweise deren politischen Vertretern: „Gesetze machen andere, wir als Richter wenden sie an“, beschreibt sie den Rahmen ihrer Entscheidungen.

Im Jugendstrafrecht hat sie als Richterin auch die Aufgabe, bei ihrer Entscheidung auf die erzieherischen Aspekte im Verfahren und beim Strafmaß zu achten, um so mit ihrer Entscheidung ein anderes Leben positiv zu beeinflussen. „Hier wollen die Richter dazu beitragen, dass der Jugendliche auf die rechte Spur gebracht wird. Dazu haben wir ein großes Spektrum – von Haft über Arrest zu Arbeitsauflagen und Weisungen“, so Richterin Roidl-Hock.

Die Mutter eines erwachsenen Sohnes hat neben ihrem Beruf eine ehrenamtliche Funktion, in der es ebenfalls um Entscheidungen geht: Sie ist ein Mitglied der Willicher FDP-Fraktion und hat in ihrer politischen Arbeit auch eine klare Vorstellung: „Ich will Freiheitsrechte für jeden und im Umgang mit jedem vertreten.“ Sie wolle sich nicht bis ins Letzte vom Staat kontrollieren und bevormunden lassen.

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