Stadt Willich Eine Zeitreise durchs lokale Brauwesen

Stadt Willich · Heute eröffnet das Stadtarchiv in der Motte von Schloss Neersen die Altbier-Ausstellung "Von der Hannen-Faust und gehörnten Löwen". Sie dokumentiert sehr unterhaltsam die Geschichte des Brauwesens in Willich.

 Ein mit Bierfässern voll beladener Brauerei-Laster steht vor der Willicher Brauerei zur Abfahrt bereit. Die Aufnahme aus den 1930er Jahren ist in der Altbier-Ausstellung in der Motte von Schloss Neersen ausgestellt.

Ein mit Bierfässern voll beladener Brauerei-Laster steht vor der Willicher Brauerei zur Abfahrt bereit. Die Aufnahme aus den 1930er Jahren ist in der Altbier-Ausstellung in der Motte von Schloss Neersen ausgestellt.

Foto: STADT

Auf eine echte Rarität machte gestern Stadtarchivar Udo Holzenthal beim Aufbau der Ausstellung aufmerksam: In einer Vitrine ist ein Hannen-Altbierglas mit Borussia-Aufdruck zu sehen. Dort wird 1984 der dritte DFB-Pokalsieg gefeiert — der dann doch nach München ging. Heute wird die Ausstellung "Von der Hannen-Faust und gehörten Löwen" im Schloss Neersen eröffnet. Passend zum Thema wird dazu frisches Alt von der Hausbrauerei Schmitz-Mönk in Anrath, der einzigen bis heute verbliebenen Braustätte im Kreis Viersen, ausgeschenkt. Schmitz-Mönk steht für den zweiten Teil des Ausstellungstitels: Die Anrather Hausbrauerei führt einen Löwen im Schilde. Und dieser Löwe bekommt für den Mai-Bock Hörner aufgesetzt.

Nicht mit Fußball, sondern mit dem lateinischen Namen für Preußen hat die Borussia-Brauerei in Neersen zu tun, die 1877 gegründet wurde. Deren Bierkutscher Jakob Clephas, genannt "Hendrix Kubes", war aufgrund seines hünenhaften Wuchses eine lokale Berühmtheit. Einige Objekte aus dem Brauhandwerk wurden vom Niederrheinischen Freilichtmuseum für diese Ausstellung ausgeliehen. Viele Leihgaben in der Motte stammen allerdings von Heinz Zimmermann. Der 72-jährige Neersener sammelt seit zwölf Jahren alles zum Thema Hannen-Alt und Hannen-Faust. Zu Hause hat er allein sieben laufende Meter mit Hannen-Biergläsern. In der Ausstellung ist davon nur eine kleine Auswahl zu sehen, ebenso etliche Spielzeugautos und Modelleisenbahn-Waggons mit Hannen-Schriftzug, Skatkarten, Feuerzeuge, eine Lederschürze und jede Menge alte Holzfässer. Und dazu die passende Reklame: "Besser schmeckt das Essen dir, trinkst du dazu Hannen-Bier."

Die Ausstellung dokumentiert auf mehreren Tafeln den Aufstieg und Verlust der Hannen-Brauerei, die 1966-69 in MG-Neuwerk einen Neubau errichtete und abwanderte. Die Grundstücksverhandlungen in Willich waren vorher gescheitert, weil die Eigentümer mit ihren Forderungen immer zulegten und die Stadt nicht die Differenz zwischen Brauerei und Grundstücksbesitzer übernehmen wollte. Damals kam die Hälfte aller Gewerbesteuereinnahmen Willichs von Hannen.

Die Rohstoffknappheit nach dem Ersten Weltkrieg führte dazu, dass sich 1917 die Hausmann-Brauerei, die Exportbrauerei J. Schmitz und die Germania-Brauerei Dicker Söhne zu den Vereinigten Willicher Brauereien zusammenschlossen. 1920 kam es dann zur Fusion mit der Hannen-Brauerei Korschenbroich zur "Vereinigte Willicher Brauereien und Hannen Korschenbroich GmbH". Als 1920 die Flaschenfüllung eingeführt wird, kann Hannen deutschlandweit vermarktet werden. 1921 wird die Hannen-Faust kreiert. Auf der NS-Ausstellung "Schaffendes Volk" 1937 ist Hannen mit einem großen Pavillon vertreten.

Die Geschichte von Schmitz-Mönk, Stammen-Tillmanns, Hinrichs und den anderen Braufamilien ist auch eine Geschichte der Gaststätte als der guten Stube, in der sich der gesamte Ort traf — nach der Kirche zum Branntwein-Frühschoppen und sonntagsabends zum Kartenspiel mit Bier und Tabak. Zwei bis sechs Gläschen am Abend waren 1871 üblich.

(RP)
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