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Stadt Willich: Eine Puppenmutter aus Leidenschaft

Stadt Willich : Eine Puppenmutter aus Leidenschaft

Auch bei Marlene Bögershausen in Neersen liegt an Weihnachten schon mal eine Puppe auf dem Gabentisch. Seit 35 Jahren sammelt die Seniorin Puppen aus aller Zeit und aller Welt. Mehr als 400 hat sie bereits zusammengetragen.

Lametta schmückt die kleinen Bäume, Christbaumkugeln in Miniaturformat hängen am künstlichen Grün, alles glitzert und leuchtet zurzeit in den Puppenstuben von Marlene Bögershausen. Zu Weihnachten dekoriert die Neersenerin nicht nur ihr eigenes Haus, auch die Stuben ihrer Puppen werden festlich geschmückt. Mehr als 400 in der Größenordnung zwischen drei Zentimetern und 1,60 Metern hat die 64-Jährige in den vergangenen 35 Jahren gesammelt. Puppenhäuser inklusive.

"Lustigerweise habe ich als Kind gar nicht viel mit Puppen gespielt", erzählt die Sammlerin. Dennoch findet sich auch die Puppe, die Marlene Bögershausen einst als Kind zu Weihnachten geschenkt bekam, zwischen all den vielen anderen großen und kleinen Exemplaren. Und nicht nur Puppen stehen in dem ehemaligen Kinderzimmer des Sohnes, auch Puppenstuben, Puppenwagen, Schultaschen für Puppen, Uhren für Puppen, Hochstühle, Schaukelpferde und noch vieles mehr, was manches Kinderherz höher schlagen lässt, hat die Neersenerin zusammengetragen.

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"Ende der 70er-Jahre habe ich von meinem Mann die erste historische Porzellanpuppe geschenkt bekommen", erzählt die Sammlerin. Fasziniert von dem Gedanken, dass Kinder schon vor viele Jahrzehnten damit gespielt haben, fing sie an, auf Flohmärkten gezielt nach alten Puppen zu suchen. Das älteste Exemplar, das Marlene Bögershausen heute in ihrer Sammlung hat, stammt aus dem Jahr 1880. "Was sie alles erlebt hat?", fragt sich die 64-Jährige manchmal. Die Schrecken der historischen Ereignisse sind dem zarten, unschuldigen Puppengesicht jedenfalls nicht anzusehen. Dennoch ist die Sammlung von Marlene Bögershausen auch ein Spiegel der Zeit. Waren es zunächst Porzellanpuppen, mit denen die Kinder spielten, hatte die Puppen ab 1900 Köpfe aus Zelluloid. Die Erfindung hielt zunächst Einzug in die Fotografie, bevor die Firma Schildkröt Puppen aus dem Kunststoff erstellte. "Die waren zwar unzerbrechlich, aber leider nicht sehr beständig und leicht brennbar", weiß die Sammlerin. Deshalb werden Puppen heute meist aus Vinyl hergestellt.

In ihrer Sammlung hat die 64-Jährige auch Objekte aus Holz und Stoff und sogar welche mit Metallköpfen. Und nicht nur das Material, aus dem die Exemplare angefertigt sind, lässt historisch bedingte Rückschlüsse zu. Auch die Kleidung orientiert sich natürlich an der jeweiligen Mode. Ganz deutlich aber wird der Zeitgeist bei den Puppenhäusern. "Dieses Zimmer ist fast genauso, wie das meines Mannes in den späten 60ern", sagt die Neersenerin und deutet auf ein Puppenzimmer mit Jimi-Hendrix-Poster an der Wand, Gitarre in der Ecke, einem Schallplattenspieler, orange-brauner Tapete und Flokatiteppich.

Gefragt nach ihrer Lieblingspuppe schüttelt Marlene Bögershausen den Kopf. "Einige der Käthe-Kruse-Puppen finde ich toll, aber auch die Shirley-Temple-Puppe, die ich in New York erstanden habe, ist etwas Besonderes", sagt die Sammlerin. New York ist nur eine der vielen Städte, aus denen die Neersenerin eine Puppe mitgebracht hat. "Ich bin in sämtlichen Puppenmuseen weltweit gewesen und klappere in jedem Urlaub Trödelmärkte ab, auf der Suche nach einem weiteren Exemplar."

In letzter Zeit allerdings wird Marlene Bögershausen immer seltener fündig. Es gibt einfach nicht mehr viele besondere Puppen, die die Sammlerin noch nicht ihr Eigen nennt.

(WS03)