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Willich: Eine Heimat für Musiker

Willich : Eine Heimat für Musiker

Mit einer Jubiläumsparty beendete das Akkordeon-Orchester 1957 St. Tönis die Feierlichkeiten zum 20-jährigen Bestehens seines Vereinsheims. Das Gebäude entstand komplett in Eigenleistung der Mitglieder.

ST. TÖNIS Was heute für sie unvorstellbar klingt, war früher Realität: Mehr als 30 Jahre lang trafen sich die St. Töniser Akkordeonfreunde in Gaststätten und später in Schulräumen zur Probe. "Im Corneliusfeld war es reines Üben und hatte nichts mit Vereinsleben zu tun", erinnert sich Peter Kamp. Der erste Schriftführer des Akkordeon-Orchesters 1957 St. Tönis weiß noch genau, dass dies kein Dauerzustand für den Verein sein konnte. Auch durch die immer größer werdenden Einzelabteilungen plus Jugendarbeit wurde laut über eigene Räume für die Vereinsarbeit nachgedacht — das war die Geburtsstunde der Idee zum Musik- und Jugendhaus, kurz Vereinsheim.

Anfang 1989 gab die Stadt dem Orchester zusammen mit der Turnerschaft St. Tönis ein Grundstück an der Corneliusstraße 25b in 99-jähriger Erbpacht mir Erbbaurecht. Das heute mit 360 Mitgliedern größte Akkordeonorchester im norddeutschen Raum gewann den Architekten Ludwig Thorrissen, bekam auf Antragsstellung 145 000 D-Mark Fördermittel vom Land NRW und packte unter der Bauleitung von Heinz Meier ab dem 23. August 1989 kräftig mit an.

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"Wir waren zwei Jahre lang fast jeden Samstag auf dem Bau aktiv", erzählt Gabi Behnke. Sieben Uhr morgens ging es los, bis in den Nachmittag waren je 15 bis 20 Baufrauen und -herren beschäftigt. "Unter Anleitung konnte jeder was machen. Durch den engen Zusammenhalt war das die schönste Vereinszeit, wir haben viel gelacht", sagt Michael Behnke. An eine besondere Aufgabe erinnert sich Marie-Luise Meier: "Die Dünnsten mussten in die Fundament-Drahtkäfige klettern und diese von innen verflechten. Da passte nicht jeder durch." Das Richtfest war im März 1990, den Bau nahm das Kreisbauamt ein Jahr später mängelfrei ab. Der Umzug folgte am 5. April 1991, die Einweihungsfeier dann 14 Tage später.

Seitdem sind 20 Jahre vergangen - und viel ist passiert. Heute gibt es mit Stamm-, Hobby-, Schülerorchester, Antonius Harmonists und dem Ensemble fünf Orchester, hinzu kommen zwei Gruppen für musikalische Früherziehung, sieben Schülergruppen und Schlagzeugunterricht. "Sechs Jahre Übung bedarf es, um das Akkordeon ordentlich spielen zu können", sagt Vereinsvorsitzende Karin Löcher.

Nach den Osterferien starten neue Akkordeon-Schülergruppen, bei Bedarf auch für Erwachsene. Trotzdem sind die Anmeldezahlen laut Löcher "deutlich zurückgegangen": Kinder und Jugendliche haben durch die Ganztagsschule weniger Zeit. Das fängt der Verein auf und bietet direkt an den Schulen Angebote an.

Bei der Jubiläumsparty zeigte sich das Orchester von seiner besten Seite. Für die Kinder gab es eine Vereinsheim-Rallye, für Groß und Klein einen Einblick in die vereinseigene Ausbildungsowie musikalische Vorführungen. Beschwingt ging es beim Auftritt der Dixielandband "Schmackes Brass Band" aus Krefeld zu. Frage des Tages

(RP)