Tönisvorst: Ein Windpark für die Bürger und die Stadt

Tönisvorst : Ein Windpark für die Bürger und die Stadt

Das Landesamt für Natur und Umwelt hat in Kehn und südlich von Rottheide zwei Flächen ermittelt, die für Windräder in Frage kämen. Nicht alle Vorster sind begeistert von dieser Idee.

Ein bisschen wie bei einer Veranstaltung von RWE, bei der die Bürger erfahren, dass ihr Dorf dem Braunkohletagebau weichen muss, so war zunächst die Atmosphäre beim Info-Abend der Firma SL Windenergie. Dabei ging es um vergleichsweise Harmloses, nämlich den Bau von drei bis vier Windrädern, die aber nur dann gebaut werden, wenn die Eigentümer der infrage kommenden Grundstücke, die Mehrheit der Bürger, die Politiker und die Verwaltung das will. Bis das aber allen klar war, und auch deutlich wurde, dass Stadt und Bürger finanziell von der Idee profitieren können, waren bereits zwei Stunden vergangen.

Besonders Karl-Heinz Fruhen von "Vorst aktiv" sprach sich vehement gegen Windräder am Ortsrand aus, weil sie die Attraktivität des Ortes schmälerten. Joachim Schulenburg von der Firma SL Windenergie, der die Idee des Bürgerwindparks vorstellen wollte, kam kaum zu Wort. Herbert von Danwitz riet der Firma, die Idee gleich ganz fallen zu lassen: "Wenn neun von zehn Eigentümern das nicht wollen, dann lassen Sie es doch."

So aber ist es mitnichten. Wie zu erfahren war, haben bereits etliche der Bürger, denen die infrage kommenden Grundstücke gehören, Interesse an einem Windrad auf ihrem Acker signalisiert. Ein paar Nutzungsverträge seien bereits geschlossen. Und auch beim Informationsabend, zu dem etwa 50 Bürger, Politiker und einige Ratsmitglieder gekommen waren, gab es den ein oder anderen Fürsprecher: "Wenn schon Windenergie, dann ein Bürgerwindpark, so bleibt das Kapital in Tönisvorst", sagte Landwirt Hans Beudels aus Laschenhütte. Außerdem müsse ein Windpark nicht grundsätzlich schlecht sein.

Tatsache ist, dass vier Windräder vom Typ E-101 mit einer Gesamthöhe von 185 Metern am Standort Tönisvorst ein Ertragsvolumen von 32 Millionen Kilowatt-Stunden im Jahr erwirtschaften könnten. Mehr als 9000 Haushalte können damit versorgt werden, ohne die Umwelt zu belasten. Im Vergleich: Bei diesem Ertragsvolumen sparen Windkraftanlagen rund 27 600 Tonnen CO2 ein. Die Stadt würde außerdem über einen Zeitraum von 20 Jahren mit einer Gewerbesteuereinnahme von bis zu 100 000 Euro pro Jahr rechnen können, so die Einschätzung von SL Windenergie. Bürger können sich über Genossenschaftsanteile am Windpark beteiligen.

"Die Eigentümer verkaufen ihre Grundstücke nicht, sondern bekommen eine jährliche Pacht, die an den Erträgen gekoppelt ist", erläuterte Schulenburg. Nach Ablauf der Pachtverträge werden die Anlagen restlos abgebaut. In den Bau sollen die regionalen Dienstleister einbezogen werden, die Finanzierung läuft über die ortsansässigen Banken. FRAGE DES TAGES

(WS03)