Eichenprozessionsspinner in Willich - Angst um Gesundheit

Giftige Raupen: Eichenprozessionsspinner versetzt Willicher in Sorge

Der Eichenprozessionsspinner macht Anwohnern in Willich-Anrath zu schaffen. Dort ist ein Baum mit der giftigen Raupe befallen, in dessen Nähe Kinder spielen. Die Nachbarn fühlen sich von der Stadt allein gelassen.

In ganz NRW sind die Raupen des Eichenprozessionsspinners zur Plage geworden. Im Kreis Viersen hat man darum Anfang Mai damit begonnen, einzelne Bäume entlang der Kreisstraßen zu spritzen. In Willich seien rund 50 Bäume befallen, sagt Claudia Maibach vom Geschäftsbereich Landschaft und Straßen der Stadt Willich. Meist werde der Befall durch Baum-Kontrolleure oder Anwohner gemeldet und ihm dann mithilfe eines externen Schädlingbekämpfers nachgegangen.

Darauf allerdings warten die Anwohner des Wohngebiets am Buscherhof in Anrath nun schon seit mehr als drei Wochen. Dort ist ein unmittelbar vor mehreren Wohnhäusern stehender Baum befallen, der sowohl den öffentlichen Fußweg als eine Terrasse überschattet. Auf dieser spielen auch Kinder. Ihre Eltern sorgen sich, denn die feinen Haare, die die Raupe des Nachfalters in einem Larvenstadium ausbildet, können zu schweren allergischen Reaktionen führen.

Diese Gefahr geht von den Raupen aus

Zu diesen zählen entzündliche Hautausschläge, Bindehautentzündungen, Rachenreizungen und allergisches Asthma. „Hier wohnen mehrere schwere Allergiker und Asthmatiker“, sagt Anwohnerin Sylvia Troldner. Auch ihr neunjähriger Sohn zähle dazu. Er habe bereits eine Bindehautreizung, müsse zum Arzt.

Bereits Pfingsten mailten die Anwohner der Stadt Willich und schickten Fotos vom Befall. Zwar ließ diese den Schädling zeitnah durch einen Experten identifizieren, doch entfernt ist er trotz vieler Mails und Anrufe mehrerer Bewohner noch immer nicht. Die Betroffenen fühlen sich allein gelassen.

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Anwohner kritsieren Hinweise der Stadt

Einzelne Tiere krabbeln inzwischen über die Terrasse. Eines der Kinder fand eine Raupe in einer vor dem Kinderpool aufgestellten Wasserwanne. Dem Rat der Stadt, sich weiter als 50 Meter entfernt von dem Baum aufzuhalten, könne man schwerlich folgen, sagt Troldner. Außerdem werden die feinen Brennhaare der Tiere vom Wind bis zu 200 Meter weit getragen. Was die Mutter zweier Kinder zudem ärgert: „Bei einem meiner vielen Anrufe wies man mich darauf hin, dass im Baum ein Nistkasten mit einer jungen Vogelbrut hängt. Sind die Vögel wichtiger als unsere Kinder?“

Das Problem der Stadt: Am Buscherhof bestätigte zwar ein Experte zeitnah den Raupenbefall, doch ebenso die existierende Vogelbrut. Diese ist nach dem Bundesnaturschutzgesetz durch Brutschutzzeiten geschützt. Das machte es zum Ärger der Betroffenen notwendig, den Kreis Viersen miteinzubeziehen. Dadurch verzögerte sich das Eingreifen der Stadt. Zudem kann man aufgrund der Nähe zu den Wohnhäusern und wegen in der Eiche brütender Vögel nicht mit Insektiziden spritzen.

Am vergangenen Montag sei grünes Licht für ein Absaugen der Raupen gekommen. „Das allerdings führen nur wenige Spezialunternehmen durch“, sagt Maibach. Diese seien zugleich in weiteren Kommunen - wie etwa in Velbert - tätig, wo ein Raupenalarm zur Schließung einer Schule führte.

Selbst wenn nun alle Raupen entfernt sein sollten, plagt die Anwohner die nächste Sorge: In der Nähe grenzt eine Eichenallee an. Dorthin könnte sich der Schädling ausbreiten und das das Problem in den nächsten Jahren multiplizieren.

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