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Ehrenvorsitz: SPD Willich wählt Renate Tippmann statt Bernd-Dieter Röhrscheid

Mitgliederversammlung in Willich : Ehrenvorsitz: SPD wählt Tippmann statt Röhrscheid

Die Mitgliederversammlung der Willicher Sozialdemokraten lief nicht wie geplant. Plötzlich wurde Renate Tippmann als Ehrenvorsitzende vorgeschlagen. Bernd-Dieter Röhrscheid spricht von einer „Blamage für den Vorstand“.

Eigentlich hätte Bernd-Dieter Röhrscheid auf der SPD-Mitgliederversammlung in der Gaststätte Krücken zum Ehrenvorsitzenden gewählt werden sollen. Die Urkunde war gedruckt und unterschrieben, die Wahl schien eine reine Formsache zu sein. Doch es sollte ganz anders kommen.

Henning Ehlers brachte den Stein ins Rollen. Er schlug eine Frau vor, die wie Röhrscheid SPD-Vorsitzende war: Renate Tippmann. Und die lehnte nicht ab, wodurch die Versammlung nicht ihren vorgesehenen Gang nehmen konnte. Nach einer Versammlungsunterbrechung erklärte der Vorsitzende Lukas Maaßen: „Bernd-Dieter Röhrscheid hat auf seine Kandidatur verzichtet.“ So blieb der Partei eine Kampfabstimmung erspart.

Renate Tippmann (87) wurde per Akklamation einstimmig zur Ehrenvorsitzenden gewählt. „Dieter, kannst du mir verzeihen?“, fragte sie ihren Kontrahenten. Der tat zumindest so, als könne er verzeihen. Gegenüber unserer Redaktion erklärte er: „Der Verzicht ist mir nicht schwergefallen. Das ist eher eine Blamage für den Vorstand.“ Maaßen versprach Tippmann, dass sie die entsprechende Urkunde auf der nächsten Mitgliederversammlung überreicht bekommen werde.

 Bernd-Dieter Röhrscheid trat nicht zur Wahl an.
Bernd-Dieter Röhrscheid trat nicht zur Wahl an. Foto: Norbert Prümen
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Eine Urkunde konnte Bernd-Dieter Röhrscheid trotzdem mit nach Hause nehmen, nämlich die für 50-jährige Mitgliedschaft in der SPD. Ebenfalls seit einem halben Jahrhundert ist Ludwig Greiffenstein SPD-Mitglied. Werner Fröhlich bekam seine Urkunde nachträglich: Er feierte bereits im vergangenen Jahr sein 65-jähriges Parteijubiläum.

Die Willicher SPD hätte gerne neue Mitglieder. In den vergangenen zehn Jahren ist die Mitgliederzahl von 222 auf 164 gesunken. Lukas Maaßen hatte schon das Superwahljahr 2025 im Blick. Bis dahin müsse es gelingen, für jeden Wahlkreis eine Kandidatin beziehungsweise einen Kandidaten zur Verfügung zu haben. Maaßen, der vergeblich ein Landtagsmandat angestrebt hatte, zog eine umfassende Bilanz. „Dass wir mit Olaf Scholz einen sozialdemokratischen Bundeskanzler bekommen würden, haben viele von uns nicht vorhergesehen.“ Das Ergebnis der Landtagswahlen bezeichnete er hingegen als enttäuschend. Die SPD habe landesweit 4,5 Prozentpunkte eingebüßt, im Kreis Viersen seien es nur 1,8 Prozentpunkte gewesen. „Wir haben einen guten Job gemacht“, erklärte der Parteivorsitzende rückblickend. Dann wandte er sich der Kommunalpolitik zu und damit auch der kritischen Haushaltslage in Willich. Die SPD habe mutige Sparvorschläge gemacht. Die Erhöhung der Grundsteuer B sei nicht der richtige Weg. Stattdessen empfahl er Einsparungen im Kulturbereich, den Verzicht auf die Umsetzung von Straßenbauprojekten, die Reduzierung der Bürgerbüros und die Erhöhung des Gewerbesteuersatzes. Maaßen kritisierte Bürgermeister Christian Pakusch (CDU): „Es darf nicht nur um Inszenierung gehen.“