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Tönisvorst: Ehrenamt in jungen Jahren

Tönisvorst : Ehrenamt in jungen Jahren

Jonas Cox spielt gerne Schach. Das ist für einen Zwölfjährigen nichts ungewöhnliches. Außergewöhnlich ist aber, dass er Schachunterricht gibt – ehrenamtlich im Vorster Familienzentrum Drei-Käse-Hoch.

Auf dem Tisch im Personalraum des Vorster Familienzentrums Drei-Käse-Hoch baut Jonas Cox gerade drei Schachbretter auf. Allerdings stellt der zwölfjährige Vorster nur die Könige und die Bauern auf. Warum, ist Sekunden später klar. Statt Erwachsener, marschieren die beiden fünfjährigen Kindergartenkinder Jakob und Berkay in den Raum, winken Jonas zu und erklettern die Stühle am Tisch. Kurze Zeit später folgen Kathrin (6) und Patrick (7).

Üben mit den Bauern

"Wisst ihr noch, wie ein Bauer geht?", möchte Jonas von den Vieren wissen. Jakob nimmt einen der Bauern und stellt ihn zwei Felder weiter. "Das ist aber nur am Anfang so. Der darf sonst nur ein Feld gehen", sagt der Fünfjährige. Vier Kinderhände schieben die Bauern abwechselnd über die Spielfelder. Dann wird es schwieriger. "Bauern können auch schlagen", erklärt Jonas und macht es auf dem Spielfeld vor. Wieder startet ein Spiel mit den Bauern. Ziel ist es, erst einmal die andere Seite zu erreichen, wo ein König steht.

Schach lernen im Kindergarten, der Vorster Jonas Cox macht es möglich. Seit Juni gibt der Gymnasiast im Familienzentrum Drei-Käse-Hoch jeden Freitag für eine Stunde Schachunterricht. Die Initiative für die Schach-AG ging dabei von ihm aus. "Ich bin begeisterter Schachspieler und spiele auch im Verein. Meine Mutter hat mir die Anfänge des Spiels beigebracht, als ich drei Jahre alt war. Da ich gerne mit Kindern arbeite, dachte ich mir, warum ich den Unterricht nicht im Kindergarten anbiete", erzählt der Zwölfjährige.

Dass es ausgerechnet das Familienzentrum Drei-Käse-Hoch wurde, lag am Praktikum, das Jonas in den Osterferien dort absolvierte. "Er sprach uns im Juni zwecks Schach an und ich muss sagen, da wir ihn und seine Geduld im Umgang mit den Kindern kannten, waren wir begeistert", sagt Familienzentrumsleiterin Andrea Bernards. Es gab einen Aushang am schwarzen Brett der Einrichtung und neben zwei Kindergartenkindern meldeten sich auch zwei Grundschüler an, die ehemals im Drei-Käse-Hoch waren. "Schach ist toll. Zuhause spiele ich auch schon mal mit Papa", sagt Jakob. Nicht minder begeistert ist Berkay. Es mache viel Spaß, meint der Fünfjährige.

"Es ist ein super Training für die Kinder. Ich selber spiele auch Schach, muss aber ehrlich sagen, ich habe nicht so viel Geduld im Erklären wie Jonas. Er macht das einfach toll", findet Saruhi Küsters, deren Kinder Kathrin und Patrick auch zu den Lernenden gehören. Sie bringe ihre beiden gerne freitags ins Familienzentrum.

Jonas hat sich extra ein Buch angeschafft, in dem Spielzüge für ganz junge Spieler erklärt werden. "Wenn sie bis Weihnachten mit König, Bauer und vielleicht Turm kleine Spiele machen können, bin ich richtig stolz darauf", sagt der junge Lehrer.

(RP)