Stadt Willich: Duprés Kreuzweg zum Abschluss

Stadt Willich: Duprés Kreuzweg zum Abschluss

Die Orgelfestwoche an St.Katharina in Willich war die erste große Konzertreihe der Amtszeit von Kantor Alexander Herren. Mit "Der Kreuzweg" von Marcel Dupré ging die Festwoche zu Ende. Norbert Düchtel aus Regensburg spielte das Werk an der Führer-Orgel.

Sichtlich erfreut bilanzierte Willichs Kantor Alexander Herren, dass der Versuch einer Orgelfestwoche mit sechs anspruchsvollen Konzerten in einer Woche so positiv aufgenommen wurde. Besonders das Orgelkonzert für Kinder und die Kombination Orgel und Saxophon zogen noch mehr Zuhörer an, als Herren insgeheim erhofft hatte. Der gelungene Versuch lässt den Gedanken an eine Neuauflage keimen und Herren weiß auch schon einen Anlass: Im März 2011 wird das Schmuckstück Führer-Orgel in der St.Katharina-Kirche 20 Jahre alt.

Zufrieden darf der neue Willicher Kantor auch mit dem Abschluss der Orgelwoche sein, der eindrucksvollen Wiedergabe des Opus 29 von Marcel Dupré "Der Kreuzweg" in der Pfarrkirche St. Katharina. Angeregt wurde der Pariser Saint-Sulpice-Organist Dupré (1886-1971), Schüler von Guilmant, Vierne und Widor und dazu ein großartiger Orgelimprovisator, zu diesem Werk durch die dichterische Aufarbeitung des biblischen Berichts von Jesus' schmerzhaftem Weg nach Golgatha durch den im Katholizismus wurzelnden französischen Landsmann Paul Claudel(1868-1955).

Engagiert und mit deutlicher Aussprache trug der Würzburger Diakon Lothar Landendinger, der früher in Willich tätig war, den Claudelschen Text über die 14 Stationen der Via dolorosa vor. Für die Wiedergabe von Marcel Duprés Komposition war der Professor für künstlerisches Orgelspiel und Organist an der Regensburger päpstlichen Basilika "Unserer Lieben Frau zur Alten Kapelle" Norbert Düchtel gekommen.

Duprés Werk über den Kreuzweg, "Le Chemin de la Croix", lässt sich der Gattung Programm-Musik zurechnen. Nicht in dem Sinn von direkter Lautmalerei, aber doch als Versuch, seelisches Geschehen durch Musik zu charakterisieren. So geht es zu Beginn, bei der Urteilsverkündigung, nervös und hektisch zu. Schneidende Dissonanzen charakterisieren eine aufgebrachte, johlende Masse. Zur zweiten Station ("Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern") klingt die Musik schleppend und stolpernd. Beruhigend wirken die Passagen zur sechsten Station ("Veronika reicht Jesus das Schweisstuch"). Tiefe Zerrissenheit schildert die Musik zur neunten Station ("Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz").

Für die klangliche Umsetzung dieser Komposition ist die Führer-Orgel der Willicher Pfarrkirche hervorragend geeignet. Als romantische Orgel verfügt sie über die orchestralen Register, die für die französische Orgelmusik benötigt werden und dazu über ein Schwellwerk, das dynamische Nuancierungen ermöglicht. Die Register ermöglichen die bedrohlichen und niederschmetternden Wirkungen, die in der Komposition angelegt sind. Souverän wusste Norbert Düchtel die klangliche Vielfalt des Instruments zu nutzen.

(RP)