Stadt Willich: Druck auf Wasserwerk-Investor

Stadt Willich: Druck auf Wasserwerk-Investor

Bereits 2015 verkaufte die städtische Grundstücksgesellschaft GSG das historische Gebäude im Stahlwerk Becker. Getan hat sich dort seither aber nichts. Wenn sich das bis Ende Juni nicht ändert, will die GSG das Gebäude zurückhaben.

Willy Kerbusch in seiner Funktion als Geschäftsführer der städtischen Grundstücksgesellschaft GSG macht Druck: "Wenn bis zum 30. Juni nicht mit dem Bau begonnen wird, machen wir's selbst." Er meint das alte Wasserwerk im Stahlwerk Becker, aus dem die Firma Bellvida aus Bergisch Gladbach ein modernes Bürogebäude im historischen Gewand machen möchte. Denn das Bauwerk steht unter Denkmalschutz. Bellvida-Geschäftsführer Harald Fett zeigt sich allerdings zuversichtlich, dass es bald losgehen kann. Ein Nachtrag zum Antrag auf Baugenehmigung sei inzwischen eingereicht - es gab noch Änderungen bezüglich des Denkmalschutzes. "Wir wollen anfangen, sobald die Baugenehmigung erteilt ist. Wir hoffen, dass das Gebäude nächstes Jahr fertig ist", sagt Fett, dessen Firma das Projekt wiederum für die "Projektgesellschaft Denk-Mal Wasserwerk Willich GmbH" entwickelt. Ursprünglich hätte das Gebäude schon 2017 fertig sein sollen.

Die GSG hatte das Wassserwerk 2015 verkauft, sich aber ein Rückkaufrecht vorbehalten, falls das Projekt nicht in die Gänge kommt. Zwar ist das Wasserwerk auch im jetzigen maroden Zustand ein Blickfang und dient häufig als Fotomotiv, doch die Substanz des Gebäudes wird nicht besser. "Es verfällt jedes Jahr ein bisschen mehr", sagt Kerbusch, der als Vater des Gewerbegebiets Stahlwerk Becker gilt - und daher ein Interesse daran hat, dass auch die beiden letzten markanten historischen Gebäude, also das Wasserwerk und der Wasserturm, saniert und genutzt werden: "Wir sind nicht erbaut darüber, dass sich beides so lange hinzieht."

Ein Blickfang ist das Wasserwerk im Gewerbegebiet Stahlwerk Becker auch im maroden Zustand. Foto: Kaiser Wolfgang

Auch der Wasserturm gehört einem Investor, hier hat die GSG allerdings kein Rückkaufrecht. Eine Baugenehmigung sei bereits erteilt, sagt Kerbusch, und Ausschreibungen für die Arbeiten laufen. Was genau aus dem Wasserturm werden soll, verrät er nicht, und auch der Eigentümer schweigt sich aus, reagiert nicht auf E-Mails und Anrufe unserer Redaktion.

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Auskunftsfreudiger ist hingegen Harald Fett, was das Projekt Wasserwerk angeht: Es gebe bereits einen Ankermieter, der 40 Prozent der 915 Quadratmeter Bürofläche im oberen Bereich des Gebäudes belegen werde. Zwei jeweils 260 Quadratmeter große Büro- oder Praxis-Einheiten seien noch zu vermieten. "Viele potenzielle Mieter können sich nicht so recht vorstellen, wie das Gebäude mal aussehen wird, deswegen ist die Vermietung etwas schwierig", sagt Fett. Im Inneren werde das Wasserwerk durch die großen Fenster einen "Kathedralencharakter" haben, ein alter Wasserfilter und ein Kran sollen als Blickfang dienen. Rechts und links sollen sich über drei Etagen mit moderner Technik ausgestattete Büroflächen anschließen.

Auch für den Wasserturm gibt es Pläne. Die Baugenehmigung ist erteilt. Foto: Kaiser Wolfgang

Einen ungewöhnlichen Weg, um Geld für das Projekt (Kerbusch geht von rund 3 Millionen Euro aus) zusammenzubekommen, ist der Investor gegangen: Es wurden Kleinanleger gesucht und gefunden, die sich über ein - nicht risikoloses - "Crowdinvesting" ab einem Betrag von 500 Euro an der Investitionssumme beteiligen können. 15 Monate soll die Laufzeit betragen, die Verzinsung soll sieben Prozent betragen. Als "Fundingssumme" wurden insgesamt 500.000 Euro angesetzt - und wohl auch erzielt.

(RP)
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